Marcus Scholz

7. April 2019

Nicht gegen Bayern und nicht in Bremen - das waren meine beiden Wünsche für die Auslosung. Ei8n Heimspiel gegen Leipzig war meine erste Option. Dass am Ende alles eintrat und es tatsächlich ein Heimspiel gegen RB Leipzig wurde, umso besser. Dass der Gegner ebenso favorisiert gegen den HSV in Hamburg antreten wird wie die anderen beiden Halbfinalisten Werder Bremen und der FC Bayern München es getan hätten - logisch! Aber es ist von den extrem schwierigen Aufgaben noch die angenehmste Variante.  „Wir haben uns ein Heimspiel gewünscht und das hat uns die Losfee beschert“, freute sich auch Sportvorstand Ralf Becker nach der Auslosung. „Darüber freuen wir uns für unsere Fans. Wir wären als einziger Zweitligist gegen jede der drei verbliebenen Mannschaften in der Außenseiter-Rolle gewesen und so ist es auch gegen Leipzig. Wir wollen uns vor unseren Fans bestmöglich verkaufen, Leipzig ärgern und am Ende nach Berlin fahren.“

Am 23.und 24. April, also direkt nach Ostern kommt es zu den Halbfinalbegegnungen. Unmittelbar bevor der HSV zu Union Berlin reisen muss (28. April). Und damit haben wir auch schon das Thema, das jetzt entscheidender ist: Die Zweite Bundesliga. Morgen trifft der HSV zuhause auf den FC Magdeburg, der sich ein der Rückrunde unter Neutrainer Michael Oenning ein wenig stabilisiert hat, und der mit einer großen Portion Selbstvertrauen nach Hamburg reist, wie ihr im Podcast von FCM-Blogger Alex Schnarr hören könnt. „Ihr haut Magdeburg weg, wir rupfen für Euch Union“, hatte mir ein Dresdner Freund vor dem heutigen Spiel (Endergebnis 0:0) gegen Union Berlin geschrieben. Ich habe eingeschlagen. Und seine Mannschaft hat (zumindest teilweise) Wort gehalten. Jetzt hoffe ich, dass der HSV morgen nachlegt. Für den Frieden mit meinem Freund Gottschi - aber vor allem für das Klassenziel Wiederaufstieg.

 
HSV-Pressekonferenz mit Trainer Hannes Wolf vor dem Spiel gegen Magdeburg

Und auf dem Weg dahin muss Trainer Hannes Wolf noch ein Fragezeichen bearbeiten, das hinter dem Einsatz von Vasilije Janjicic steht. Nicht, weil er von beginn an ran muss - dafür hat er seit Paderborn zu wenig trainiert. Trainer Hannes Wolf: „Bei Vasi müssen wir bis morgen früh abwarten, ob er dabei sein kann. Sakai und van Drongelen haben beide heute wieder mittrainiert. Stand jetzt sind sie beide wieder einsatzbereit.“ Der Schweizer indes wäre eine gute Alternative für den Moment, in dem das Spiel entschieden ist, um Orel Mangala zu ersetzen, der weiter auf vier Gelben Karten hockt und bei der nächsten Verwarnung gesperrt wäre. Sollte er sich diese Verwarnung gegen Magdeburg einhandeln, wäre der vielleicht wertvollste Mittelfeldspieler des HSV ausgerechnet im Spitzenspiel gegen den 1. FC Köln (siegte heute 2:0 in Heidenheim) gesperrt. Und besser wäre es, wenn sich Mangala gerade in Köln die fünfte Gelbe holt, um anschließend gegen Aue gesperrt zu sein und somit auch das Duell in Berlin nicht zu verpassen.

Wunschdenken? Klar! Aber wann sollte ich sowas besser äußern wenn, nicht heute nach dieser Auslosung, die schon besser gar nicht hätte laufen können…

Dass der FC St. Pauli, Paderborn und Union Berlin an diesem Spieltag, den der HSV morgen Abend (20.30 Uhr Volksparkstadion) beschließt, nicht gewonnen haben, ist ebenfalls gut. So kann der HSV sein Punktepolster gegenüber dem vierten UND dem dritten Tabellenrang ausbauen. Allerdings wird es definitiv nicht so leicht wie noch im Hinspiel. Da hatte Hannes Wolf seinen Einstand gegeben und trotz Unterzahl (Bates flog mit Gelbrot) gewonnen. Für mich damals ein unverlierbares Spiel, weil die Magdeburger aus meiner Sicht auch dramatisch schwach waren. Aber das ist heute nicht mehr so. Weiß auch Wolf: „Du kannst Magdeburg nur schlagen, wenn wir die nötige Mentalität haben. Das ist ein ganz wichtiger Faktor für uns morgen.“ Damit spricht der HSV-Trainer auch die Schwäche an, die zuletzt gegen Darmstadt offensichtlich wurde, als man ein sicher geglaubten Sieg plötzlich völlig unerklärlich as der Hand gab. Diesmal allerdings erwartet der HSV-Trainer einen deutlich agileren Gegner. „Magdeburg agiert mit einem schnellen Umschaltspiel und hat damit auch in den letzten Wochen gute Spiele gezeigt. Wichtig ist für uns, dass wir die Zweikämpfe gewinnen, um dieses Umschaltspiel nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.“

In etwa so, wie zuletzt gegen die vielleicht konterstärkste Mannschaft der Zweiten Liga, den SC Paderborn. In der ersten Halbzeit hatte der HSV die Ostwestfalen bearbeitet und ihnen keine Gelegenheiten zugestanden, um in der Zweiten Halbzeit dann die eigenen Stärken auszuspielen und über dominanten Fußball das Spiel sicher und souverän nach hause zu bringen. Eine Taktik, die Hannes Wolf übrigens auch in seiner Zeit als Stuttgart-Trainer ausgezeichnet hatte. Erst (ab)sichern, nichts zulassen und dabei den Gegner zurechtlegen, um dann zuzuschlagen. Ob gegen Magdeburg sowohl taktisch als auch personell wieder so spielen will? „Es gibt immer Möglichkeiten, etwas zu einem erfolgreichen Spiel wie gegen Paderborn zu verändern. Wir hatten auf der Bank noch Jungs, die in den letzten Wochen viel gespielt hatten und jetzt auch wieder Kandidaten für Magdeburg sind.“

Sicher wieder dabei ist nach seinem guten Debüt in Paderborn Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos: „Wir freuen uns riesig, dass er wieder mit dabei ist. In Paderborn war er ein stabilisierender Faktor und wir hoffen, dass er das auch morgen wieder sein wird.“ Zusammen mit David Bates und dem wieder genesenen Rick van Drongelen dürfte der Grieche die Dreierkette bilden, auf die Wolf in Paderborn zurückgegriffen hatte und die er offensichtlich auch im Heimspiel gegen Magdeburg wieder spielen lassen will. Ebenfalls wieder gesetzt:  Lewis Holtby. „Er ist sehr fokussiert“, lobte ihn Trainer Wolf heute und legte nach: „Er hatte eine Phase, in der er etwas angeschlagen war und nicht voll trainieren konnte. Das ist jetzt vorbei, er ist da und hat die Verantwortung übernommen.“

So, wie Wolf vor nunmehr genau 17 Zweitligaspieltagen. Heute auf der Pressekonferenz (siehe Video) wurde er auf dieses kleine Jubiläum angesprochen und antwortete wie man es von ihm gewohnt ist - mahnend:  „Dass die Liga schwer ist, war mir zu 100 Prozent bewusst. Wir haben am Anfang viel gewonnen, in der Rückrunde haben wir ein bisschen zu wenig Punkte geholt. Wir haben eine Ausgangslage geschaffen, dass wir es schaffen können, unter den ersten zwei zu sein. Die Ausgangslage, die wir jetzt haben, hätte ich sofort unterschrieben.“ Ganz aktuell betrachtet stimme ich ihm sogar zu. Denn mit dem nunmehr sechsten (!) Montagsspiel kann der HSV wie schon erwähnt seinen Vorsprung auf Rang drei auf insgesamt sechs Punkte ausbauen. „Wir haben insgesamt abends viel gewonnen“, so Wolf nach bisher vier Sögen und einem Remis an Montagen, optimistisch. Wolf weiter: „Für die Fans kann ich total nachvollziehen, dass das schwierig ist. Für uns ist ein Abendspiel auch schön, vom Rhythmus ist es gut. Bis jetzt waren wir da ziemlich erfolgreich, das wollen wir bleiben.“

In diesem Sinne, bis morgen. Da melde ich mich um 7.30 Uhr wieder mit dem MorningCall bei Euch, um Euch schon früh auf den Stand der Dinge zu bringen. Wer noch nicht dabei ist, kann sich HIER anmelden. Ich stelle Euch den Link aber wie gewohnt morgen früh auch hier im Blog wieder rein.

Bis dahin!

Scholle

 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.