Marcus Scholz

10. Januar 2020

Irgendwie hatte dieses Spiel im Vorfeld schon recht wenig Beachtung erfahren. Zumindest gab es in meinem Freundeskreis einige HSVer, die etwas überrascht taten, als ich ihnen sagte, ich müsse heute ja ins Stadion. Dass es gegen Schalke gehen würde, fiel ihnen dann zwar wieder ein – aber hinfahren wollte keiner von ihnen spontan. Dabei wäre es heute ein leichtes gewesen, da die Straßen ob der gerade einmal 11.918 Zuschauer ebenso leer waren wie die Ränge im Volksparkstadion, in dem der HSV sein erstes Testspiel im Jahr 2020 gegen den FC SChalke 04 eben so verlor - mit 0:4.Von daher, so ehrlich muss man dann nacj diesem erfolglosen Test auch sein: Viel verpasst haben meine Freunde heute nicht.

Dabei hatte Trainer Dieter Hecking das Spiel noch am Donnerstag angepriesen.  „Schalke ist ein guter Test für uns, um zu sehen, wie weit wir schon sind“, hatte Dieter Hecking  vor dem Spiel gesagt und darauf hingewiesen, dass Schalke eine Woche später schon in den Punktspielbetrieb starten würde und dementsprechend wenig Experimente zu erwarten sein würden. Und er behielt recht, Schalke startete mit einer Elf, die so auch in der Bundesliga spielen könnte, während Hecking eine Startelf wählte, die so auch in der Zweiten Liga starten könnte. Ergo: Das Spiel begann zumindest nominell so gut, wie man es sich hätte wünschen können – wenn man denn da war.

Schaub soll schon am Sonntag mit ins Trainingslager reisen

Wobei, nicht ganz. Während beim Gast der Stammkeeper Alexander Nübel nur auf der Bank Platz nahm, fehlte beim HSV der potenzielle Zugang Louis Schaub.  Der Österreicher soll nach Möglichkeit im Laufe des morgigen Sonnabends als Zugang vermeldet werden. „Wir arbeiten dran“, so Vorstandsboss Jonas Boldt, der sich mit den Kölnern noch über die Klausel nach Saisonende uneins ist. Klar ist: Der HSV will Schaub leihen und wäre bereit, im Sommer für den Fall eines Aufstieges eine verpflichtende Kaufoption einzugehen. Die Kölner diskutieren das noch. Dennoch äußern sich die hiesig Verantwortlichen sehr optimistisch, ihren Wunschspieler schon am Sonntag mit ins Trainingslager nach Portugal nehmen zu können. Selbst Hecking sagte, dass man davon ausgehen würde, dass der Transfer zeitnah vonstatten geht.

 

In Hamburg ist der österreichische Nationalspieler auf jeden Fall schon, die Koffer sind auch gepackt. Unbestätigt ist, ob er heute schon im Stadion war. Sollte Schaub sich den Spaß hier gegönnt haben, dürfte er gesehen haben, dass er aus der Ersten in die Zweite Liga wechselt. Schalke wirkte über die gesamte Spielzeit schneller, ballsicherer, einfach cleverer und besser. Und das, obwohl der HSV zwischendurch andeutete, dass er es auch kann. Hätte der Bremer Schiedsrichter Müller nicht fälschlicherweise in  der 22. Minute auf Abseits entschieden, es hätte zur Halbzeit sogar 1:1 gestanden. Jatta hatte aus 13 Metern halblinker Position abgezogen und Schalke-Keeper Markus Schubert den Schuss nur nach vorn vor die Füße von Dudziak abwehren können. Der Linksfuß schon ein, jubelte zurecht – und bekam den Treffer zu Unrecht aberkannt. Hätte man mal den Videobeweis gehabt...

Dudziaks Treffer zählt fälschlich nicht - 0:1 zur Halbzeit

So aber stand es 1:0 für die Gäste nach dem Treffer von Michael Gregorisch – ausgerechnet. Der Österreicher, der von 2015 bis 2017 zwei Jahre beim HSV nur seltenst auf seiner besten Position spielen durfte, traf für seinen neuen Klub als Mittelstürmer in der 18. Minute per Abstauber. „In der Anfangsphase mussten wir uns erst einmal darauf einstellen, da waren wir erst einmal hinterher, haben unnötige Fehler gemacht“, so Hecking.

Wirklich viel mehr bot die erste Halbzeit auch nicht. Und das, obwohl es beim HSV durchaus ein paar positive Aspekte gab. Ewerton zum Beispiel. Der Brasilianer spielte eine gute Partie. Ebenso wie die für mich zunächst besten HSVer Tim Leibold und Jairo Samperio. Jeremy Dudziak löste seine Aufgaben zumeist gut, wirkte im Zentrum noch am aktivsten, obgleich auch bei David Kinsombi ein Aufwärtstrend zu erkennen war.

Allein Adrian Fein hatte noch erkennbar Anpassungsprobleme an den Erstligafußball des heutigen Gegners. Und in der Summe reichte das einfach nicht, um den Schalkern wirklich gefährlich zu werden. Hecking: „In der ersten Halbzeit haben wir aus einer guten Kompaktheit gespielt, was wir auch künftig machen müssen. Das war etwas, was wir aus der Hinrunde mitgenommen haben. Heute war gegen den Ball vieles in Ordnung, wir standen mit dem Dreiermittelfeld ganz gut. Wir hatten auch unsere Momente nach vorn, haben unsere Chance liegen gelassen, die Schalker waren da effektiver. Das ist der Unterschied einer Mannschaft aus dem ersten Drittel der ersten Liga und einem Tabellenzweiten der Zweiten Liga.“

Ewerton/Letschert gut - Jung/van Drongelen nicht

Wie gut das Duo Letschert und vor allem Ewerton in der ersten Hälfte war, offenbarte sich mit Beginn der zweiten Hälfte, in der die beiden gegen das Duo Jung/van Drongelen ausgewechselt wurden. Denn obgleich der HSV offensiv aktiver und etwas gefährlicher wurde, wirkte die Abwehr jetzt zunehmend unorganisiert.

Und so kam es, dass der HSV durch Jairo (50.) und Harnik (51.) zunächst das 1:1 auf dem Fuß bzw. den Füßen hatte und plötzlich das 0:2 hinnehmen musste. Der mit Abstand beste Schalker, Amine Harit, ließ im Sechzehner kurz mal alle stehen, umkurvte sogar Keeper Daniel Heuer Fernandes, der in der ersten Hälfte noch zweimal super gerettet hatte, ehe er den Ball auf Benito Raman zurücklegte. Der Schalke-Angreifer hatte dann gar keine Mühe, den Ball nur noch ins leere Tor einzuschieben (56.).

Balance aus Offensive und Defensive stimmt nicht

Es wurde mal wieder auffällig, dass der HSV die Balance aus mutiger Offensive und stabiler Defensive noch nicht gefunden hat. Das 0:3 darf hierfür als Beispiel dienen. Nach einem gefährlichen Freistoß sowie einem geblockten Schuss von Jairo (58., 60.) und einem Lattenkopfball von Harnik (war allerdings auch Abseits) nutzten die Schalker in der 64. Minute die zunehmende Sorglosigkeit der HSV-Defensive zum 3:0. Alessandro Schöpf wurde im Sechzehner angespielt und von Jung und Moritz maximal hofiert, bevor er problemlos einschieben konnte.

Nein, das war einfach zu wenig. So verteidigt man weder in der ersten, noch in der Zweiten – ich behaupte sogar: nicht einmal im Amateurbereich erfolgreich. Grund genug für Trainer Hecking, hinten noch mal zu wechseln. Er nahm Fein raus, schob Jung eine Position vor auf die Sechs und stellte Jonas David neben van Drongelen in die Innenverteidigung.

Hecking: „0:4 klingt erst einmal dramatisch"

Dass auch der Youngster noch einen Gegentreffer hinnehmen musste, lag allerdings weniger an ihm, als an Tim Leibold. Der Linksverteidiger spielte in der zweiten Halbzeit genauso schlecht, wie er in der ersten gut war. Er sorgte mit einem katastrophalen Fehlpass in der 87. Minute auch für den Schlusspunkt des letztlich auch in der Höhe absolut verdienten 4:0-Sieges des Erstligisten. Dank eines katastrophalen Fehlpasses von Leibold parallel zum eigenen Sechzehner kam Rabbi Matondo an den Ball und zog aus 10 Metern trocken und unhaltbar ab.

Hecking nach dem Spiel: „Wir haben es an sich 60 Minuten gut gemacht. Es ist ärgerlich, weil wir unsere Möglichkeiten hatten. 4:0 klingt erst einmal sehr dramatisch. Aber wenn man den Gegner so einlädt darf man sich nicht wundern, wenn man 0:4 verliert.“ Vor allem aber weiß der HSV jetzt noch einmal, woran er in den nächsten Wochen noch arbeiten muss.

In diesem Sinne, nach dem Spiel sprach Jaito Samperio noch über seine Vertragssituation, die sich in den nchsten Wochen klären könnte. Auch deshalb ließ Trainer Dieter hecking den Spanier heute 90 Minuten durchspielen. Offensiv sei er nicht unzuftieden gewesen mit der Leistung seines Offensivspielers - im Zweikampf allerdings offebare ihm Jairo noch zu viele Schwächen. Stimmt. Aber mit dieser Beurteilung hätte Hecking heute gleich bei mehreren HSV-Spielern richtig gelegen...

 

Morgen melde ich mich ab 11 Uhr von der Mitgluederversammlung per Liveticker hier im Blog. Wer also nicht live vor Ort sein aber dennoch live dabei sein will - die/der ist hier an dieser Stelle herzlich dazu eingeladen!

Bis dahin!

Scholle

 

Statistik:

HSV: Heuer Fernandes – Narey, Letschert (46. Jung), Ewerton (46. van Drongelen), Leibold – Fein (71. David) – Jairo, Kinsombi (82. Suhonen), Dudziak (61. Moritz), Jatta (61. Amaechi) – Hinterseer (46. Harnik) 

FC Schalke 04: Schubert – Kenny (82. Taitague), Kabak (82. Becker), Nastasic (71. Thiaw), Oczipka (61. Miranda) – Mascarell (71. Mercan) – Caligiuri (46. Boujellab), Serdar (61. Schöpf) – Harit (82. Matondo) – Gregoritsch (61. Kutucu), Raman (71. Burgstaller)

Tore: 0:1 Gregoritsch (18.), 0:2 Raman (56.), 0:3 Schöpf (64.), 0:4 Matondo (87.)

Schiedsrichter: Eric Müller (Bremen)

Zuschauer: 11.918

 

 

 

FAQs

 

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.