Marcus Scholz

30. Mai 2019

 

 

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Vatertag, da kann man ja mal mit dem Bollerwagen und so. Oder eben auch nicht. Denn irgendwie bin ich das letzte Mal am Vatertag losgezogen, bevor ich wirklich Vater geworden bin. Und wenn ich so auf die Straße gucke, sehe ich eher Jugendliche als echte Väter feiern. Ganz sicher nicht dabei sein wird Dieter Hecking, trotz seiner fünf Kinder, die ihm gleich fünf gute Gründe gäben. Aber der neue HSV-Trainer wird sich heute mit Jonas Boldt zusammentun und weiter am Kader basteln, der sich in der kommenden Saison im Volkspark darum kümmern soll, das diesjährig verpasste Ziel Wiederaufstieg nachzuholen. Aber Hecking muss sich auch gar nicht feiern - denn das übernehmen hier in Hamburg schon die Anhänger für ihn. Zumindest ein großer Teil davon jubelte gestern bei Verkündung seines Namens als neuen Trainer. Auch hier im Blog. Ich habe die beiden Topkommentare mal herausgepickt und stelle sie hier noch mal für Euch rein.  

 

REINHARD1954:

Ich staune über die professionelle Arbeit beim HSV.

Nach der überfälligen Becker-Entlassung wird am letzten Freitag mit Boldt sofort ein adäquater Nachfolger präsentiert.

Und die Hamburger Presse wusste von Anfang an nichts und tappte bezüglich eines neuen Sportchefs im Dunkeln.

Heute die Verpflichtung von Hecking.

Wie sind ähnliche Dinge in der Zeit von 2011 bis 2018 abgelaufen?

Da wurden Neuverpflichtungen direkt aus den Aufsichtsratssitzungen an die Presse gemeldet.

Die Zeiten als Didi Beiersdorfer öffentlich verkündete "Wenn Kühne einen Spieler nicht möchte kommt halt ein anderer Spieler" sind Gott sei Dank auch vorbei.

Ebenso sind die Zeiten, als uns Struth, Calmund, Kühne und Bruchhagen, die "Kniegeschädigten und völlig überteuerten Spieler Papa und Wood" und einen Hahn bescherten, jetzt endlich ebenfalls vorbei.

Wie war die damalige Aussage von Herrn Kühne? Das Geld für Hahn gebe ich euch nur, wenn ihr den Vertrag mit Wood verlängert.

Und ausgerechnet Herr Kühne fordert heute Jansen als VV und mehr sportliche Kompetenz beim HSV.

Ich bin froh, dass jetzt mit Hoffmann endlich ein Verantwortlicher des HSV Herrn Kühne die Stirn bietet.

Dann kommt noch dieser Eugen Block um die Ecke und fordert Magath, dessen Worte - mit Hollersbach steigt der HSV niemals ab - mir noch in den Ohren klingen.

Und nicht vergessen Eugen Blog war mit Ertel, Hunke, Harry Bähre, Ralph Hartmann, Wulff, Ferslev und Co. ein vehementer Ausgliederungsgegner.

Ich hoffe Boldt holt jetzt mit Hecking aufstrebende Talente zum HSV, damit der in der Rückrunde gezeigte „Grottenfußball“ endlich der Vergangenheit angehört.

Ferner hoffe ich, dass es Boldt gelingt die Spieler Hunt, Jung, Janjicic, Sakai, Wood und Papa irgendwie von der P-Rolle zu bekommen.

Ich sehe jetzt erstmals Licht am Ende des Tunnels und vertraue komplett den Herren Boldt und Hecking.

Vielen Dank, Reinhard1954!

 

Dir geht es in diesem Post vor allem um Bernd Hoffmann als Vorstandsvorsitzenden, der die Entscheidung pro Boldt und Hecking forciert und getroffen habe.  Das wird von Dir hier ausdrücklich gelobt. Du lobst die Arbeit des Vorstandsvorsitzenden als integer und bringst als Beispiel u.a. den Umstand an, dass niemand vorher etwas von Boldt erfahren hat. Das kann man natürlich auch so stehenlassen. Zumal auch intern - abgesehen von Hoffmann, Aufsichtsratsboss Max Köttgen und Marcell Jansen - offenbar niemand etwas wusste, bis unmittelbar vor dem Wechsel von Becker zu Boldt. Je weniger Mitwisser, desto höher die Wahrscheinlichkeit, ein Geheimnis intern zu bewahren. Das hat hier funktioniert. Bei Hecking indes weniger. Dessen Name war ja auch schon von Tag eins nach der Wolf-Entlassung von allen genannt worden.

Und wenn Du erlaubst, Reinhard1954, dann auch noch ein Kompliment von meiner Seite: Du erkennst sehr gut, dass sich hier in Hamburg längst wider zwei Blöcke hervorgetan haben. Die einen setzen auf Hoffmanns strikte, harte bis skrupellose Art. Die anderen wollen Hoffmann genau deswegen schnellstmöglich wieder absetzen (lassen). Dass sich Block, Jarchow, Kühne und Co. ziemlich zeitgleich melden, ist wahrscheinlich eher kein Zufall. Die Frage ist nur, warum sie sich alle melden. Wollen sie nur Unruhe schüren und eigene Interessen durchsetzen? Oder läuft beim HSV tatsächlich intern wieder etwas falsch?

Ich lasse diese beiden Fragen heute mal so stehen, da sie in den nächsten Wochen eh noch ausreichend thematisiert werden. Trotz der allseits gefeierten Inthronisierung Hecking, die auch unser Blogfreund KILL BILL aus seiner Sicht sehr anschaulich beschreibt:  

KILL BILL:

Willkommen auf der Titanic Herr Hecking!

Wie so oft darf man gespannt sein, wie lange die Kapelle das Lied des neuen Hoffnungsträger fiedeln wird.

Ich vermute innovative Spielideen wird es unter Hecking tendenziell nicht zu sehen geben. Auch versprüht er auf mich kein Übermaß an Charme und Witz. Von einem Menschenfänger à la Kloppo ist er soweit entfernt wie der HSV von einer ruhigen Saison. Hecking ist halt Hecking. Wer also von einem Trainer geträumt hat, der sich anschickt jeden Tag eine neue Vision von Fußball zu entwerfen, wird von der Verpflichtung wohl enttäuscht sein. Kurzum, der sagenumwobene Rulebräääker ist Hecking ganz sicher nicht.

Vielmehr verbinde ich mit Hecking solides Defensivverhalten, Standards, klassisches Flügelspiel, Offensiv geradlinig aber eher limitiert als inspiriert. In der Zeit der jugendlichen Konzepttrainer mutet seine Spielideen daher auf den ersten Blick durchaus unmodern an. Ja, man könnte sagen ein Hauch von Old School weht künftig durch den Volkspark.

Und doch ist er für die jetzige Situation eine nachvollziehbare und akzeptable Verpflichtung. Jetzt kein Anlass gleich wieder in einen Zustand der Ekstase zu verfallen. Jener Krankheit, die im vergangenen Mai in Form der Abstiegseuphorie die Hansestadt Hamburg verseucht hat. Aber eben auch kein Grund, dass ich meine HSV-Bettwäsche sogleich gegen eine Tüte Knusper-Erbsen eintauschen werde.

Für mich bringt Dieter Hecking gewisse charakterliche Prinzipien mit, die sich hoffentlich wie eine moralische Wand vor dem Selbstverständnis unserer Gurkentruppe aufbauen wird und noch vor Beginn des Spielbetriebes den ein oder anderen randbegabten Minderleister aus der Stadt spült sowie den Leistungsgedanken zumindest wieder ein Stück weit stärker in die tägliche Arbeit einpflanzt.

Wenn der Typ Hecking sich auch bei seiner neuen Aufgabe treu bleibt, hätten wir zumindest wieder einen Steuermann, dem bewusst ist, dass der Eisberg nicht durch Hunt auflegen schmilzt und man mit angestorbenen Leichtmatrosen keine Saisonziele erreicht. Wenn der Typ Hecking sich auch in der Wohlfühloase HSV treu bleibt, wäre der heutige Tag somit ein guter Tag.

Ja und wenn nicht? Ach Gott, dann kommt halt der nächste Heilsbringer und die Kapelle fängt von vorne an zu spielen. Übung hat sie ja.....

In diesem Sinne: Mach' et Dieter-Klaus, meinen Segen hast Du!

Ich muss zugeben, dass dieser Post fast komplett auch meiner Meinung entspricht. Dieter Hecking ist für diesen Moment eine sehr gute Wahl, wissend, dass der 54-Jährige eher nicht der Trainertyp ist, der wie einst Klopp in Dortmund alles auf links krempelt und mit mutigem, risikoreichem Offensivfußball eine spektakuläre Wiedergeburt des großen HSV feiern wird. Nein, darum kann es in diesem Moment, wo der HSV Probleme hat, sich in der Zweiten Liga ganz oben zu behaupten, auch gar nicht gehen. Und dafür wähle ich auch passenderweise sehr gern Hecking Worte selbst. Der antwortete auf die Frage, worauf es jetzt ankommt: „Arbeiten. Wir müssen jetzt viel und hart arbeiten.“

Ergo: Erst die Pflicht mit Hecking, danach die Kür mit - man weiß es halt noch nicht. Die HSV-Verantwortlichen schließen hierbei Hecking längst nicht aus. Aber sie lassen es noch offen und haben genau deshalb den Vertrag des neuen HSV-Cheftrainers auf zunächst ein Jahr mit Option (verlängert sich im Erfolgsfall Aufstieg automatisch um ein weiteres Jahr) beschränkt. Damit stellt man sicher, dass der Trainer nur dann bleibt, wenn er die gemeinsam formulierten Ziele erreicht. Ansonsten kann man sich trennen - ausnahmsweise sogar mal ohne Abfindung oder Fortzahlung des Gehaltes. Ein cleveres Konstrukt, das Ralf Becker mit Hecking angeschoben hatte und das von Boldt finalisiert wurde. Aber das nur nebenbei.

Es ist auch nicht wichtig. Es ist generell nicht wichtig, wer hier welchen kleinen  Schritt macht. Denn letztlich gibt es klare Verantwortlichkeiten. Die Kaderplaner samt Sportvorstand sind für die Zusammenstellung der Mannschaft verantwortlich. Immer in Absprache mit dem Trainer natürlich, der seinerseits die Mannschaftsleistungen und die Saisonergebnisse zu verantworten hat. Sollten diese ausbleiben, muss er gehen. Muss der Trainer gehen, muss wiederum der Sportvorstand hinterfragt werden.

Ebenso wie der Vorstandsvorsitzende, der letztlich für das große Ganze die Verantwortung trägt und der vom Aufsichtsrat hinterfragt werden muss. Und genau deshalb sind die beiden Freistellungen von Wolf und Becker für mich ebenso nachvollziehbar wie ich nicht verstehen kann, dass Aufsichtsratsboss Max Köttgen auf der Pressekonferenz bei der Boldt-Präsentation die Frage nach Bernd Hoffmanns Verantwortung für den Nichtaufstieg aus Sicht des Aufsichtsrates kategorisch und unbeantwortet ablehnte.

Denn das hinterließ den Eindruck, dass die Kontrolleure eben nicht - oder mindestens zu wenig kontrollieren und sich Hoffmanns Urteil unterordnen. So, wie es hier bei Hoffmanns erster Amtszeit auch war. Und ich behaupte, genau das war der Auslöser, weshalb sich die Hoffmann-Kritiker von damals wieder auf den Plan gerufen fühlten bzw. fühlen. Im Grunde ist es im direkten HSV-Umfeld nicht anders als hier im Blogforum und sonst bei den HSV-Fans: Hoffmann polarisiert.

Der ehemalige Sportvorstand Ralf Becker dürfte das ähnlich sehen, nachdem er von seinem Vorstandskollegen im Doppelpass mit dem eigentlich dafür verantwortlichen Aufsichtsrat geschasst wurde, während er noch für den Klub nach Verstärkungen suchte und diese auch fand. Hecking war der bekanntes Name, Darmstadts Keeper Heuer-Fernandes hätte der nächste werden können. 

Wurde er aber nicht. Dem potenziell neuen Keeper (dafür soll sich Julian Pollersbeck dem Vernehmen nach einen neuen Verein suchen) kam sein potenziell neuer Torwarttrainer zuvor: Kai Rabe. Der Torwarttrainer vom Karlsruher SC hatte bei dem Zweitligaaufsteiger im April bereits mitgeteilt, dass er gehen würde. Schon damals vermutete man hier wie dort, dass die neue Herausforderung Hamburg sein könnte, da Rabe und Becker sich gut kennen - und schätzen. Jetzt ist es Gewissheit: Rabe wechselt als Torwarttrainer zum HSV. Die Pressemitteilung im Wortlaut:

Kai Rabe wird neuer HSV-Torwarttrainer

Der Hamburger SV hat mit Kai Rabe einen neuen Torwarttrainer verpflichtet. Der 38-Jährige wechselt vom Karlsruher SC in die Hansestadt.

Am Mittwoch (29. Mai) stellte der HSV mit Dieter Hecking seinen neuen Cheftrainer vor, der mit Dirk Bremser seinen vertrauten Co-Trainer mit nach Hamburg bringt, am Donnerstag nun folgte mit Kai Rabe ein weiterer Baustein des neuen Trainerteams. Der 38-jährige Inhaber der UEFA-A-Lizenz für Torwarttrainer kann auf eine zehnjährige Berufserfahrung zurückblicken, die letzten acht Jahre arbeitete er als Torwarttrainer des Karlsruher SC. „Mit Kai Rabe haben wir einen erfahrenen Fachmann für die Arbeit mit unseren Torhütern gewinnen können“, erklärt HSV-Sportvorstand Jonas Boldt, „Kai wird in der täglichen Trainingsarbeit neue Reize setzen und unsere Keeper weiterentwickeln, daher sind wir sehr froh, ihn beim HSV begrüßen zu dürfen.“ Auch Rabe selbst blickt gespannt auf seine Zeit beim HSV: „Ich freue mich sehr auf die neue, spannende Aufgabe und die damit verbundene Herausforderung. Jetzt gilt es, Vollgas zu geben, damit wir gemeinsam unsere Ziele erreichen.“

Und: Über Rabe findet man tatsächlich nur Zeitungsberichte im Netz, die er eigentlich selbst geschrieben haben muss, so positiv sind die. Aber im Ernst: Rabe, der einen hervorragenden Ruf genießt, soll sich mit dem HSV schon zu Beckers Zeiten einig gewesen sein. Einziges Fragezeichen in dieser Diskussion war Hecking, der den Transfer jetzt aber absegnete.

In diesem Sinne, bis morgen. Ich verabschiede mich für heute von Euch und bin dann wieder mit dem MorningCall um 7.30 Uhr.

Bis dahin! Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.