Marcus Scholz

2. Juni 2018

„Nummer drei: Auch Aaron Hunt geht mit dem HSV in die 2. Liga“ titelte der „Kicker“ heute, als er bekanntgab, was allen seit Tagen bekannt war. Denn der Mittelfeldspieler hat inzwischen tatsächlich seinen Vertrag bis 2020 verlängert. „Hi Leute“, schrieb Hunt selbst via soziale Netzwerke, „heute habe ich meinen Vertrag beim @hsv verlängert. Ich freue mich auf die neue Saison. Geneinsam zurück in Liga 1“ fügte „Der Dritte im Bunde“ (HSV-Titel) mit einem Foto von seinem HSV-Trikot dazu. Damit hat der HSV nach Lewis Holtby und Gotoku Sakai den dritten erfahrenen Spieler verlängert – und Titz damit einen Baustein mehr in seinem System. Denn Hunt gilt ebenso wie die anderen beiden als Titz’ Wunschspieler. Zudem soll der HSV-Coach weiterhin mit Nachdruck darauf bestehen, dass Douglas Santos gehalten wird.

Dennoch, bei Letztgenanntem würde ich mich für den HSV (und den Trainer) zwar massiv freuen. Denn der Brasilianer ist für mich wirklich die positive Überraschung der letzten Saison. Aussortiert von Markus Gisdol, schon so gut wie nach Holland verkauft, löste der Linksverteidiger seine Handbremse in den letzten Wochen unter Gisdol schon, ehe er komplett durchstartete und für mich zu einem der drei besten Linksverteidiger der Liga aufstieg. Zusammen mit einem netten Kollegen von der BILD war ich bei der täglichen Diskussion unter Kollegen am Trainingsrand sogar der Überzeugung, dass Santos absolut ins Beuteschema des FC Bayern passen könnte - als Backup für FCB-Stammspieler David Alaba allemal. Von daher denke ich noch immer, dass der HSV hier irgendwann im Laufe des Sommers ein Angebot bekommen wird, das er aus rein wirtschaftlichen Gründen schwer bis gar nicht ablehnen können wird.

Dennoch, auch so hat sich der HSV eine Achse aufgebaut, die trotz aller Gehaltsrückstufungen und Verzichten der Spieler in der zum teuersten gehören dürfte, was die zweite Liga zu bieten hat. Und zum Besten. Und bei allen Vorbehalten hier im Blog  Aaron Hunt und Holtby gegenüber, glaube ich, dass diese beiden funktionieren werden. Zumindest solange sie unter Christian Titz spielen, der voll auf die beiden setzt. Und darin liegt tatsächlich eine Gefahr. Denn Stand jetzt hat sich der HSV schon sehr auf Titz’ Wünsche eingelassen und weniger seinen eigenen Weg neu formuliert. Wobei das bei Titz und Becker ja recht deckungsgleich zu sein scheint.

Interessant wird sein, wie der HSV seine Außenpositionen neu besetzt. Mit Tatsuya Ito steht ein Außenstürmer fest, während Filip Kostic abwanderungswillig (und rein wirtschaftlich gedacht auch verkauft werden muss) ist und Nicolai Müller seinen Abschied bereits verkündet hat. Bakery Jatta ist nicht die erste Wahl bei Titz, der dem Vernehmen nach noch auf jeweils einen Außenstürmer pro Seite setzt. Zuzüglich dem passenden Stürmer, der allerhöchstwahrscheinlich nicht Fiete Arp heißen wird.

Der junge HSV-Angreifer soll beim FC Bayern bereits für die Zeit nach (seinem Vertragsende beim HSV) 2019 zugesagt haben und selbst zwar darauf hoffen, in Hamburg spielen zu können. Auch für den Fall, dass er sofort verkauft wird. Allerdings will der HSV das wohl nicht. Verständlicherweise. Denn Arp würde als Leihspieler einem HSV-Talent mit laufendem Vertrag den Platz wegnehmen. Das macht angesichts der Verpflichtung des 19 Jahre jungen Bayern Manuel Wintzheimer beispielsweise nicht allzu viel Sinn. Auch deshalb „drohen“ die HSV-Verantwortlichen Arps Vater und Berater mit dem Szenario, ihn nicht einzusetzen, sollte er nicht per sofort zum FCB wechseln und so wenigstens noch Ablöse in die Kasse spülen.

Der HSV-Angriff sei „purer Luxus“, schreiben meine Kollegen der Mopo heute. Und sie meinen damit den Kostenfaktor, den Bobby Wood (nach Abzug rund 1,8 Millionen Euro Jahresgehalt) und Pierre Michel Lasogga (3,4 Millionen Euro/Jahr) verursachen. Und völlig losgelöst von dem absurden Kostenaufwand, den man nicht ernsthaft erwägen kann, könnten beide Angreifer im Laufe der Zweitligasaison tatsächlich zu der Torgefahr kommen, die man sich fälschlicherweise vor der abgelaufenen Saison von Wood und 2014 von Lasogga erhofft hatte. Man könnte fast schon darüber lachen, wenn es (finanziell) nicht so dramatisch wäre...

Auch Titz hatte sich sicherlich mehr Tore bzw. Torgefahr von Bobby Wood erhofft. Aktuell weilt der Trainer selbst seit gestern im Urlaub. Immer auf Abruf. Und das bleiben auch wir hier, sollte noch etwas passieren. Falls nicht, melden wir uns morgen wieder. Bis dahin wünsche ich Euch allen erst einmal viel Spaß mit dem Testspiel der DFB-Elf gegen Österreich.

 

Scholle

PARTNER VON

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

Kategorien