Marcus Scholz

23. Februar 2018

Als der Rest zum Standards üben ins Stadioninnere ging – trotzdem kein Werder-Spion anwesend war -, blieb Vasilije Janjicic draußen. Zusammen mit den anderen Nichtnominierten (Waldschmidt, Schipplock, Thoelke) absolvierte er Zweikampf- und Schussübungen. Und um 17.17 offenbarte der HSV dann, was zu erwarten war: Der Unfallverursacher ist nicht im Kader für das Nordderby morgen bei Werder Bremen. Und das, obwohl der HSV durch den Ausfall von Ekdal und Holtby sowie der anstrengenden Rückreise Walaces aus Brasilien gerade auf seiner Position Bedarf hat. Ein klares Zeichen. Ein richtiges Zeichen, nach dem der 19 Jahre junge Schweizer ohne Führerschein und mit 0,64 Promille angetrunken in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag einen Unfall auf der A7 verursacht hatte.

Und ginge es nach mir, würde diese Strafe auch über dieses Wochenende hinaus Bestand haben. Zumal Janjicic schon häufiger mit dem Auto, das auf ihn zugelassen ist, zum Training gekommen ist. Marco Reus lässt grüßen. Mal wieder denkt ein junger Fußballprofi – und das ist ganz sicher kein HSV-typisches Problem -, dass ihm die Welt gehört und ihm nichts passieren kann. So eine führerscheinlose Fahrt passierte im Internat des HSV in den letzten Jahren ebenso wie anderswo in der Liga häufiger. Es wurde nur totgeschwiegen, um den jungen, aufstrebenden Talenten nicht die Tür zuzuschlagen. Sie sollten sportlich helfen oder zumindest über den Verkauf Geld einbringen. Das wäre bei einem Rauswurf nicht mehr möglich. Und so werden die jungen Fußballprofis in aller Regel nicht nur zu sehr verwöhnt und zu früh mit Geld zugeschmissen, sondern dadurch schlichtweg verzogen. Es wird je nach Wert des Spielers für den Klub in Kauf genommen.

Ich muss zugeben, ich kenne Janjicic nicht gut genug, um mir ein persönliches Urteil erlauben zu können. Deshalb will ich ihm hier gar nicht unterstellen, grundsätzlich so dumm zu sein. Aber in diesem einen großen Fehler stecken so viele kleine Fehler. Angefangen damit, dass er das Leben anderer gefährdet bis hin zu der Tatsache, dass er in Krisenzeiten wie diesen nachts in der Arbeitswoche vor dem wichtigen Nordderby trinkt. Dass es ausgerechnet der Profi macht, dem mitten in der Saison ein Ernährungsberater an die Seite gestellt wurde, um körperliche Defizite aufzuarbeiten – es gibt der eh schon schlimmen Verfehlung einen zusätzlichen, sehr faden Beigeschmack ihn persönlich betreffend.

Es ist obendrein ärgerlich, dass Janjicic eine Alternative für die Doppelsechs darstellen würde, nachdem mit Albin Ekdal und Lewis Holtby zwei Mittelfeldspieler ausfallen und Walace gerade erst von einem anstrengend langen Flug  aus Brasilien angekommen ist. Ich befürchte, dass deshalb Gideon Jung wieder auf der Sechs neben Walace beginnen wird, obgleich ich ihn deutlich lieber in der Innenverteidigung sehen würde. Zusammen mit van Drongelen links und Papadopoulos zentral in der Dreierkette. So wäre wenigstens ein wirklich schneller Spieler hinten in der Dreierkette. Und vor allem einer, der weniger Fehler macht als Mergim Mavraj in aller Regelmäßigkeit. Tatsächlich wäre auch Stephan Ambrosius eine Alternative. Der junge U21-Kicker ist morgen dabei – und vor allem schnell. Allerdings glaube ich, dass der 19-Jährige von der Bank aus starten wird, während Tatsuya Ito zur U21 geschickt wurde udn Josha Vagnoman aller Wahrscheinlichkeit nach der 19. Mann ist, der gestrichen wird, wenn keiner mehr ausfällt.

Aber okay, das alles geht wohl nicht. Und deshalb gehe ich von folgender Startelf aus: Mathenia – Mavraj, Papadopoulos, van Drongelen – Sakai, Walace, Hunt, Jung, Santos – Wood, Kostic. Denn ich glaube, dass Trainer Bernd Hollerbach auswärts darauf setzt, etwas mehr Raum für Konter zu haben. Vor allem aber muss er darauf setzen, dass Wood überhaupt mal wieder den Turbo zündet, den er zu Beginn seiner Zeit beim HSV gezeigt hatte und seitdem nicht mehr einzusetzen wusste. Es ist halt wie überall sonst auch: Wo der Glaube schon verloren ist, regiert die Hoffnung...

In diesem Sinne, morgen melde ich mich im Anschluss an das Spiel natürlich an dieser Stelle wieder mit einem Blog, ehe wir uns ab ca. 20.45 Uhr wieder mit „Rautenperle.tv live“ bei Euch melden werden. Unsere Gäste morgen sind der HSV-Reporter von Sky, Jurek Rohrberg sowie der ehemalige Aufsichtsrat Bernd Enge, Blog-User Joachim „Scorpion“ Woyke und live aus Bremen am Telefon mein „kicker“-Kollege Sebastian Wolff.

Bis dahin wünsche ich Bruno Labbadia mit Wolfsburg einen Sieg in Mainz, dem HSV einen überraschenden Dreier in Bremen und der deutschen Eishockey-Olympiamannschaft einen unfassbar fetten Glückwunsch zum Erreichen des Finales in Pyeongchang. Unfassbar, was die Jungs um Bundestrainer Marco Sturm da gerade leisten!!! Sensationell!!

 

In diesem Sinne, das soll es mit dem kurzen Update am Abend gewesen sein. Bis morgen!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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