Lars Pegelow

21. Dezember 2018

 

Hannes Wolf setzte sein strahlendstes Lächeln auf. „Ich bin noch nicht urlaubsreif“, verkündete der HSV-Trainer gut gelaunt bei der heutigen Pressekonferenz vor der abschließenden Partie des Jahres am Sonntag bei Holstein Kiel. Kein Wunder – er ist ja auch erst seit 23. Oktober im Amt und feiert damit am Spieltag gerade einmal sein zweimonatiges Dienst-Jubiläum in Hamburg. Auch seine Mannschaft hat bei den vorigen Siegen wenig Müdigkeit erkennen lassen, körperliche Defizite waren nicht zu sehen. Allerdings: die eine oder andere muskuläre Problematik mehr, die sich in diesen Tagen einstellt, verdeutlicht, dass der Akku der HSV-Profis vor dem 20. Pflichtspiel dieser Saison so langsam in den orangefarbenen Bereich wechselt. Die wichtigste Personalfrage bleibt dabei nach wie vor unbeantwortet: Pierre Michel Lasogga ist weiterhin ungewiss für die Partie im Holstein-Stadion – Entscheidung wahrscheinlich nach dem Abschlusstraining am Sonnabend.

Die Tendenz ist dabei klar: Nach einigen Wochen Trainingspause ist Lasogga ganz sicher kein Startelf-Kandidat. Mit Blessuren haben sich heute auch Verteidiger Leo Lacroix, Mittelfeldspieler Vasilije Janjicic und Stürmer Hee-Chan Hwang vom Training entschuldigt. Sollten sie ausfallen, bricht beim HSV noch nicht alles zusammen. Aber es wird dann doch ein wenig dünner auf der Ersatzbank – und das vor einem Spiel, in das der HSV mit Sicherheit noch einmal alle Energie legen muss und will. Das 0:3 vom August, als der HSV mit ultragroßen Hoffnungen in die Saison gestartet ist und einen üblen, stimmungsdämpfenden Schlag verkraften musste, ist vielen noch in der Erinnerung. Selbst wenn die Mannschaft in den vergangenen Monaten vor allem das tabellarische Bild gerade rücken konnte.

„Für uns ist es ein Spiel wie jedes andere auch“, hat in der Zwischenzeit der Kieler Trainer Tim Walter betont. Rückschlüsse aus dem Verlauf des 1. Spieltages erlaubt sich der KSV-Coach dabei nicht. Der HSV habe durch den Trainerwechsel inzwischen ein völlig anderes Aufbauspiel. Damals kam das Titz-Aufbauspiel den Kieler Störchen in der zweiten Halbzeit entgegen, nachdem der HSV in Durchgang eins noch reihenweise Hochkaräter liegen gelassen hat. „Ich rechne damit, dass der HSV extrem auf das Ergebnis schauen wird“, blickt Walter nun auf das Rückspiel an der Förde voraus. Mit einer Kapazität von gerade einmal 10.500 Zuschauern wird es für den HSV diejenige Partie sein mit der geringsten Kulisse in dieser Saison. Baustelle Holstein-Stadion lässt grüßen.

Sollte beim HSV jedenfalls nach Pierre Michel Lasogga auch Hee Chan Hwang ausfallen, muss sich Hannes Wolf Gedanken machen, wen er im Sturmzentrum aufbietet. Zum Glück hat Fiete Arp seine Erkältung abgeschüttelt. Er wäre ein Kandidat für den Platz ganz vorn im Sturm – eigentlich der einzig ernsthafte. Natürlich können auch Bakery Jatta, Aaron Hunt oder Khaled Narey diese Position ausfüllen, doch das Offensiv-Trio hat in den vergangenen Wochen eher hinter der einzigen Spitze gute Leistungen gezeigt. Vielleicht nutzt Fiete Arp die Gelegenheit, wenn er sie bekommt. Nach seinem Coming-Out 2017 ist es ja in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen sportlich ruhiger um den Junioren-Nationalstürmer geworden. Er selbst hat dazu ja inzwischen auch Stellung bezogen – was noch nicht genannt wurde, ist seine körperliche Entwicklung. Arp ist in den vergangenen Monaten auffällig kräftiger geworden. Auch damit muss er auf dem Fußball-Platz erst einmal klar kommen. Es war deutlich, dass er in dieser Saison, in der er meistens „nur“ eingewechselt wurde, mit etwas ungestümen Zweikampf-Aktionen in Erscheinung getreten ist. Etwas zu hart, oft etwas zu spät dran und etwas zu übermotiviert. Hier geht es um das richtige Timing, mehr Ruhe und Erfahrung – und natürlich um Erfolgserlebnisse. Dafür wäre Kiel eigentlich der richtige Ort. Und das meinte Hannes Wolf heute auch mit seiner Einschätzung, wie groß die Bedeutung der Partie beim Nordrivalen in Kiel für den Verlauf der Winterpause sein kann. „Wir werden uns auf allen Ebenen in dieses Spiel stürzen“, versprach Hannes Wolf.

Anderes Thema: Rainer Ferslev, der sich um die Kandidatur für die Präsidentschaft im HSV e.V. bemüht hatte, hat heute über Twitter einen schweren Vorwurf geäußert. „Nach mir vorliegenden Informationen hat sich der Beirat des HSV in taktische Wahlmannöver vor der Mitgliederversammlung verstrickt. Bereits im November z.B. war klar, dass Frau Sattelmaier nicht kandidieren darf, weil sie Herrn Hoffmann zu nahe stünde.“ So jedenfalls der Wortlaut über den Twitter-Account unter Ferslevs Namen – in der Annahme, dass es sich nicht um einen Fake-Account handelt. Was dort angesprochen wird, führt zu einem Tuschelthema, dass intern kontrovers diskutiert wird. Denn abgesehen davon, dass drei Präsidentschafts-Kandidaten auf den Weg geschickt wurden (Marcell Jansen, Ralph Hartmann, Jürgen Hunke), geht es im Hintergrund auch immer wieder um die Frage: pro oder contra Hoffmann.

Dass Katrin Sattelmaiers Bewerbung wie die Ferslevs vom Beirat nicht angenommen wurde, ist bekannt – ebenso wie ihr gutes Verhältnis zu Bernd Hoffmann, was im Prinzip alles andere als ein Problem sein sollte. Ebenso wenig ist es ein Geheimnis, dass der Beirats-Vorsitzende Jan Wendt auf der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr deutlich Partei ergriffen hat für den damaligen Amtsinhaber Jens Meier – und somit gegen Bernd Hoffmann. All dies bedeutet nicht automatisch, dass der alte Konflikt wieder aufersteht, doch für Zündstoff ist gesorgt. Denn Jan Wendt, der von den Amateur-Abteilungen des HSV e.V. in den Aufsichtsrat delegiert wurde, hat für die ebenfalls am 19. Januar stattfindende Neuwahl des Beirats mit Jan Schwerdtfeger einen Gegenkandidaten. Wird da auf unterschiedlichen Ebenen eine Stellvertreter-Debatte angezettelt? Worum geht es wirklich bei der Präsidentschafts- und der Beirats-Wahl? Alle Beteiligten sollten für Aufklärung und Klarheit sorgen im Sinne des HSV.

Jan Wendt war aus organisatorischen Gründen bis zur Veröffentlichung dieses Blogs noch nicht für einen Kommentar zu den Ferslev-Vorwürfen zu erreichen. Sollte diese Reaktion kommen, wird der Blog an dieser Stelle um die Informationen ergänzt.

*** Ergänzung, Zitat Wendt (19.30 Uhr): "Der Vorwurf ist aus meiner Sicht völlig haltlos. Über die Motive dieser Aussage kann ich nur rätseln." Jan Wendt kündigte darüber hinaus eine ausführliche Stellungnahme auf der MV an. ***

An dieser Stelle von mir herzliche vorweihnachtliche Grüße an alle Rautenperle-Leser. Ein schönes Fest, einen guten Rutsch ins HSV-Aufstiegsjahr 2019. Bleibt Scholle und diesem tollen Blog gewogen!

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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