Marcus Scholz

3. Juni 2019

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Um mal eines klarzustellen: Dass man in ein anderes Regal greifen müsse bei Transfers, DAS hat Marcell Jansen gesagt. Dass man in ein höheres Regal greifen müsse, DAS hat Marcell Jansen allerdings NICHT gesagt. Im Gegenteil: Jansen weiß sehr wohl, dass der HSV tatsächlich das machen muss, was man hier seit zehn Jahren mehr oder weniger proklamiert hat: Einen Umbruch hin zu talentierten, günstigen Spielern, die ihr persönliches Highlight noch vor sich haben. Daher kommt die Meldung heute, dass sich der HSV um Marc Stendera bewirbt, nicht unerwartet. Schon wieder, um genau zu sein. Denn um das Frankfurter Talent hat sich der HSV schon vor zwei Jahren intensiv (und erfolglos) erkundigt.

Schon im Winter hatte Stendera gesagt bekommen, dass er den nächsten Schritt machen müsse - oder gehen. Stendera blieb zwar in Frankfurt, seine Entwicklung indes stagnierte. Wie die Hessenschau jetzt berichtet, steht Stenderas Abschied jetzt unmittelbar bevor. Potenzielle Abnehmer sind die Erstligisten Freiburg und Köln sowie die Zweitligisten Hannover 96 - und erneut der HSV. Und das macht auch absolut Sinn. Ob man den zentralen Mittelfeldspieler jetzt als Ersatz für den verletzungsanfälligen Aaron Hunt fest verpflichten oder zunächst einmal ausleihen und ausprobieren kann - es wäre beides gut, behaupte ich.

Bis nächste Woche muss sich Stendera entscheiden, ob er gehen oder seinen noch bis 2020 laufenden Vertrag in Frankfurt erfüllen will. Und mit bislang 79 Erstligaspielen hat Stendera Erfahrung genug für einen 23 Jahre jungen Fußballer gesammelt, um beim HSV in der Zweiten Liga zentral Verantwortung zu übernehmen. Vor allem aber verfügt der DFB-Pokalsieger und einstige U21-Nationalspieler und U19-Europameister über mehr Potenzial, als er bei der Eintracht zuletzt abrufen konnte. Statt sich durchzusetzen, wie er immer wieder als Ziel vorgegeben hatte, wurde er zuletzt im Sommer 2018 nicht mal mit ins Trainingslager der Eintracht genommen. Dennoch versuchte Stendera, sich durchzubeißen. Vergeblich.

Insofern könnte er jetzt besonders hungrig sein, es allen zeigen zu wollen. Für Trainer Dieter Hecking und Sportvorstand Jonas Boldt gilt es daher, genau auszuloten, ob der Spieler aus der missratenen letzten Saison eine besondere Motivation ziehen kann - oder ob sein sportliches Tief vielleicht charakterlich begründet ist. Wobei diese Parameter natürlich nicht nur hier, sondern für alle Neuzugänge anzusetzen sind.

Apropos Maßstäbe: Als ich heute morgen die Meldung gelesen habe, dass der HSV zehn Millionen Euro weniger Minus machen würde als erwartet, war mir klar, dass es einige geben würde, die das tatsächlich als Erfolg feiern. Dabei ist es nur das kleinere Übel und es stellt sich zuallererst die Frage: Wie kam es dazu, dass der HSV weniger Minus als befürchtet macht? Antwort: Weil man den befürchteten Fehlbetrag zum einen sehr hoch angesetzt hatte, zum anderen konnte man ein paar Kühne-Darlehen umwandeln und bekam zudem einiges geschenkt. Außerdem hat der HSV mit dem verpassten Aufstieg in der Saison schon weniger Siegprämien zahlen müssen. Ferner sparte der HSV die kompletten Aufstiegsprämien, was auch noch einmal einen mittelhohen siebenstelligen Betrag nach sich gezogen hätte. Insofern hatte der Nichtaufstieg tatsächlich doch noch etwas positives. Nur feiern würde ich das dann nicht.

Nein, wie in Sachen Finanzen muss sich der HSV in allen Bereichen einmal neu sortieren und neu aufstellen, um wirklich den Startschuss zu geben. Dass man sich in Sachen Kaderzusammenstellung dabei nicht von Terminen wie dem Trainingsauftakt unter Druck setzen darf, das ist klar. Aber dass man das eh nicht zulasse, betonten zuletzt sowohl Trainer Dieter Hecking als auch Sportvorstand Jonas Boldt ausdrücklich. Beide wissen, dass sich längeres Warten manchmal auszahlt - wenn es der jeweilige Spieler wert ist.

Sehr gefreut habe ich mich indes über die Meldung, dass Soner Uysal ab sofort wieder beim HSV im Einsatz sein wird. Der zu Beginn der letzten Saison aus dem Trainerstab der Profis freigestellte Uysal wird als Co-Trainer des neuen U21-Coaches Hannes Drews fungieren. Damit erhält ein Urgestein des HSV - denn Uysal ist seit 2003 beim HSV aktiv - eine zweite Chance. Die Gespräche liefen über einen langen Zeitraum und führten letztlich dazu, dass sich der inzwischen geschasste Sportvorstand Ralf Becker und Uysal,  die letztes Jahr nicht beim Besten auseinandergegangen waren, noch einmal auf eine Zusammenarbeit einigen konnten und Persönliches hintenangestellt wurde.

 

In diesem Sinne, bis morgen. Da melde ich mich wieder pünktlich früh um 7:30 Uhr mit dem MorningCall bei Euch.

 

Bis dahin!

Scholle

 

P.S.: Der Aufsichtsrat wird im Übrigen auf sieben Personen erweitert. Hier die dazugehörige Pressemitteilung.

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FAQs

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.