Marcus Scholz

28. Oktober 2019

Wie so oft vor Spielen standen wir auch heute wieder beim Abschlusstraining in einer größeren Runde mit den Kollegen zusammen und spekulierten, was wohl aufstellungstechnisch passieren würde. Und während es bei Dieter Heckings Vorgänger Hannes Wolf in der vergangenen Saison immer schon anhand der Trainingseinheiten deutlich wurde, wer spielen wird, lässt Dieter Hecking hier deutlich mehr Raum für Spekulationen. Mit seinem Satz „wir könnten auf drei, vier oder sogar fünf Positionen wechseln und würden die gleiche Qualität auf dem Platz haben“, hatte der HSV-Coach nach dem 6:2 vom Sonnabend sogar einige zusätzliche Wechsel angedeutet, nachdem er zuvor schon mit Christoph Moritz und ein Stück weit auch mit Gideon Jung überrascht hatte. Und bei meinen Kollegen war nicht die Frage, ob gewechselt wird, sondern nur, wie viele Wechsel Hecking vornehmen wird.

Zugegeben: Ich würde als Trainer gegenüber dem Sonnabend-Spiel nur dann wechseln, wenn sich einer der Startelf-Spieler vom Sonnabend nicht hundertprozentig fit präsentiert. Ansonsten würde ich identisch aufstellen. Aber da ich mir relativ sicher bin, dass zumindest Aaron Hunt spielen soll, um wieder ins Team integriert zu werden, habe ich meine Aufstellung ein wenig angepasst. Ich glaube nämlich, dass neben Hunt auch Hinterseer wieder reinrotiert und ggf. später im Spiel gegen Harnik ausgetauscht wird, sofern der nicht schon vorher für die Außenbahn kommen muss/soll.

Mögliche Startelf: Heuer Fernandes - Vagnoman, Jung, van Drongelen, Leibold - Fein, Moritz - Jatta, Hunt, Kittel - Hinterseer

In meiner vorempfundenen Aufstellung würde dementsprechend der gegen Stuttgart sehr starke Jeremy Dudziak eine Pause bekommen. Wobei die Betonung auf „Pause“ liegt, denn nach den letzten Wochen halte ich eine generelle Herausnähme des Linksfußes für absolut unangebracht. Dudziak war für mich einer der stärksten HSVer zuletzt. Er hat genau das ins Spiel eingebracht, was dem HSV beispielsweise gegen den FC St. Paulin im Derby gefehlt hatte: Er hat das Tempo immer wieder durchs Mittelfeld bis in die Spitze gehalten und mit seinen Eins-gegen-Eins-Qualitäten immer wieder gute Offensivaktionen eingeleitet.

 

„Morgen geht es nur darum: Friss oder stirb“, hatte VfB Stuttgarts Trainer Tim Walter auf der Pressekonferenz der Schwaben vor dem Pokalspiel gesagt und dabei noch einmal betont, dass das Pokalspiel andere Schwerpunkte bewirkt: „In der Liga gehts darum, Konstanz ins Team zu bekommen - morgen geht’s nur darum, zu gewinnen.“ Soll heißen: Morgen sind alle Mittel recht, sofern am Ende das Weiterkommen steht. Von daher wären auch Wechsel auf verschiedenen Positionen okay, sofern am Ende gewonnen wird. Dennoch bin ich mir - ebenso wie meine Kollegen nach deren Aussagen auch - heute schon ziemlich sicher, dass wir alle morgen jeder mindestens einen Fehler in unseren vorempfundenen Startaufstellungen haben werden. Zumal der HSV-Trainer heute nicht einmal den abschließenden Kader bekanntgeben wollte. Der soll erst morgen festgelegt und veröffentlicht werden.

Nicht dabei sein wird Xavier Amaechi. Der junge Engländer wird wegen Magen-Darm-Problemen auch für einen Einsatz im „kleinen Derby“ der U21 beim FC St. Pauli morgen (elbkick.tv überträgt das Derby übrigens live) nicht zur Verfügung stehen.

Heute im Abschlusstraining ließ Hecking im Abschlussspiel so spielen, dass es keine wirklichen Rückschlüsse auf die erste Elf geben konnte. Mit dabei waren auch U19-Youngster Travian Sousa, der erneut einen richtig guten Eindruck machte, sowie der Brasilianer Ewerton. Allerdings hatte Hecking bereits am Sonntag gesagt, dass der Innenverteidiger noch nicht so weit ist, für den Kader in Frage zu kommen. Mal sehen, ob das morgen noch Bestand hat oder ob Hecking uns ebenso foppt, wie er es am Sonnabend mit VfB-Trainer Walter („Der Dieter ist ein absoluter Taktik-Fuchs“) gemacht hatte. Bislang sind für das Pokalspiel übrigens 43.000 Tickets abgesetzt, was vor allem natürlich dem abendlichen Termin geschuldet ist. Andererseits scheinen auch die HSV-Fans zu wissen, was wichtiger ist - denn das sind die Liga-Punkte.

 

Viel trainieren war ohnehin seit Sonnabend nicht drin. Auch heute durften die Startelf-Spieler vom Sonnabend früher in die Kabine. Knapp 60 Minuten standen sie auf dem Platz und absolvierten nach dem Warmmach-Programm das Abschlussspiel, ehe sie die Reservisten allein ein paar Abschlussübungen absolvieren ließen. Übrigens mit Julian Pollersbeck im Tor, der morgen laut Hecking auf der Bank sitzen wird, während Tom Mickel morgen für die U21 gegen den „kleinen FC St. Pauli“ spielen soll. Und während Mickel Spielpraxis bekommen soll, belohnt Hecking damit Pollersbeck für seine zuletzt engagierten Leistungen im Training. Zudem habe der Umstand, dass Pollersbeck von sich aus um Einsätze bei der U21 gebeten hatte, noch beinmal seinen Willen gezeigt.

Nach Christoph Moritz, der vor dem Spiel am Sonnabend mit auffällig engagiertem Zweikampfverhalten (einigen Trainingskiebitzen war das sogar schon etwas zu hart) klargemacht hatte, unbedingt ins Team rutschen zu wollen, ist das die zweite Belohnung Heckings, der heute nach dem Training im Scherz sagte: „Bis auf Xavier sind für morgen alle fit, und die wollen auch noch alle spielen - so ein Scheiß…“ Ein Satz, der sicher nicht ernst gemeint war, der aber andeutet, in welcher Zwickmühle Hecking steckt. Denn neben dem kurzfristigen Erfolg muss der HSV-Coach immer auch zusehen, dass er langfristig gut aufgestellt bleibt. Dafür muss er seine Spieler, die gerade nicht zum Zug kommen, bei Laune halten. Und schon deshalb glaube ich, dass Hecking den Pokal als Gelegenheit nutzen wird, um zu rotieren. Auch wenn nach dem Spiel am Sonnabend sportlich alles dafür spräche, nichts zu verändern.

Wir informieren Euch mit letzten Infos rund ums Pokalspiel live

In diesem Sinne, bis morgen. Da melden wir uns wie immer um 7.30 Uhr mit dem MorningCall, ehe ich mich am Abend aus dem Volksparkstadion melden werde. Und für alle, die uns auf Facebook und/oder Twitter folgen, eine Ankündigung: Wir werden uns 30 Minuten vor dem Spiel ebenso wie in der Halbzeit mit letzten News live melden, ehe wir direkt nach dem Spiel mit dem Blog und unserem Blitzfazit an dieser Stelle zu Euch kommen. Hoffentlich mit dem nächsten Erfolgserlebnis.

Bis dahin!

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.