Lars Pegelow

2. August 2018

Wie immer hat Christian Titz den Raum der Pressekonferenz im Volksparkstadion mit einem Lächeln betreten. „Guten Tag“, schmetterte er fröhlich in die Runde. Es war eine große Presserunde, die sich in nichts unterschied von den Pressekonferenzen der vergangenen Jahre. Das Interesse am HSV ist nach wie vor groß, unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Der Presseblock im Volksparkstadion ist am Freitagabend beinahe genauso voll wie im Mai, als die Hamburger ihr vorerst letztes Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach bestritten haben. Klar, das Oberhaus fängt erst in einigen Wochen an, doch solange Bayern, Dortmund und die anderen nicht spielen, ist der HSV die große Nummer. Jetzt müssen nur noch Siege dieses Interesse rechtfertigen.

 

Apropos: „Ein Startsieg wäre enorm wichtig für uns“, ist sich Christian Titz sicher. „Ich bin überzeugt, dass wir gut gewappnet sind, weil wir eine gute Vorbereitung hatten. Aber für Siege gibt es keinen Ersatz. Sie bedeuten auf der einen Seite, dass auch unsere Gegner Respekt vor uns bekommen. Und auf der anderen Seite holen wir uns mit Erfolgen selbst Sicherheit und Stabilität.“ Ob dies beides da ist, kann man am Tag vor dem Saisonstart nur erahnen. Den Beweis müssen die Profis morgen Abend erbringen.

 

Ein klein wenig feierlich soll es um 20.30 Uhr im Volksparkstadion auch werden. Die DFL plant eine Mini-Zeremonie von ein paar Minuten und auch zwei Hamburger Ikonen werden dort auftauchen: Uwe Seeler und Franz-Josef „Bubi“ Hönig, der neben dem HSV auch für Holstein Kiel gespielt hat. Zwei Ikonen aus besseren Zeiten, aber das zeigt eben auch, dass man rund um den HSV die Zweitklassigkeit angenommen hat und sich niemand mehr zieren muss, nach wie vor ins Volksparkstadion zu kommen. „Es ist nicht ganz leicht zu erklären, warum die Stimmung so ist, wie sie ist“, sagte Christian Titz heute. „Der Verein hat ja in den vergangenen Jahren nicht so viel erreicht, aber die letzte Spiele der Vorsaison und unsere gesamte Vorbereitung verliefen ja recht positiv. Es ist enorm, wie die Zuschauer wie eine Wand hinter dem HSV stehen.“ Und dieses Faustpfand wollen und müssen die Hamburger gleich vom ersten Spieltag der zweiten Liga in die Waagschale werfen. Im NDR hat HSV-Chef Bernd Hoffmann sogar davon gesprochen, dass alle Länderspiel-Atmosphäre erwarten dürfen.

 

Nicht erwarten dürfen die Fans allerdings Aaron Hunt. Trainer Titz wollte am Tag vor dem Spiel zwar noch kein endgültiges Urteil fällen. „Wir müssen erst die Einheit am Freitagvormittag abwarten.“ Klar ist aber, dass Hunt mit seinen Wadenproblemen nicht am eigentlichen Abschlusstraining am Donnerstagnachmittag teilnehmen konnte. Zwei Einheiten komplett verpasst, diejenige davor auch schon abgebrochen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Titz das Risiko eingehen wird, seinen Mannschaftskapitän unnötig zu verheizen. Aus diesem Grund ergibt sich folgende mögliche Startelf:

 

Pollersbeck – Sakai, Bates, van Drongelen, Douglas Santos – Steinmann, Janjicic – Narey, Holtby, Ito – Jairo

 

Ebenso offen ließ Christian Titz, ob er Fiete Arp in den Kader berufen wird. Das wird jedenfalls erst am Freitagmittag bekannt gegeben, ehe sich die Mannschaft ins Tageshotel bewegen wird. Titz lobte die Leistung des Youngsters in der Regionalliga ausdrücklich, stellte aber auch noch einmal klar, dass es für ihn an oberster Stelle steht, jungen Leuten mit der Spielberechtigung in der U 21 oder der U 19 auch entsprechende Spielpraxis zu gewähren. Sollte Hunt ausfallen und Jairo ihn vertreten, hätte Titz mit Pierre-Michel Lasogga und Manuel Wintzheimer immer noch zwei Mittelstürmer auf der Bank, die er nötigenfalls bringen könnte. Wie gestern angedeutet, ich rechne damit, dass Fiete Arp bei den Amateuren in Bremen dabei sein wird.

 

Christian Titz geht in seine erste Saison als Cheftrainer im Profi-Fußball. Ob er denn wenigstens ein bisschen nervös sei und was ihm vor dem Schlafengehen durch den Kopf gehe, wurde der Coach heute gefragt. Titz antwortete, wie Titz seit Monaten glaubhaft antwortet. Er schlafe ruhig und freue sich einfach wahnsinnig auf dieses interessante Fußballspiel, das vor ihm liegt. „Und natürlich freue ich mich umso mehr, weil das Stadion ausverkauft ist. Ich gehe mit Respekt und Freude in dieses Spiel. Und ich weiß, dass wir liefern müssen!“ Seine Masche, damit diese Favoritenrolle nicht erdrückend wird, ist in der Theorie ganz einfach. Nachdem Titz zu Beginn der Zweitliga-Vorbereitung vor sechs Wochen einmal das Ziel Wiederaufstieg genannt hatte, wird dieses Ziel jetzt eigentlich nicht mehr genannt. Seriös den Alltag angehen, von Spiel zu Spiel denken, sich von der vermeintlichen Größe der Aufgabe nicht erschrecken lassen.

 

Auf die Partie gegen Holstein Kiel bezogen, hat Titz seine Hausaufgaben entsprechend erledigt. „Uns erwartet kein typischer Zweitligist“, stellte der Trainer noch einmal klar. Aus der Deckung heraus werde variabel aufgebaut, insofern ist Coach Tim Walter durchaus auf einer Wellenlänge mit Titz selbst. „Ich erwarte einen offenen Spielcharakter“, sagt Titz. „In der zweiten Liga gewinnst Du keine Partie im Vorbeigehen.“

 

Das Training am Donnerstag war nicht mehr besonders intensiv. Pünktlich um 17 Uhr kamen die Spieler aus der Kabine. Es wurde Kreis gespielt, anschließend Torschussübungen. Auffällig: die Spieler krempelten sich entweder die kurzen Fußballhosen noch höher oder rollten die Ärmel ein, um noch mehr Sonne zu bekommen… Ansonsten überzeugten Filip Kostic und Matti Steinmann beim Torabschluss. Anschließend ging der halbe Tross ins Stadion, um letzte Freistoß- und Eckball-Varianten zu trainieren. Der Rest der Truppe spielte auf einem kleinen Feld ohne Tore weiter.

 

Und das war’s dann mit der Vorbereitung. Genau 83 Tage nach dem Abstieg aus der Bundesliga bestreitet der HSV wieder ein Pflichtspiel, zum Start der 2. Liga gegen Holstein Kiel. Ein neues Kapitel in der HSV-Historie beginnt. Keine Ahnung, wie es ausgeht, aber eins ist wie immer sicher: Langweilig wird es mit dem HSV bestimmt nicht.

 

Dafür wird ab morgen garantiert auch wieder Scholle sorgen, der Euch alles rund um den 1. Spieltag servieren wird.

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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