Marcus Scholz

9. Februar 2018

Das sind Situationen – die armen Dortmunder...! Da muss sich Trainer Peter Stöger doch tatsächlich die mit der schwierigen Frage auseinandersetzen, ob er Marco Reus schon wieder aufstellt, oder ob er ihn noch mal schont. „Marco trainiert diese Woche komplett mit, hat keine Rückschläge bekommen. Es geht ihm soweit gut. Werden wir kurzfristig entscheiden. Wenn ein Spieler so lange ausgefallen ist, ist es wichtig, wie es ihm geht und dass er da ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Ich weiß, dass er gern spielen möchte und er weiß, dass wir ihn dabei haben wollen. Das werden wir vernünftig entscheiden. Wenn nicht diese Woche, dann spielt er nächste Woche.“ Ein Spieler, der in halbwegs gesundem Zustand wahrscheinlich allein mehr Qualität als die gesamte HSV-Offensive mitbringt.

Aber okay, wer hat, der hat. Und der HSV hat eben nicht. Auch deshalb probiert HSV-Trainer Bernd Hollerbach noch immer, das vorhandene Personal so zu verbessern, dass endlich mal wieder ein Spiel gewonnen wird. Selbst in Dortmund, wo der HSV mehr Underdog denn je ist. Vor allem versucht „Holler“, die richtige Mischung aus Offensive und defensiver Spielweise zu finden. Hinten die Null – das ist das primäre Ziel. Alles andere kommt danach. Auch das Fußballerische. Viel Wert auf ansehnlichen Fußball kann Trainer Hollerbach eh nicht erwarten. Darf er auch gar nicht. Zumal Dortmunds Trainer Peter Stöger seinerseits ein eher weniger ansehnliches Fußballspiel erwartet. Stöger warnt vor dem HSV, aber es klingt eher wie eine dem grundsätzlichen Anstand und Respekt dem Gegner gezollte Aussage: „Der HSV hat trotzdem die Qualität, Bundesligaspiele zu gewinnen. Und es gibt dafür viele Varianten. Ob Fünfer- oder Viererkette werden wir sehen. Es ist aber auf jeden Fall eine Mannschaft, die über Standards gefährlich werden kann. Sie hat Qualitäten, um anderen Mannschaften weh zu tun. Dass das nicht der Ballbesitz ist, ist klar. Die Hamburger kommen eher übers körperbetonte Spiel.“

Stimmt. Im Passspiel ist der HSV statistisch sogar Tabellenschlusslicht, in Sachen Zweikämpfe an der Spitze. Zwar nicht erst seit Vorkämpfer Hollerbach das Zepter schwingt, trotzdem legt der neue HSV-Coach weiterhin großen Wert darauf, dass seine Mannschaft zunächst die Defensivzweikämpfe gewinnt – und dann zusieht, wie sie ein Tor erzielt. Heute mal wieder per Trockenübung. Verschieben in der Vorwärtsbewegung stand auf dem Plan. Die Dortmunder wurden von roten Plastikfiguren im 4-1-4-1-System angeordnet simuliert, während der HSV hinten wieder die Dreier- bzw. Fünferkette spielte. Und das immer wieder mit lautstarken Ansagen, die von Mergim Mavraj kommen sollten, was schon dafür spricht, dass der Albaner nach zuletzt zwei Spielen ohne Einsatzminute wieder von Beginn an auflaufen darf. Anstelle des gesperrten Kyriakos Papadopoulos soll er sogar den Abwehrchef machen. Zumindest forderte Hollerbach immer wieder seine Ansagen an die Vorderleute.

Neben Mavraj spielen Gideon Jung und Rick van Drongelen sowie Gotoku Sakai rechts und Douglas Santos links. Und auf der Bank hätte Hollerbach noch: Stephan Ambrosius. Der Youngster hat eine gute Trainingswoche hingelegt und ist die erste Alternative, sollte in der Innenverteidigung einer ausfallen. Ein Bundesligadebüt vor mehr als 80.000 Zuschauer im Signal Iduna Park? Es gibt sicher schlimmeres für einen 19-Jährigen. „Wenn er gebraucht wird, packt er das. Stephan ist ein guter Junge, der hat wenig Anpassungsprobleme und steht immer seinen Mann“, lobt Ambrosius’ U21-Trainer Christian Titz.

Parallel zu Ambrosius’ erster Nominierung musste Tatsuya Ito einen kleinen Rückschlag hinnehmen. Hollerbach strich den Japaner heute aus dem Kader, holte dafür Andre Hahn wieder ins Team. Und während das bei vielen den natürlichen Instinkt „was ist das für ein Zeichen? Jetzt wird der Youngster auch noch enteiert“ hervorrief, ist diese Entscheidung für mich diskutabel – aber sehr wohl vertretbar. Denn in Dortmund wird der HSV erwartungsgemäß eher selten in die Situation kommen, im letzten Drittel am Ball zu sein, wo Dribbelkünstler gebraucht werden. Wenn der HSV so weit in die Dortmunder Hälfte kommt, dann eher über schnelle Gegenangriffe. Und dafür ist Hahn ob seiner Robustheit, Laufstärke und Kopfballstärke darauf eher geeignet als Ito. Zumal mit Jann Fiete Arp noch ein weiterer Offensiver im Kader ist, der zunächst auf der Bank Platz nimmt und sicher die erste Alternative ist.

Hollerbach testete heute wie egstern schon erneut mit der vermutlichen A-Elf. Mathenia im Tor, davor van Drongelen, Jung und Mavraj sowie links Santos und rechts Sakai. Im Mittelfeld agierten Walace und Ekdal als Defensive sowie Hunt davor, zeitweise auch ausweichend auf die rechte Seite, während im Sturm Bobby Wood und Filip Kostic waren. Ergo: Auch Hollerbach schenkt Wood eine Menge Vertrauensvorschuss. Und es wäre zu schön, wenn sich das irgendwann mal auszahlt. Allerdings - nein: lassen wir das. Ist ja nicht neu.

Mehr als 8000 Fans reisen morgen mit dem HSV nach Dortmund. Ebenso wie Ito und Papadopoulos nicht mit dabei sind der kranke Lewis Holtby und der an der ferse verletzte Luca Waldschmidt. Der Kader: Mathenia, Pollersbeck, Sakai, Diekmeier, van Drongelen, Jung, Ambrosius, Sakai, Santos, Janjicic, Ekdal, Walace, Salihovic, Hunt, Hahn, Arp, Wood, Kostic. Also Polersbeck als Mathenia-Ersatz, Diekmeier und Ambrosius für die Abwehr, Janjicic fürs defensive Mittelefeld, Salihovic fürs offensive sowie Hahn und Arp für den Angriff als mögliche Auswechselspieler. Kann also losgehen.

Apropos: Danach gibt es morgen wie nach jedem Auswärtsspiel wieder eine „Rautenperle.tv live“-Sendung hier im Blog. Gäste morgen werden HSV-Vizepräsident Henning Kinkhorst, der Beiratsvorsitzende Jan-Norbert Wendt sowie Blog-User Sven Kröger alias „Lars49“ sein. Und ich hoffe, dass wir uns erfreut über eine tolle Leistung aber vor allem aber über den ersten Dreier der Rückserie freuen dürfen. So schwer das leider auch wird.

 

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Partner von

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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