Christian Hoch

17. Juli 2019

In einem kurzfristig angesetzten Testspiel hat der Hamburger SV 4:1 (3:1) gegen den Oberligisten SV Rugenbergen gewonnen. Die Leistung war dabei enttäuschend.

Dieter Hecking und Tobias Schweinsteiger waren vor der morgendlichen Einheit zuerst auf dem Trainingsplatz - Aufbau ist eben Chefsache. Auf Feld sechs bauten Hecking und Schweinsteiger eine gegnerische Formation aus Stangen auf. Zunächst trainierte der HSV dann aber auf dem Nebenplatz, später ging eine Gruppe von elf Spielern auf jenes Trainingsfeld sechs. Schwerpunkte: Spielaufbau über die Innenverteidigung, Kombinationen und Torabschlüsse ohne Gegner. Bis auf Gideon Jung standen am Nachmittag auch exakt diese elf Spieler im kurzfristigen Test gegen den Oberligisten SV Rugenbergen in der Anfangsformation. So spielte der HSV zu Beginn gegen Rugenbergen:

Pollersbeck - Sakai, Bates, Papadopoulos, Vagnoman - Kittel, Moritz, David - Jairo, Wintzheimer - Wood

Für viele Spieler war es die Möglichkeit, sich bei Dieter Hecking als ernsthafte Alternativen zu beweisen. Denn bis auf Papadopoulos, Kittel und Wood hat bislang kein Akteur aus dieser Elf auch nur im Ansatz eine Chance, zum Zweitligastart von Beginn an zu spielen. Und auch nach diesem Spiel sind diese Aussichten nicht greifbarer geworden - im Gegenteil. Denn gegen die hochmotivierten Jungs vom Oberligisten SV Rugenbergen tat sich der HSV von Beginn an extrem schwer. Es dauerte bis zur 14. Minute, ehe Jairo Samperio einen Elfmeter für die Hamburger herausholte und zum 1:0 traf - die erste ernsthafte Gelegenheit zu einem Tor.

Ausgleich des Fünftligisten - Mittelfeld extrem löchrig

Doch nur zwei Minuten später stand es - noch nicht einmal unverdient - 1:1. Das Mittelfeld des HSV war vor allem im ersten Durchgang viel zu löchrig, Rugenbergen konnte kontern und letztlich sogar treffen. Die Leistung der Hecking-Elf blieb in der Phase danach enttäuschend, immerhin konnte Bobby Wood mit seinem Doppelpack (37./41.) noch auf 3:1 zur Halbzeit stellen. Nach dem Seitenwechsel tauschte Hecking auf zwei Positionen:

Pollersbeck - Sakai, David, Papadopoulos, Vagnoman - Kittel, Moritz, Özcan (für Bates) - Jairo, Wintzheimer - Hinterseer (für Wood)

Das Spiel wurde aber weiterhin nicht besser. Lediglich Jairo erzielte in der 62. Spielminute noch den 4:1-Endstand. Trainer Hecking dürfte innerlich eine deutlich schlechtere Laune gehabt haben als es in der Medienrunde nach dem Abpfiff den Anschein hatte. Auch wenn Vorbereitungsspiele natürlich auch nicht immer zu hoch gehängt werden sollten und die Hamburger wohl kaum mit dieser Mannschaft in die Pflichtspiele gehen werden. Für einen Rundumschlag nach einem Testspiel ist der 54-Jährige aber sowieso zu erfahren und zu lange im Fußballbereich tätig.

Hecking beklagt fehlendes Tempo und äußert sich zu Ito und Janjicic

Nein, enttäuscht sei er nicht von der Leistung seiner Mannschaft: „Wir hatten gute und intensive Trainingseinheiten, das ist dann normal. Es waren außerdem viele Jungs dabei, die nach langen Verletzungen zurückgekommen sind und zum ersten Mal über 90 Minuten spielen konnten. Das muss ich alles in meine Analysen einbeziehen.“ Angesprochen auf die gesammelten Erkenntnisse aus der Partie, gewährte Hecking dann aber doch ein paar kritische Einblicke.

„Natürlich müssen wir gegen so einen Gegner schneller spielen und zielstrebiger sein“, sagte der ehemalige Trainer von Borussia Mönchengladbach: „Wir müssen insgesamt auch mehr Lösungen finden.“ Zehn Tage vor dem Zweitligastart im heimischen Volksparkstadion gegen den SV Darmstadt 98 will Hecking keine Wasserstandsmeldung abgeben: „Ich weiß noch nicht, wo wir stehen. Wir werden es gegen Darmstadt sehen. Definitiv fest stehen - das bestätigte nun auch Hecking persönlich - die Degradierungen von Tatsuya Ito und Vasilije Janjicic in die U21-Mannschaft des HSV.

 

Hecking dazu: „Die Gespräche hat Jonas Boldt gemeinsam mit Michael Mutzel geführt, ich war darin nicht involviert. Es ist eine Entscheidung, die sicherlich auch aus den Erkenntnissen der vergangenen Saison rührt. Ich sage aber auch, dass es für die Spieler schwer geworden wäre, bei uns zu Einsatzzeiten zu kommen. Es ist dann gut und richtig, dass der Verein mit offenen Karten spielt.“

Kapitänswahl liegt bei der Mannschaft - Kinsombi will Freitag ins Training einsteigen

Offen ist aktuell auch noch, wer als Kapitän in die neue Saison gehen wird. Gegen Rugenbergen trug Innenverteidiger Papadopoulos die Binde, der mit lautstarken Kommandos auch auf dem Platz in dieser Hinsicht voranging. Der Spielführer aus der vergangenen Spielzeit, Aaron Hunt, wurde planmäßig nicht eingesetzt. Einen Favoriten wollte Trainer Hecking nicht bekanntgeben: „Ich wähle den Kapitän nicht, ich bin kein Spieler mehr.“ Keine Ansprüche auf dieses Amt, dafür aber in Zukunft durchaus auf einen Platz in der Stammelf hat David Kinsombi.

Der 23-jährige Neuzugang von Holstein Kiel soll am Freitag ins Mannschaftstraining einsteigen. Er fühle sich nach seinem Muskelfaserriss schon deutlich besser und sei gut im Zeitplan, sagte Kinsombi nach der Vormittagseinheit am Mittwoch und ergänzte weiter: „In den zwei Wochen, die ich verletzt war, habe ich vielleicht zwei Tage nichts gemacht. Ich glaube nicht, dass ich viel Power verloren habe. Natürlich war die Verletzung nicht optimal, aber ich werde für die Saison gut gewappnet sein.“ Laut eigener Aussage sei derzeit auch nicht ausgeschlossen, dass er für den Auftakt gegen Darmstadt infrage kommt. Man müsse die nächsten Tage noch abwarten, aber grundsätzlich fühle er sich gut.

Kinsombi als langfristige Verstärkung - HSV hat noch viel Arbeit vor sich

Sollte es beim 4-3-3-System des HSV zum Start gegen Darmstadt bleiben, dürften die Plätze im zentralen Mittelfeld noch für Adrian Fein, Aaron Hunt und Jeremy Dudziak reserviert sein. Langfristig gesehen kann Kinsombi aber auf einer der drei Positionen zu einer absoluten Waffe und Verstärkung werden - das hat er in der vergangenen Spielzeit in Kiel mehr als angedeutet und nicht umsonst drei Treffer alleine in den Spielen gegen den HSV erzielt, der wiederum noch einiges an Arbeit vor sich hat, wenn er das Ziel Aufstieg in dieser Saison erreichen möchte.

Zu Amtsantritt bezeichnete Trainer Hecking den HSV als Baustelle: „Wir haben schon einige Dinge verändert, aber diese Baustelle ist noch nicht fertig.“ Mit dieser Formulierung liegt der ehemalige Spieler von Hannover 96 vollkommen richtig.

In den Trainingseinheiten präsentieren sich die Spieler hochmotiviert, kommunizieren viel auf dem Platz und zeigen durchaus gute Ansätze. Auch das Teamgefüge nimmt langsam aber sicher Formen an, am letzten Abend des Trainingslagers in Kitzbühel organisierte die Mannschaft eigenständig einen Spieleabend - ohne Betreuer und Trainerstab. Dem Ziel des Aufstiegs werden bislang auch persönliche Interessen untergeordnet - ein gutes Zeichen. Doch die Ergebnisse der vergangenen drei Testspiele haben auch noch offene Fragen hinterlassen. Auch in unserem Community-Talk besprechen wir den aktuellen HSV-Kader.

 

1:1 gegen Olympiakos Piräus, 0:1 gegen Huddersfield, nun der maue 4:1-Erfolg gegen Rugenbergen. Das größte Problem: die Chancenverwertung in der Offensive. Bobby Wood und Lukas Hinterseer sind die aktuellen Sturmhoffnungen der Hamburger und liefern sich ein Duell um den Platz in der Spitze. Die Tendenz geht momentan in Richtung Hinterseer, der aber - genauso wie Wood - noch einiges an Verbesserungspotenzial besitzt. Gegen den Oberligisten Rugenbergen blieb er nach seiner Einwechslung ohne nennenswerte Aktionen - das kann aber alles noch werden. Auch beim VfL Bochum hatte er in der vergangenen Spielzeit zunächst Ladehemmungen, danach machte er beim Pott-Klub 18 Tore und bereitete neun weitere Treffer vor - diese Quote wünschen sich natürlich auch die HSV-Fans von ihm.

Also: Ja, es sind nur Testspiele - ja, die Mannschaft wird so nicht noch einmal zusammenspielen - ja, die Trainingseinheiten sind kräftezehrend - ja, es ist nur die Vorbereitung - aber nein, der HSV ist noch lange nicht da, wo er am Ende ankommen möchte.

Wir melden uns morgen früh um 7:30 Uhr wie gewohnt mit dem Morning-Call bei euch.

Bis dahin noch einen schönen Abend

Christian

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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