Marcus Scholz

2. März 2019

 

Ärgerlich war es. Ärgerlich, weil das Remis das beste Ergebnis ist, wenn zwei Verfolger im Aufstiegsrennen aufeinandertreffen. Dass der FC St. Pauli dann am Ende doch noch durch einen späten Treffer in der 81. Minute knapp mit 1:0 gewinnt und so tabellarisch zum HSV bis auf einen Punkt aufschließt ist ärgerlich. Zumal der SC Paderborn in der vierten Minute der Nachspielzeit noch einen Lattentreffer hatte. Allerdings ist eines fast noch ärgerlicher als der heutige Spieltag: die Personalien Alex Meier. Denn der Winterzugang des FC St. Pauli ist seit Saisonbeginn auf dem Markt und wurde dem HSV mehrfach angeboten. Allerdings traute man dem Angreifer dessen aktuelle „Leistungsexplosion“ im Volkspark nicht zu - am Millerntor schon.

Dabei waren die Ausgangssituationen recht ähnlich. Beim HSV besteht seit Saisonbeginn ein Mangel an Torgefahr. Ohne Pierre Michel Lasogga geht nichts. Der Zehn-Tore-Mann ist unverzichtbar, der zweitbeste Schütze Khaled Narey hat erst sechs Treffer. Dennoch erzielten die beiden zusammen gut die Hälfte aller gerade einmal 31 HSV-Treffer. Und auch beim Stadtrivalen gäbe es bisher Magerkeit geboten,. was eigene Tore betrifft. 38 Treffer stehen auf dem Konto Im jähr 2019 sind es in sechs Spielen erst acht Treffer. Der einzige Unterschied: Beim FC St. Pauli gewinnt man die Spiele knapp. Und das vor allem durch die Treffer von eben dem Alex Meier, der sich beim HSV zu Saisonbeginn und danach angeboten hatte - und der im Winter dann vom FC St. Pauli verpflichtet wurde.

Zugegeben, wer sich die Spiele des FC St. Pauli anschaut, der wundert sich immer wieder über Meier. Der 36-Jährige hat wahrlich nicht sehr viele Ballszenen. Aber die wenigen, an denen er teilhat, die werden gefährlich. meistens sogar Tore. Heute traf erst sogar gleich zweimal. Wobei das erste Tor in der ersten Hälfte nicht gegeben wird, weil Meier im Abseits gestanden haben soll. Eine ganz enge Nummer, in der man tendenziell eher für Meier statt gegen ihn hätte entscheiden müssen. Dennoch, zum dritten Mal im sechsten Spiel trifft Meier zum Sieg. Das allein macht neun Punkte durch seine Tore, also zwei mehr als der HSV in der Rückrunde insgesamt gesammelt hat. Und wenn wir schon bei der Statistik sind, dann gleich noch eine: Meier bringt es inzwischen auf fünf Tore in Sechs Spielen für den FC St. Pauli. In vier Spielen traf er, dreimal davon zum Sieg. Man kann also sagen: Er ist der Mann für die entscheidende Situation. Also genau das, was dem HSV fehlt - Lasogga zumindest in Teilen ausgeklammert.

Meier würde nicht ins Profil passen, hieß es beim HSV. Und dabei berief man sich auf sein Alter, seine fehlende PerspektiveZudem wolle man seinen jungen Talenten (gemeint waren vor allem Fiete Arp aber auch Manuel Wintzheimer) nicht den Weg verbauen, was sogar nachvollziehbar ist. Das allerdings auch nur damn, wenn es ansonsten läuft. Und das ist beim HSV nicht der Fall. Hier fehlt nichts mehr als Tore. Und leider passt es hier wieder einmal, was in den letzten Jahren so oft passiert ist: Sobald der HSV vor eine Risikoentscheidung gestellt wird, entscheidet er sich falsch. Das war in Sachen Stürmern im Winter 2014/2015 so, als man sich aus Angst vor den Reaktionen der Fans gegen einen Transfer des scho stark aufspielenden und anschließend weiter aufblühenden Paolo Guerrero und für den immer schwächer spielenden Ivica Olic entschied. Und das scheint auch in diesem Fall so gewesen zu sein. Zumal Meier für ein sehr überschaubares Gehalt auch einen kurzfristigen Vertrag unterschrieben und somit jedes Risiko minimiert hätte. Oder besser gesagt: hat.

Pressekonferenz Greuther Fürth vor dem Spiel beim HSV

Denn es kam anders. Und den FC St. Pauli freut es, denn der Kiezklub feiert dank Meier einen Aufschwung, während der HSV in eine Ergebniskrise und auch in der Tabelle abgerutscht ist. Dritter ist man aktuell, nachdem Union Berlin gestern gewonnen hatte. Und nur noch einen Punkt vor dem Tabellenvierten FC St. Pauli. Zum Glück haben Kiel (0:2 leider gegen Union) und Heidenheim (1:2 gegen Regensburg) verloren. Somit kann der HSV mit einem Sieg zumindest auf sie drei Punkte gutmachen. Sollte der HSV am Montag  b(20.30 Uhr Volksparkstadion) gegen Greuther Fürth jedoch schwächeln, würde das Stadtderby zusätzlichen Reiz gewinnen, da der FC St. Pauli plötzlich mit einem Sieg am HSV vorbeiziehen könnte. Ein Szenario, das man tunlichst vermeiden soll. Zumal Meier gegen kaum einen Klub regelmäßiger trifft als gegen den HSV…

Okay, alles Konjunktive. „Hätte der HSV, dann wäre er“ - das ist zweifelsfrei eine müßige Diskussion, die wir hier seit Jahren und auf allen Ebenen führen. Immer gefüttert von den Entscheidungsträgern, die kaum ein Fettnäpfchen ausließen und den HSV mit Rekordausgaben in die Zweite Liga führten. Gerade personell nach vielen schlechten Jahren, in denen gute Spieler noch teuer verpflichtet wurden und hier schlechter wurden. Gingen sie weg, blühten sie immer wieder auf. Kerem Demirbay, Jonathan Tah, Michael Gregoritsch, zuletzt Filip Kostic, um nur einige zu nennen. Erst die finanzielle Zwangssituation sowie die Verpflichtung von Ralf Becker als Sportvorstand sorgten dafür, dass der HSV im vergangenen Sommer endlich kreativer wurde, günstig einkaufte. Narey wurde für 1,7 Millionen Euro verpflichtet und steigerte ebenso seinen Wert wie David Bates und Leihspieler Orel Mangala. Und zumindest in diesem einen Punkt muss sich der HSV keine Vorwürfe machen - denn eine Wertsteigerung ist bei allen Treffern Meiers wohl ob der 36 Lenze tatsächlich nicht mehr zu erwarten. Im Gegenteil.

Die Qualität beim HSV steigern soll dafür der HSV-Oldie Aaron Hunt. Und wenn man den Trainingseindrücken der letzten Tage trauen darf, dann dürfte das auch klappen. Am Montag soll der Kapitän sein Comeback in der Startelf feiern, Berkay Özcan wird vor ausschlich für ihn auf die Bank müssen. Zumindest trainierte Trainer Hannes Wolf heute wieder so. Nach dem Aufwärmen und verschiedene Passübungen stand heute ein Abschlussspiel auf verkürztem Feld statt. Wolf erhoffte sich mit dieser Trainingsform viele Zweikämpfe, viele Torabschlüsse - und vor allem viele Torerfolge. Torchancen kreieren, Torabschlüsse suchen und forcieren, also alles das, was zuletzt im Spiel zu kurz kam und was am Montag gegen Kreuther Fürth dringend benötigt wird.

Und auch wenn es keiner glauben mag, Aaron Hunt war auch heute in diesem Spiel wieder auffällig. Er legte auf, er traf selbst, und er war immer anspielbar. Ebenfalls auffällig: Bakery Jatta und Hee Chan Hwang. Jatta als Torschütze, Hwang ob seiner Anzahl an Abschlüssen, die allerdings nicht das Ziel fanden. Nicht dabei, wo wir gerade beim Thema Angreifer sind, war Fiete Arp. Der junge Angreifer, der seit 15 Monaten ohne eigenen Torerfolg in der Liga ist, fehlte wegen einer Schädelprellung, die er sich gestern zugezogen haben soll. Allerdings ist das alles nicht so schlimm, dass er ausfällt. Stattdessen soll er morgen beim nicht öffentlichen Abschlusstraining schon wieder dabei sein. In Sachen Startelf dürfte Arp eh erneut nichts zu melden haben. Vielmehr blieb es heute tendenziell (es wurde sechs gegen sechs gespielt) bei der gestern einstudierten Variante mit der A-Elf:

Pollersbeck - Narey, Bates, van Drongelen, Santos - Sakai - Hwang, Holtby, Hunt, Jatta - Lasogga.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wie gesagt nicht öffentlich trainiert. Zudem gibt es morgen die Pressekonferenz beim HSV, die wir Euch hier natürlich dann auch wieder präsentieren werden.

Bis dahin!

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.