Marcus Scholz

13. April 2018

Aaron Hunt ist der Letzte. Oder besser gesagt, der einzige HSV-Profi, der noch mehr als Hallo und Tschüß mit einem der absoluten Topverdiener beim HSV wechselt. Denn Bobby Wood hat mit diesem HSV seit Monaten schon nicht mehr viel am Hut – abgesehen von seinem langfristigen Vertrag. Deshalb trainiert der US-Amerikaner auch tagtäglich mit. Mit sehr schwankenden Leistungen. Zuletzt sogar mit schwachen Leistungen, wie er sie in seinen letzten Spielen auch auf dem Platz gezeigt hatte. Ergebnis: Wood ist erneut nicht einmal im Kader für das morgige Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim. Und wenn mich meine Beobachtungen und die Schilderungen von seinen Mannschaftskameraden nicht täuschen, dann stört es Wood nur noch sehr bedingt.

Und das, obwohl es in Hoffenheim (wie im besten Fall in allen Spielen bis Saisonende) um die allerletzte HSV-Chance geht, doch noch die Klasse zu halten. Teilnahmslos in der Kabine und auf dem Trainingsplatz mit Dienst nach Vorschrift kommt Wood bei Trainer Christian Titz ebenso wenig weiter wie zuvor schon unter Bernd Hollerbach. Erschwerend hinzu kommt, dass Wood nicht der spielende Angreifer ist, den Titz in seinem System bevorzugt. Dennoch liegt es mir fern, Bobby Wood zu verurteilen, weil wir alle nicht wissen, was zwischen ihm und dem verein vorgefallen ist. Ich beurteile seine sportlichen Leistungen und die Eindrücke, die ich mitbekomme – und denen entsprechend hätte ich ihn auch aus dem Kader gestrichen.

Und deshalb können wir nahezu sicher davon ausgehen, dass Titz bei der TSG Hoffenheim mit der Startelf beginnt, die gegen Schalke zuletzt begonnen hat – minus Papadopoulos, der gesperrt ist und von Godeon Jung ersetzt werden wird. Soll heißen, das ist die potenzielle Startelf für das Auswärtsspiel morgen: Pollersbeck – Sakai, Jung, van Drongelen, Santos – Steinmann – Ito, Holtby, Waldschmidt, Hunt, Kostic – Hunt. Zudem im Kader: Mathenia, Ambrosius, Arp, Ekdal, Jatta, Salihovic, Vagnoman. Neben Wood in Hoffenheim ebenfalls nicht dabei sind zudem Andre Hahn, Mohamed Gouaida und Dennis Diekmeier. Wobei Letztgenannter nach einem Tritt von Jung im Training heute verletzt ausfällt. Ach ja, Sven Schipplock fehlt übrigens auch noch angeschlagen.

Aber deutlich wird mal wieder, Titz ist und bleibt konsequent. Er setzt auf die jungen Spieler und verzichtet auf jeden Spieler, der nicht in dieses System passt, Dennis Diekmeier und Andre Hahn beispielsweise. Dem Rechtsverteidiger sowie dem Angreifer hat der Trainer deutlich gemacht, dass sie in seinem System eher keine Rolle spielen. Ebenso Bobby Wood. Im Gegenzug setzt der HSV-Trainer auf Youngster wie Arp, Ambrosius und jetzt auch wieder mal Joscha Vagnoman. Zwar nicht in der Startelf – aber eben als erste Alternativen.

Und wenn ich schon dabei bin, noch ein paar Sätze zu Fiete Arp, der hier von ein paar – zum Glück sehr wenigen – Usern unterirdisch behandelt wird. Das kann ich nicht unkommentiert lassen. Dieser Junge verdient sich jeden Schutz von außen, weil er schlichtweg tadellos alles gibt und geben wird, solange er hier ist. Diesem 18-Jährigen vorzuwerfen, er sei ein Söldner, ist einfach nur daneben. Dass Arp gern beim HSV bleiben würde, ist einfach Fakt. Aber er kann gar nicht bleiben. Oder könnte einer von Euch ihm besten Gewissens einen Verbleib beim HSV nahelegen und ihm abraten, zu einem großen Klub wie den FC Bayern zu gehen?

Nein.

Der einzige, der das kann/darf, ist im Grunde genommen der Trainer. Und der weiß selbst noch nicht, wie es mit ihm in Hamburg weitergeht. Und dennoch holt sich Arp Rat bei Titz. Weil der genau weiß, was er mit Arp vorhat und inwieweit er hier seine nächsten Entwicklungsstufen erklimmen kann. Und allein die Tatsache, dass Arp noch nirgendwo anders unterschrieben hat, sollte auch der/dem Letzten her verdeutlichen, dass Arp wirklich alles abwägt, ehe er sich gegen einen Verbleib entscheidet. Und das, obwohl die letzten Jahre beschämend deutlich gemacht haben, dass der HSV nicht die beste Fußballadresse für Fußballer geschweige denn für junge Talente war.

Klar, auch ich würde mich freuen, wenn Arp zusammen mit dem HSV steil abgeht und Arp beim und mit dem HSV seine Weltkarriere startet – aber das ist schlichtweg nicht realistisch. Und wenn der mit unendlich weitem Abstand beste deutsche Fußballverein ruft – dann MUSS sich Arp Gedanken darüber machen.

Ich hatte es Euch vor ein paar Tagen in diesem Zusammenhang geschrieben und heute haben es auch meine Kollegen von der BILD vermeldet: Arp soll bei Bayern unterschrieben und dann verliehen werden – nach Hamburg. Unter Umständen sogar für zwei Jahre. Und das Allerwichtigste bei dieser Meldung: AUCH, WEIL ARP DAS SO WILL, nicht der FC Bayern. Der will Arp zwar weiterhin unbedingt haben, aber ihn am liebsten woanders hin verleihen. In München erachtet man den HSV nicht als gute Ausbildungsadresse.

Arp indes ist das egal und er stellt Bedingungen, die diesen Megadeal für ihn gefährden könnten. Und trotzdem nehmen sich hier einige wenige das Recht heraus, Arp als Söldner zu beschimpfen und ihn wegzuwünschen? Einen 18-Jährigen, der wirklich alles für den HSV gibt, was er zu geben hat? Nein, liebe Leute, das funktioniert nicht. Und nebenbei: Auch grundsätzlich ist nicht jeder Mensch, der mit Bayern auch nur in Berührung gebracht wird (unterschrieben ist ja noch nicht einmal etwas) ist automatisch ein schlechter Mensch, geschweige denn charakterschwach. Im Gegenteil: Überlegt Euch doch mal, was ihr Eurem Sohn sagen würdet, wenn dieser in derselben Situation wie Arp steckte. Ein Toptalent bei einem seit Jahren schwächer werdenden Verein...

Aber okay, das wissen 99 Prozent hier und ein paar wenige wollen sich inhaltlich gar nicht mit der Thematik auseinandersetzen. Aber ich würde wetten, dass diese am Ende trotzdem im Kreis tanzen werden, wenn Arp den entscheidenden Treffer zum Klassenerhalt schießt.

Apropos: Jubeln wollen wir auch morgen wieder und ich bin gespannt, wie sich die neue Offensivformation mit Hunt als Neuner gegen die Hoffenheimer schlägt. Meine Abendblatt-Kollegen sehen darin das erste Spiel gegen einen Gegner, der das Spiel nicht nur zerstören will. Ich indes zumindest das zweite Spiel gegen einen solchen Gegner. Denn auch Schalke hat spielerisch versucht, gegenzuhalten bzw. zu dominieren. Und das hat nicht funktioniert. Hoffen wir einfach mal, dass der HSV morgen in Hoffenheim so auftritt wie zuletzt in Hamburg gegen Schalke. Vielleicht ja sogar mit Arp als entscheidenden Joker. Oder Vagnoman – an dem übrigens ebenfalls höherklassige Vereine ihr Interesse bekundet haben. Borussia Dortmund zum Beispiel. Was für ein Söldner...

In diesem Sinne, bis morgen! Da melden wir uns im Anschluss an das Spiel wieder ab 17.45 Uhr. Meine Gäste sind die beiden Blog-Kommentatoren Jan Maertins und Lars49 (aka Sven Kröger) sowie der ehemalige HSV-Torwart Jürgen Stars, dessen Analysen mir in den letzten Jahren schon immer wieder außergewöhnlich gut gefallen haben. Ich freue mich auf jeden Fall auf alle drei Gäste sowie auf das Spiel und Euch alle im Anschluss! Sollte es zeitlich einzurichten sein, werden wir im Laufe der Sendung auch noch meinen Kollegen Henrik Jacobs per Telefon live aus dem Stadion zugeschaltet bekommen.

 

Bis dahin!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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