Marcus Scholz

31. Oktober 2018

 

„Aktuell wünschen wir uns, dass wir am Montag etwas Cooles machen.“ Viel mehr wollte Trainer Hannes Wolf heute nicht zum Thema DFB-Pokal-Achtelfinale sagen. Das hatte man durch das gestrige 3:0 in Wiesbaden erreicht, was wiederum souverän klingt - es aber eben nicht war. Man habe auch ein wenig Glück gehabt, gab Hannes Wolf in seiner bis heute auffällig ehrlichen und  selbstkritischen Art zu: „Wir wussten, wie schwer es wird. Das hat jeder gesehen. Wehen hat im DFB-Pokal am Limit gespielt, echt ein gutes Spiel gemacht und uns gefordert. Wir wissen, dass wir in einigen Momenten auch ein bisschen Glück hatten. Trotzdem freuen wir uns natürlich über den Sieg und über drei geschossene Tore. Das war gut.“

Und damit könnte man zweifellos übergehen zu den positiven Themen des Tages: Mehreinnahmen in Höhe von garantierten 332.000 Euro (insgesamt 664.000 Euro), den Achtelfinaleinzug, dem bevorstehenden Spitzenspiel gegen den 1. FC Köln und Pierre Michel Lasogga, der endlich wieder getroffen hat. Aber das geht leider so einfach dann doch nicht. Denn zuvor müssen wir noch einmal - in bereits traurig-turnusmäßiger Wiederholung - über die paar Vollidioten sprechen, die das Zündeln von Pyro einfach nicht lassen können und dem HSV wieder eine Stange Geld kosten werden. Von der nicht tolerierbaren Gefährdung ihrer Umwelt mal ganz zu schweigen. Und ich will es heute auch bei diesen paar Zeilen belassen, um denen nicht unnötig viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Diese widme ich lieber der Entwicklung der Mannschaft, die es gestern gegen den mutigen Drittligisten Wehen Wiesbaden schwerer hatte, als es ihr lieb war. Die Wegener hatten zweimal Aluminum-Pech mit Latte und Pfosten und verpassten auch aus dem Spiel heraus mehrere Möglichkeiten, sich zumindest in die Verlängerung zu spielen. Denn eines steht auch fest: Die ersten beiden HSV-Tore waren kein Zufall. Der erste Ball vielleicht haltbar, okay. Aber der zweite Treffer war einfach schön herausgespielt. Es waren zudem Lasoggas Treffer drei und vier im Pokalwettbewerb. Und Nummer acht und neun in dieser Saison. Vom Trainer gab es dafür gestern nach Spielschluss sogar ein Sonderlob: „Er hat wieder gut gespielt. In Magdeburg hat er mit seiner Vorlage zur entscheidenden Szene beigetragen. Heute hat er zwei Tore gemacht. Aber nicht nur das. Er hat auch gut kombiniert und gearbeitet. Er war ein wichtiger Teil dieses Sieges.“

Stimmt. Und seit heute ist er auch Soap-Darsteller. Mit seiner ganzen Familie hat er sich ein Jahr lang von den BILD-Kollegen begleiten lassen. Und diese Serie in vier Teilen ist ab sofort zu sehen bei den Kollegen.

 Zum besten Zeitpunkt, nämlich unmittelbar nachdem der Angreifer wieder getroffen hat. Und vielleicht erklärt das auch ein bisschen, weshalb gerade das Blatt, das Lasogga hier in seiner ersten Zeit als Spieler medial härter angegangen ist als viele andere, den Spieler seit einigen Wochen und Monaten so über den Klee lobt und für ihn einen Stammplatz eingefordert hat. „Die Lasoggas - eine fast normale Fußball-Familie“ soll aber vor allem eines schaffen: Den Zuschauern aufzeigen, dass der ansonsten medial zurückhaltende (tritt nur bei den Freunden von Sky und inzwischen auch BILD auf) Trojäger ein netter, sympathischer Familienmensch ist. Denn so habe ich ihn bislang kennengelernt - und so will ich ihn in mir auch weiter vorstellen können...

Noch wichtiger als das alles ist und sollte auch immer sein, was Lasogga für den HSV auf den Platz bringt. Und mit zwei Toren war er gestern maßgeblich am Weiterkommen beteiligt. „Manchmal spürt man einfach ein bisschen das Vertrauen. Das tut jedem Spieler gut. Aber vor allem als Stürmer, wenn man spielen darf. Das Vertrauen spüre ich momentan, und das sieht man glaube ich auch auf dem Platz.“ Gestern war  zumindest zu erkennen, dass Lasogga die Abschlussqualitäten hat, die der HSV lange gesucht hat. Dass er nicht derjenige ist, der sich selbst die Chancen kreiert und herausarbeitet ist hinlänglich bekannt. Aber bekommt er die Pille und zum Torabschluss, dann wird es schnell gefährlich.

„Pierre ist dafür da, Tore zu machen. Dafür wird er ja auch bezahlt. Es freut mich wahnsinnig, dass er getroffen hat. Du brauchst eine Neun vorne, die trifft. Das haben wir“, war auch Teamkollege Lewis Holtby voll des Lobes, während er die Mannschaftsleistung in Gänze dann doch etwas relativierte: „Es gibt noch einiges aufzuarbeiten, weil wir heute über sehr weite Strecken das Spiel auch ein bisschen aus der Hand gegeben haben. Klar, Pokal ist Pokal. Aber dennoch muss man sein Spiel noch weiter durchziehen und nicht so einfach loslassen. Die Wiesbadener hatten die eine oder andere Chance, ein Tor zu machen. Da muss wir noch wacher und stabiler sein.“

Vor allem am Montag gegen Köln, wenn es gegen den punktgleichen Tabellenführer darum geht, Platz eins zu erklimmen. „Ich bin bewusst zurückgekommen in den Zirkus und freue mich darauf“, so Wolf, der heute mit der Analyse des 1. FC Köln begann. Er schaut sich das Spiel von heute gegen Schalke an und prognostizierte vor dem Sichten: „Es wird nich nichts entscheiden, ganz klar. Aber es wird sehr intensiv, sehr spannend. Es geht um  viel, fühlt sich wie eine Chance an.“ Selbige hat Fiete Arp gestern genutzt. Als Ersatz für den verletzten Hee-chan Hwang, dessen Einsatz gegen Köln auch heuten noch fraglich ist, präsentierte sich Arp in Spiellaune. Es gelang dabei längst nicht alles, ganz klar. Aber es war ein guter Beginn, wie Wolf auch fand. Zumal Arp auf der für ihn ungewohnten Position auf der Außenbahn begann.

„Auf einer neuen Position war es zunächst etwas ungewohnt“, so Arp gestern nach dem Spiel glücklich, „ich habe erst mal versucht, mich reinzuarbeiten. Ein paar gute Aktionen waren dabei. Aber auch noch zu viele Ballverluste. Letztlich bin ich aber mit dem zufrieden, was wir alle heute zusammen auf den Platz gebracht haben.“ Ob er schon mal auf dem Flügel gespielt hat? „Im Profibereich noch nie. Früher in der Jugend schon ein, zwei Mal. Aber das war jetzt auf jedes Fall was Neues.“ Und es liefert Wolf eine weitere Option. Sollte Hwang ausfallen, dürfte Arp auch gegen Köln Wieder zur Startelf zählen. Vor Ito. Und vor Jatta, der sich als Konterspieler in den nächsten Wochen noch häufiger im Kader wiederfinden dürfte.

Viele von Euch haben das Spiel gestern als schlecht bewertet. Und zugegeben, es war auch nicht bemerkenswert gut. Aber eben erfolgreich. Wie zuvor in dieser Saison tat sich der HSV dabei defensiv schwer - aber er traf endlich wieder früh. Umso überraschender war für mich, dass das frühe Tor nicht den HSV beflügelte und ihm wertvolle Räume öffnete, sondern der Gastgeber kam. Hannes Wolf sprach das ebenfalls deutlich an und beschönigte nichts: „Wir sind gut reingekommen und standen gut in den Räumen. Nach der Führung hat Wehen dann umgestellt und offensiver gepresst. In der Phase haben wir richtig Probleme bekommen. Wir haben viele Bälle verloren und Standards zugelassen. Auch in der zweiten Halbzeit hat Wehen viel Druck gemacht. Wir haben viele Bälle leicht verloren. Dann geht es sofort in die andere Richtung. Dadurch haben wir Flanken nicht verhindern können. Da hatten wir in einigen Momenten auch das Quäntchen Glück.“

Stimmt. Und in den nächsten vier Tagen gilt es, genau daran zu arbeiten. Denn der 1. FC Köln wird nicht einen Schritt weniger aggressiv spielen und pressen. Morgen ist zunächst einmal frei, ehe es am Freitag zur letzt öffentlichen Einheit um 11 Uhr wieder auf den Platz geht. Bis dahin Euch allen einen schönen Halloween-Abend mit netten Pokalspielen!

Scholle

 

P.S.: Ich melde mich morgen wieder mit dem MorningCall bei Euch und berichte Euch, was in und um Hamburg herum so über den HSV berichtet wird. Wer Lust hat, kann ja morgen früh einfach mal HIER anklicken und reinhören. Viel Spaß damit!

PARTNER VON

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

Kategorien