Marcus Scholz

11. September 2018

Bevor ich heute auf das Tagesaktuelle eingehe, möchte ich die Gelegenheit nutzen und stellvertretend für einige Kommentare den von unserem User „Paulinho“ beantworten. Fett gedruckt seine Fragen/Aussagen, in normaler Schrift dann meine direkten Antworten:

Scholle träumt und träumt von Kühnes Millionen.

Nein, Paulinho. Realistisch davon träumen - das mache ich wirklich nicht. Fakt ist aber, dass Kühnes Hilfe immer im Raum steht – so unterschiedlich seine Beweggründe dafür auch bewertet werden – und der HSV-Anteilseigner bei einem finanziell so leckgeschlagenen Zweitligisten wie dem HSV so immer Thema bleibt. Aber dazu in der letzten Antwort mehr...

Sinnvoll eingesetzt, ja, das wär es gewesen. Dann wäre der HSV sicher niemals abgestiegen. Von Kühnes Millionen wird hier geredet, wo sicher noch keiner hier nur annähernd in die Verlegenheit kam, diese Summen sinnvoll einzusetzen zu müssen.

Richtig. Aber wir handhaben unser Finanz-Management auch zumeist allein bzw. in unserer Ehe, während beim HSV größere Ausgaben von vielen verschiedenen Fachkräften (inklusive eines extra aus Wirtschaftsgrößen dafür zusammengestelleten Aufsichtsrates) geprüft werden. Insofern dürfen beim HSV sehr wohl andere Ansprüche gestellt werden als bei dem normalen Konsumenten.

Aber, lieber Scholli, zurück zu Deinen Träumen. Wie soll das gehen. Alle entscheidenden Positionen sind besetzt, mehr oder weniger auch jetzt mit recht unerfahrenen Figuren...

...Bernd Hoffmann ist sicher alles andere als unerfahren. Er ist aber ob seiner kompromisslosen Art sehr umstritten gewesen. Deshalb melden sich viele ehemalige Funktionäre und ältere HSV-Mitglieder. Daher hast Du sicher auch recht damit, dass...

...die dazu noch ständig von Intriganten des Vereins angeschossen werden. Fast jeder, der was zu sagen hat, ist umstritten.

Auch das stimmt. Weil hier zu viele zu unterschiedliche Interessengruppen vertreten sind. Die Investoren und die Vereinsvertreter – da liegt der entgegengesetzte Handlungsansatz schon in der Natur. Dazu kommen vereinsinterne Machtkämpfe zwischen denen, die Bernd Hoffmann und sein Präsidium unterstützen, und denen, die ihn loswerden wollen. Zu Letzteren zählen die Altinternationalen wie Felix Magath und Co., die öffentlich mit jeder Äußerung Gehör finden und die noch immer nach Führungspositionen im HSV streben. Eine Allianz mit Klaus Michael Kühne zu bilden, ist dabei sicher nicht der aussichtsloseste Weg. Und so, wie ich es verstanden habe, werden Magath und Co. werden sie auch so schnell nicht aufhören.

Weiter turteln die Provinzpossen in den Medien herum. Kaum landet einer beim HSV, wird er schon in Frage gestellt. Ob Spieler, Trainer oder wer weiss was.

Ist das so? Ich habe bei keinem der letzten Zugänge derartige Skepsis gelesen und/oder gehört. Hier übrigens auch nicht bei den Verantwortlichen. Dafür ist es auch zu früh. Okay, dass es gegenüber Trainer Christian Titz bei vereinzelten Kollegen noch immer (nicht nur inhaltliche) Vorbehalte gibt, ist richtig. Aber dass die Leistungen der HSV-Protagonisten kritisch beäugt werden, ist richtig. Im doppelten Sinne sogar, denn es muss so sein. Allerdings habe ich gerade seit dem feststehenden Abstieg hier eine neue Aufbruchsstimmung festgestellt, die tatsächlich große Teile des Vereinsumfeldes betrifft. Und mit der Neustrukturierung des Kaders, dem Setzen auf eigene Talente, der Loyalität verschiedener Spieler gegenüber dem Verein, den leistungsmäßig angepassten Verträgen und kaum Transferausgaben hat der HSV seine Arbeit gemacht. Und es scheint mir, als gäbe es auch von Seiten der Fans die Voraussetzung für einen echten Neuanfang: Geduld. Wobei es die an sich auch vorher schon gab, wie ich finde. Sie wurde nur nicht genutzt. Denn die hier Handelnden haben immer wieder die überhöhte Erwartungshaltung als Begründung für den Misserfolg im sportlichen wie Finanziellen genannt – zumeist als Alibi für unsinnig teure Entscheidungen. Aber die sind durch Kühnes Rückzug auch theoretisch nicht mehr möglich. Soll heißen: Der HSV wird zu seinem Glück gezwungen. Womit ich nicht sage, dass ein Investor wie Kühne nicht hilfreich sein kann. Und damit leite ich über zu Deinem letzten Punkt, Paulinho...

Nur, die Träumerei muss aufhören, was der Herr Millionär alles noch machen oder unterlassen könnte. Gebt den Jungs die Zeit, die Chance und dann darüber ernsthaft, sachlich diskutieren.

In diesem Fall beinhalten die Träumereien auch immer einen denkbaren Lösungsansatz. Denn bei allem Wunschdenken nach einem autarken HSV, müssen wir die Chance darauf aktuell als sehr gering bezeichnen. Sollte der HSV sportlich den Aufstieg nicht schaffen, könnte schon allein das Lizenzierungsverfahren für die Zweite Liga zur unüberbrückbaren Hürde werden. Sollte der HSV sportlich aufsteigen, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man in den nächsten Jahren nicht Europa sondern den jeweiligen Klassenerhalt zum Ziel ausruft. Man bewegt sich dann auf einer Höhe mit den normalen Aufsteigern und darf die Ansprüche nicht überhöhen.

Zumindest dann, wenn man keine überraschenden Geldeinnahmen wie von Mäzenen, strategischen Partnern oder einfach von Investoren generieren kann. Und hier kommt automatisch Klaus Michael Kühne ins Spiel, zumal er selbst immer wieder betont, dem HSV ja nur helfen zu wollen. Er ist schlichtweg der einzige im direkten Umfeld mit den finanziellen Möglichkeiten, dem HSV schnell nach vorn verhelfen zu können. Allein deshalb ist es nicht möglich, Kühne außen vor zu lassen. Es sei denn, der Milliardär outet sich irgendwann als der Investor, der eine Übernahme anstrebt bzw. zumindest in den wesentlichen Entscheidungen mitbestimmen will. Dann wäre er untragbar und für keine Träumerei mehr geeignet. Das hat er aber bislang immer geleugnet. Daher, wie gesagt: Bis dahin darf man träumen. Selbst wenn man die fruchtbare Beziehung Kühne/HSV (wie ich!) für eine letztlich unrealistische Romanze hält.

 

Durchaus realistisch ist indes, dass Lewis Holtby trotz des heutigen Trainingsabbruchs am Sonnabend gegen Heidenheim spielen kann. „Lewis ist im Training im Boden hängengeblieben und hat daraufhin abgebrochen. Aber die meinten schon, es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme“, so Trainer Christian Titz, der heute auch auf Jann-Fiete Arp verzichten musste. „Fiete hat gestern im Training einen Schlag bekommen. Er hat heute morgen noch per WhattsApp geschrieben, dass es geht. Aber beim Anschwitzen haben wir gemerkt, dass es besser wäre, ihn heute rauszulassen.“ So hat Arp durch den trainingsfreien Mittwoch zwei Tage Ruhe und soll am Donnerstag wieder voll einsteigen.

Das dann zusammen mit Hee-chan Hwang, der heute 86 Minuten gegen Chile (0:0) mitspielte und am Mittwoch in Hamburg landet. „Er wird am Donnerstag trainieren und anschließend seinen Medizincheck machen“, sagte Titz heute erfreut. Und, weil es oben in meiner Antwort an Paulinho ja auch angesprochen wurde, auch noch ein Statement von Titz zum Thema Skepsis allem neuen gegenüber: „Bei dem Spieler habe ich eher den Eindruck, dass sich wirklich alle darauf freuen.“

Wohl wahr, schließlich ist so ein Transfer in der Zweiten Liga schon ein nominell großer Transfer. „Ich glaube, sportlich wäre Hwang auch in einer höheren Liga ein echter Toptransfer“, so Titz, bei dem zu hoffen bleibt, dass er Recht behält. Wobei, ich habe mir etliche Videos und Spielszenen von und mit Hwang angesehen und muss sagen: Ich bin sehr gespannt und optimistisch, dass der Südkoreaner dem HSV zu Torgefahr verhelfen wird, die bislang vor allem Khaled Narey (trainierte heute mit Lasogga individuell) mit seiner Antritts-, Sprint- und Abschlussstärke versprühte.

So viel für heute. Ich melde mich morgen wieder. Und da morgen trainingsfrei ist, biete ich Euch an, Eure Fragen ebenso zu beantworten, wie die von Paulinho. So kommen auch die zum Zug, die tagsüber bei den Frage-Antwort-Runden zuletzt zu kurz gekommen sind. Ich habe unter den heutigen Blog einen Top-Kommentar gestellt, bei dem Ihr über „Antworten“ das Feld für Eure Frage(n) bekommt. Ich werde Eure Fragen bis 15 Uhr sammeln und dann mit der Beantwortung beginnen. Aber: Auch diesmal behalte ich mir vor, besonders „witzige“ Kommentare zu ignorieren...

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

WICHTIG: Ihr müsstet bitte, um Eure Frage zu stellen, meinen Post direkt „beantworten“. Die Antworten auf Antworten sind numerisch begrenzt.

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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