Nico Pommerenke

19. Juli 2018

Moin Moin, liebe Freunde der Rautenperle!

Heute ist für mich Premierentag. Sieben Jahre bin ich nun schon HSV-Berichterstatter, arbeitete dabei bisher für verschiedene TV-Medien. Der eine oder andere könnte sich auch noch aus früheren Tagen an mich erinnern, als ich dem aktuell im Urlaub weilenden Scholle gelegentlich als Co-Moderator zur Seite stand. Als ich mich heute Morgen aber um 10 Uhr zum Training im Volkspark aufmachte, war es dann doch ein besonderes Gefühl. Denn erstmals gibt es meine Eindrücke und Einschätzungen rund um den HSV nun hier in Textform.

Los ging mein erstes Mal bei der Rautenperle dann leider mit einer echten Hiobsbotschaft. Wie der HSV am Morgen über die Vereinsmedien vermeldete, muss für lange Zeit, wahrscheinlich circa sechs Monate, auf Gideon Jung verzichtet werden. Der 23-Jährige verletzte sich im österreichischen Trainingslager vorige Woche am linken Knie. Diagnose: traumatischer Knorpelschaden. Am kommenden Montag wird Jung dann in Augsburg von Spezialisten operiert und muss im Anschluss einen langen und mühsamen Reha-Prozess einleiten.

Fernab von der Schwere der Diagnose und der Dauer des Ausfalls trifft die Verletzung den HSV hart. Ausgerechnet Jung! Der gebürtige Düsseldorfer absolvierte in der abgelaufenen Saison 30 Bundesligaspiele, verpasste nur vier Partien, drei aufgrund von Sperren, eine mit einem Hexenschuss. Für die in 15 Tagen startende Zweitligasaison war Jung trotz seiner erst 23 Jahre als Führungsspieler und Abwehrchef neben Rick van Drongelen vorgesehen. „Er war schon als zentraler Spieler geplant, der mit seinem Speed und seiner Zweikampfstärke hilft, gerade wenn wir hoch stehen“, gab Cheftrainer Christian Titz nach der Trainingseinheit am Vormittag zu Protokoll. Auf der Vereinshomepage ergänzte Sportchef Ralf Becker: „Das ist eine ganz bittere Diagnose. Gideon hat sich beim HSV zu einem echten Führungsspieler entwickelt und war eine Säule in unseren Planungen für die anstehende Saison.“ Nicht umsonst war Jung kürzlich erstmals als Mitglied des Mannschaftsrats bestimmt worden.

Der Betroffene selber hat schon seit ein paar Tagen Kenntnis von der unschönen Kunde. Die Verletzung hatte sich Jung nämlich noch vor dem letzten Testspiel gegen Rapid Wien im Training in Bad Erlach zugezogen. Allerdings scheint der Verteidiger, der in drei Spielzeiten immerhin 78 Mal für den HSV in der Bundesliga auflief, sein Schicksal und die anstehende OP relativ gefasst aufzunehmen. „Danach wird eine nervige Zeit beginnen, aber auch das schaffe ich“, so Jung gegenüber der Rautenperle.

In der Presserunde mit Trainer Titz am Trainingsplatz wurde aber eines schnell deutlich: Lamentieren und trauern - dafür fehlt so kurz vor dem Saisonstart schlichtweg die Zeit. Und so ist nochmals mit ordentlich frischem Wind in Sachen Transfers zu rechnen. Auf der einen Seite will Kyriakos Papadopoulos den Verein nach wie vor verlassen. Offenbar wird hierbei weiterhin auf ein passendes Angebot gewartet. Der Grieche stand heute für eine Stunde mit der Mannschaft auf dem Platz, beendete die Einheit dann aufgrund einer kleinen Knieblessur etwas früher als der Rest. „Bei Papa ist der Stand der Dinge, dass ein Vereinswechsel angestrebt ist“, so Titz. „Wenn da etwas passiert, können wir reagieren.“ Heißt: Nachdem schon Mergim Mavrajs Vertrag aufgelöst wurde, muss nun auch auf den Abschied des nächsten gestandenen Bundesliga-Innenverteidigers gewartet werden. Anschließend will und muss der HSV einen adäquaten Jung-Ersatz präsentieren. Die Alternativen im bisherigen Kader sind für diese Rolle noch etwas arm an Erfahrung: David Bates, Stephan Ambrosius und Patric Pfeiffer sollen behutsam aufgebaut werden, sind zunächst als Backups eingeplant. Für den Auftakt gegen Kiel dürften diese drei Namen nicht neben dem von Rick van Drongelen in der Startformation auftauchen. Eher vorstellbar, dass Titz den erfahrenen Christoph Moritz vorübergehend in die Innenverteidigung zurückzieht. Diese Maßnahme sollte jedoch keine Option die komplette Saison darstellen.

Beim ersten Training nach drei Tagen Pause gab es neben der Problematik im Abwehrzentrum noch weitere Themen. Die knapp 500 Fans vermissten neben dem verletzten Arianit Ferati (Bänderriss im Sprunggelenk) auch Douglas Santos (Schleimbeutelentzündung am Hüftbeuger) und Bakery Jatta (Adduktorenprobleme), die dem Platz fernblieben. Dafür war der Kapitän nach anhaltenden Adduktorenproblemen wieder mit an Bord. Aaron Hunt, der in Bad Erlach überwiegend individuell trainiert hatte, absolvierte die komplette Einheit mit der Mannschaft und sendete hinterher im Einzelgespräch mit dem Trainer positive Signale. Ob und wie der neue Spielführer beim Turnier in Meppen am Wochenende eingesetzt wird, entscheidet sich dann nach dem morgigen Training. Titz unterstrich bei dieser Gelegenheit nochmals die Wichtigkeit seines neuen Kapitäns, der in der neuen Saison gesetzt ist und vorangehen soll.

Das erste Training nach der Rückkehr auf Hamburger Boden beinhaltete vor allem Passspiel, Torabschlüsse und Spielformen. Wie gewohnt unterbrach der Trainer viel und nutze die Pausen zur Kommunikation. Rein spielerisch und vom Engagement macht die Mannschaft auch nach den drei Tagen Pause einen anständigen Eindruck. Einzig einer machte dem Beobachter heute ein wenig Sorgen:

Die Hängepartie des Sommers zieht sich rund um Jann-Fiete Arp und dessen möglichen Wechsel zum FC Bayern München. Spieler und Rekordmeiste sind sich offenbar einig, einzig über die Ablösesumme konnten sich die beiden Vereine nicht einigen. Wer aktuell beim Training ein Auge auf den Youngster wirft, dem fällt zweifellos auf, dass sich der 18-Jährige trotz des stotternden Transfers überhaupt nicht hängen lässt. Im Gegenteil: Arp wirkt spritzig, engagiert und dynamisch, scheut keinen Zweikampf und sucht Abschlüsse, wo er nur kann. Aber der ausbleibende Erfolg seiner Aktionen in den einzelnen Übungen gibt dem Beobachter zu denken. Kaum ein Torschuss findet den Weg ins Ziel, Stockfehler im Passspiel häufen sich und der gesamte Auftritt des Stürmers wirkt fahrig und unrund. Wer könnte es einem 18-Jährigen verdenken? Am Anfang der Karriere noch nicht ganz so abgebrüht mit einer derart schweren Situation umzugehen - das ist menschlich. Dem zweifachen Bundesligatorschützen ist dabei nur zu wünschen, dass es in der Causa schnelle Klärung gibt, in welche Richtung auch immer. Denn aktuell wirkt Arp, als würde er im Training die Last der Unklarheit in jeder Aktion mit sich herumtragen.

Eine Krafteinheit am Nachmittag machte den heutigen Trainingstag komplett. Soweit die Eindrücke von heute. Morgen ist um 11 Uhr eine Trainingseinheit am Volkspark angesetzt, am Sonnabend spielt der HSV ein Blitzturnier in Meppen. Gegner sind der SV Meppen und Premier League-Absteiger Stoke City.

 

In diesem Sinne - bis morgen!

Euer Nico

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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