Marcus Scholz

5. November 2018

Das Gigantenduell der zweiten Liga. Das Duelle der Torjäger Lasogga und Terodde – dieses Duell des HSV gegen den 1. FC Köln hatte im Vorfeld viele wiederkehrende Bezeichnungen – aber heute nur noch eine Mannschaft, die sich am Ende den Sieg verdiente: den HSV. Während in der Nordkurve zusammen mit der Mannschaft gehüpft und der 1:0-Sieg gefeiert wurde, ernteten die Kölner auf der anderen Seite beim Gang zu ihren Fans Pfiffe. Pierre Michel Lasogga hatte das Duell in der 86. Minute vor 53.876 Zuschauern mit seinem Treffer des Tages entschieden und dem HSV somit zum Sprung an die Tabellenspitze verholfen. Übrigens: Mit 24 Punkten ist der HSV jetzt Erster, während dahinter der FC St. Pauli mit 22 Punkten den zweiten Rang einnimmt. Und ganz ehrlich: So darf es auch gern am Saisonende aussehen. Und: Macht der HSV so weiter, kann das tatsächlich so kommen.

Dabei begann der HSV wie von allen erwartet. Also aufstellungstechnisch. Mit Leo Lacroix für den gesperrten David Bates in der Innenverteidigung und mit Jann Fiete Arp auf der linken Außenbahn. Insgesamt versuchte der HSV in der Anfangsphase mit Offensivpressing Druck zu machen. Dennoch dauerte es 15 Minuten, bis man das erste Mal halbwegs gefährlich vor das Tot der überraschend verhalten agierenden Kölner kam. Douglas Santos hatte sich von links gelöst, zog nach innen und passte nach Doppelpass mit Holtby auf Khaled Narey, dessen strammen Schuss FC-Keeper Timo Horn parieren konnte (15.). Und hätte Schiedsrichter Christian Dingert wenige Sekunden später bessere Sicht gehabt, er hätte auf Handelfmeter entscheiden können/müssen. Wieder hatte Narey abgezogen, allerding bekam Kölns Czichos den Ball aus kurzer Distanz an den ausgefahrenen Arm. Keine Absicht – dennoch hätte Dingert hier auf Handelfer für den HSV entscheiden können. Mit Videobeweis hätte er es wahrscheinlich auch getan.

Aber okay, der HSV war hier das deutlich aktivere, das bessere Team. Allein es fehlte etwas Glück. So auch in der 28. Minute, als Arp von links in die Mitte zog, um aus 20 Metern mit seinem starken, rechten Fuß flach abzuziehen. Pech für ihn: Sein Schuss prallte gegen den Außenpfosten (28.). Aber interessant bis hierhin: Kölns Terodde hatte gerade einmal drei Ballkontakte bis zur 30. Minute – Lasogga 18. Und: Leo Lacroix (beim Schreiben habe ich dreimal auf Holz geklopft) machte seine Sache ordentlich. Er gewann die Kopfballduelle, spielte den sicheren Pass und war einer der Gründe, weshalb es zur Halbzeit beim 0:0 blieb. Er, der starke Kölner Keeper Horn und die Harmlosigkeit der Kölner.

Dass HSV-Trainer Hannes Wolf zur Halbzeit nicht wechselte, verwunderte nicht. Der HSV war gut im Spiel, wirkte sicher. Manchmal vielleicht etwas zu sicher, wenn man das Spiel anstatt schnell zu machen wieder beruhigte. Es fehlte immer wieder an Handlungsschnelligkeit. Zudem hatte Kölns Hector den schnellen Narey ganz gut im Griff und Lasogga hing beim HSV im wahrsten Sinne noch zu oft in der Luft. Selbst wenn er mal einen Ball per Kopf verlängern konnte, gab es keinen Abnehmer dahinter. Eben ein 0:0 – weil dem HSV zweimal ein wenig Glück fehlte. So, wie auch zu Beginn der zweiten Spielhälfte als Lasogga den Ball aus zehn Metern nicht richtig traf (47.).

Und obwohl der HSV auch mit Beginn der zweiten Hälfte das deutlich aktivere Team blieb, kam Köln in der 58. Minute durch Czichos plötzlich zur ersten echten Torchance für die Kölner. Glück für den HSV: Der Abwehrspieler traf den Ball nach Querpass nicht voll, sodass Narey auf der Linie klären konnte  und Özcan den Abpraller überwegköpfte. Es sollte aber nur der Startschuss für den HSV werden, der jetzt immer stärker wurde. Lasogga per abgefälschten Fernschuss (59.), Narey mit einem Fallrückzieher an den Außenpfosten (65.) waren die Vorboten für zwei so genannte „Hundertprozentige“ für den HSV.

Santos, der wieder ein starkes Spiel machte, kam nach einem Pass des bis zu seiner Auswechslung immer besser werdenden Hunt im Sechzehner frei an den Ball, lief auf Horn zu und überlegte einen Tick zu lange, ob er nun abschließen oder passen sollte. So konnte Horn mit ganzem Körpereinsatz zur Ecke klären (67.). Und nachdem Guirassy für Köln frei vor Pollersbeck an eben jenem scheiterte (70.), kam der für Arp eingewechselte Hwang in der 74. Minute völlig freu an den Ball, lief auf Horn zu und – scheiterte an dem Köln-Keeper, der schon längst der beste Manns einer Mannschaft war.

Das Spiel wurde jetzt offener – weil der HSV mehr riskierte und die Kräfte sichtbar schwanden. Und das zwar auf beiden Seiten – aber der HSV wusste die Räume besser zu nutzen. Douglas Santos setzte sich stark durch, tankte sich in den Sechzehner und zog platziert ab. Zwar parierte Kölns Bester den Ball zunächst noch, war dann aber beim Abstauber von Pierre Michel Lasogga machtlos. Der HSV-Stürmer drückte den Ball im Fallen über die Linie. Lasogga sorgte damit nicht nur für das viel umjubelte und inzwischen auch absolut verdiente 1:0 (86.), sondern auch für den Siegtreffer in einem wirklich guten Spiel des HSV gegen Kölner, die nie richtig ins Spiel gefunden hatten. 

 

Und das zum einen, weil der HSV im Mittelfeld mit Mangala einen überragenden Abräumer, Verteiler und Gestalter hatte. Aber auch, weil man heute im Kollektiv super funktionierte. Immer wieder wurden die Kölner gedoppelt. Soll heißen: Kam der Kölner an einem Hamburger vorbei, wartete dahinter schon der nächste HSVer und jagte ihm den Ball wieder ab. Teamwork at ist best! Das war stark!

Und in diesem Zusammenhang muss ich zwingend noch ein Wort zu dem von mir im Vorfeld arg gescholtenen Leo Lacroix loswerden: Der Schweizer lieferte eine blitzsaubere Leistung hinten ab. Seine Kopfballstärke war am Ende, als die Kölner alles nach vorn warfen und mit hohen Bällen agierten, Gold wert. Das war richtig gut, Herr Lacroix! Ich leiste hiermit Abbitte...!!

In diesem Sinne, feiert die Tabellenführung. Der HSV hat sie sich verdient und muss nun erstmals die Rolle des Gejagten einnehmen. Wie schwer das sein kann, werden wir wahrscheinlich schon am Sonnabend sehen, wenn es in Aue wieder gegen einen Gegner geht, der aller Voraussicht nach mit Mann und Maus verteidigen wird.

 

Aber okay: Heute ist Tabellenführung. Punkt! Man muss auch mal kurz genießen dürfen...

Bis morgen!

Scholle 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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