Marcus Scholz

21. November 2018

 

Auf dem Trainingsplatz ist Fußball. Und das tut in diesen Tagen einfach gut. Keine Politik, keine Seilschaften - stattdessen Tore, Leidenschaft und ehrlicher Konkurrenzkampf. Und dieser nimmt aktuell sogar von Tag zu Tag zu. Heute konnte beispielsweise Hee-chan Hwang die komplette Einheit mitmachen. Der Offensivspieler ist damit neben Fiete Arp, Bakery Jatta und Tatsuya Ito der vieret Spieler für die Position auf der freien Außenbahn. Die ander belegt Khaled Narey. Hwang dürfte damit am Montag gegen Union Berlin endgültig einsatzbereit sein. „Heute haben wir ihn zum ersten Mal richtig fußballerisch voll belastet. Morgen ist ein freier Tag, um das zu verarbeiten. Wenn die Reaktion gut ausfällt, dann ist er wieder voll dabei“, freute sich Wolf nach der Einheit über den Südkoreaner, der zuletzt ein wenig überspielt wirkte, bevor er zudem verletzt ausfiel.

Und während Aaron Hunt ebenso wie seit heute auch Julian Pollersbeck mit einem Infekt ausfiel, trainierte Nationalmannschafts-Rückkehrer Rick van Drongelen individuell. Der Niederländer war mit muskulären Problemen von der niederländischen U21-Nationalmannschaft zurückgekehrt. „Er war zuletzt in Verein und Nationalmannschaft hoch belastet“, gab Wolf anschließend teilweise Entwarnung, „aber Freitag soll er schon wieder voll mittrainieren.“ Unter voller Belastung trainierten heute schon die U-19-Nationalspieler Jann Fiete Arp, Josha Vagnoman und Jonas David mit. Ebenfalls wieder dabei ist Matti Steinmann, der zuletzt wegen einer Zyste am Becken ausgefallen war. Heute wirkte er im Mannschaftstraining wieder voll mit und schien auch keine Probleme mehr zu haben.

Ob er und die anderen letztlich zur Dauerbesetzung zählen wird, ist allerdings noch offen. Denn wie zuletzt berichtet, plant Trainer Hannes Wolf eine Kaderreduzierung. In Zukunft sollen nur noch sehr ausgewählte junge Talente aus dem eigenen Nachwuchs mittrainieren. Von den Pfeifers, Opokus, Kwartengs, Köhlers, Vagnomans und Co. werden einige Spieler in den nächsten Wochen nicht mehr bei den Profis mittrainieren. „Grundsätzlich hat der HSV sehr interessante und gute Nachwuchsspieler“, sagt Wolf, „und wir müssen noch etwas daran arbeiten, damit sie sehr gut werden. Sie sollen dafür einfach Gas geben, egal bei welcher jeweiligen Mannschaft sie trainieren. Wir werden die Trainingsgruppe immer für ein Elf-gegen-elf zusammenstellen.“

Wolf will mit dieser gezielten Reduzierung das Training optimieren. Zusammen mit Sportvorstand Ralf Becker wird er eine Liste erstellen und Becker wird diese umsetzen. Dafür stehen in den nächsten Tagen ebenso klärende Gespräche an, wie aktuell auf Beiratsebene. Das Gremium ist aktuell dabei, Kandidaten für den Posten des e.V.-Präsidenten auf deren Tauglichkeit zu interviewen. Heute soll Heinrich Höper befragt worden sein. Der Delta-Fleisch-Gründer ist damit nach Insolvenzrechtler Rainer Ferslev, Ex-Präsident Jürgen Hunke sowie Ex-Profi Marcell Jansen bereits der vierte Kandidat, der sich dem Gremium stellte. Wobei es als sicher gilt, dass sich die Notarin Katrin Sattelmair sowie Unternehmer Dr. Ralph Hartmann ebenfalls noch bewerben werden. Bis zum 17. Dezember soll dann bestimmt werden, wie viele Kandidatinnen und Kandidaten zugelassen werden und welche das sind, die sich am 19. Januar in der edel-optics-Arnea in Wilhelmsburg zur Wahl stellen (dürfen).

Fakt ist: Der Gewinner dieser Wahl soll sich als Vertreter des AG-Hauptanteilseigner für die Belange des HSV e.V. einsetzen. Und nicht erst seit gestern wissen wir alle, dass die HSV AG finanziell am Limit arbeitet. Die gestern von Finanzvorstand Frank Wettstein verkündeten 5,8 Millionen Euro Jahresfehlbetrag aus dem Geschäftsjahr 2017/2018 haben die Situation zweifellos nicht verbessert - und wie die Kollegen des Hamburger Abendblattes heute sowie wir hier gestern im Blog schrieben: Das dicke Ende kommt erst noch.

Zuletzt hieß es, dass knapp 20 Millionen Euro als Jahresfehlbetrag für die laufende Saison erwartet werden. Ich habe gehört, dass es sogar deutlich mehr sein sollen, sollte der HSV nicht im DFB-Pokal unerwartet Millionen einspielen können oder noch eine Kapitalerhöhung genehmigen. Womit wir wieder beim neuen Präsidenten ist. Denn das neue e.V.-Oberhaupt ist maßgeblich für den Umgang mit den AG-Anteilen sowie der dafür verantwortlichen Satzung. Letztere würde eine Kapitalerhöhung genehmigen bis zu einem Verkauf von 33 Prozent der AG-Anteile. Klaus Michael Kühne hatte zuletzt starkes Interesse daran und seiner Aussage nach von Bernd Hoffmann auch die Zusage, weitere Anteile erwerben zu können. Letztlich aber schob Hoffmann diesem Vorhaben selbst einen Riegel vor - seither ist das eh schon angespannte Verhältnis Hoffmanns zum Investor und 21-Prozent-Anteilseigner nachhaltig belastet. Gespräche über eine mögliche Übereinkunft bzw. über die Möglichkeit weiterer Zusammenarbeiten hatte Kühne zuletzt wegen angeblich „gezielter Indiskretionen“ aus dem Vorstand abgesagt. Einen neuen Termin gibt es (noch) nicht.

Das wiederum könnte sich ändern, wenn im Januar ein neuer Präsident gewählt wurde und dieser wiederum die Gespräche mit Kühne sucht. Sattelmaier, die bislang nur von Hoffmann ins Gespräch gebracht wurde, sich selbst aber nich nicht offiziell beworben hat, gilt als Hoffmann-Vertraute. Ebenso wie Marcell Jansen, der seit seinem AR-Mandat auch sehr eng mit dem Vorstand zusammenarbeitet und zuletzt auch im Rautenperlen-Talk betonte, dass diese Zusammenarbeit sehr vertrauensvoll und eng sei. Für beide dürfte es eher schwierig werden, das Gespräch mit Kühne zu bekommen. Ebenso für Rainer Ferslev, der seinerzeit die Ausgliederung zu verhindern versucht hatte. Inwieweit Jürgen Hunke noch Kontakt zu Kühne hat, ist mir indes nicht bekannt.

Aber wenn wir schon eine genauere Beleuchtung der Eignung der Kandidaten anstellen, stellt sich mir zuallererst die Frage: Wie funktionieren die Kandidatinnen und Kandidaten denn mit dem übrig gebliebenen Team des Dreier-Präsidiums. Also inwieweit können die Kandidaten konstruktiv mit den Vizepräsidenten Moritz Schäfer und Thomas Schulz, die im Februar mit Bernd Hoffmann mitgewählt worden waren, zusammenarbeiten. Ich weiß zwar, dass es intern schon Überlegungen gab, im Januar gleich ein komplettes Präsidiumsteam wählen zu lassen. Aber das ist genauso sinnvoll wie satzungsmäßig anfechtbar, wurde mir gesagt. Insofern könnte ein neuer Präsident, der nicht auf einer Wellenlänge mit den bereits gewählten Vizepräsidenten liegt, auf e.V-Ebene von seinen Präsidiumskollegen immer 2:1 überstimmt werden. Der Präsident, der immer mindestens 75,1 Prozent der AG vertritt, wäre plötzlich das Beiwerk der Vizepräsidenten. Ein denkbares, sehr skurriles Szenario.  Auch deshalb ist der Beirat bemüht, Kandidaten auszuwählen, die passen würden.

Der Beiratsvorsitzende Jan Norbert Wendt hatte zuletzt gesagt, dass er glaube, Bernd Hoffmann wünsche sich einen Präsidenten, der ihm als Vorstandsboss inhaltlich folgt. Eine unnötige und unbedachte Äußerung, wie ich finde. Denn damit hat Wendt, der als Beirat selbst in der Lage ist, den Kandidatenkreis mitzubestimmen, völlig unnötig dem Kernthema der letzten Mitgliederversammlung Tür und Tor geöffnet. Denn schon im Februar ging es auf der Trabrennbahn Bahrenfeld bei der Wahl zwischen Hoffmann-Befürwortern und Hoffmann-Gegnern unerfreulich unsachlich zu. Wendts Aussagen in Verbindung mit seinem Amt als Beirat dürften in dieser Angelegenheit nicht gerade deeskalierend wirken.

Und bevor ich diesen Blog beschließe, noch ein zwei Sätze in eigener Sache: Zuletzt kam hier aus dem Forum die Frage, weshalb ich die Ankündigung der Bilanzpressekonferenz wieder aus dem Blog gestrichen hatte. Zunächst sehr unsachlich formuliert, dann noch mal höflich gefragt. Letzterem möchte ich hiermit antworten: Weil ich damit versehentlich eine (noch) nicht freigegeben Nachricht an mich zu früh veröffentlicht hatte. So einfach ist manchmal das, was hier sogar zu einem Verstoß gegen den Journalisten-Kodex hochstilisiert wurde.

In diesem Sinne, morgen früh melde ich mich natürlich wieder mit unserem MorningCall. Parallel dazu werde ich heute wieder einen Topkommentar einstellen, unter dem jede/r von Euch ihre/seine Fragen an mich loswerden kann. Ich werde sie nach Möglichkeit morgen Abend (als Block im Blog) beantworten.

Bis dahin Euch allen erst einmal einen richtig schönen Mittwochabend! Bis morgen!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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