Lars Pegelow

1. August 2018

Langsam wird es ernst und die Aufregung der vergangenen Tage, das öffentliche Training beim HSV mit regelmäßig hunderten Fans bei tropischen Temperaturen, das Fanfest mit Showbühne, die zahlreichen und meist auch sehr interessanten Interviews der HSV-Profis – insbesondere der neuen Profis – sind erst einmal Geschichte. Training heute Vormittag: 22 Spieler auf dem Rasen, eine kurze und knackige Einheit, ein Dutzend Fans verteilen sich irgendwo mehr oder weniger weiträumig um die Trainingsplätze herum. Es spielt A gegen B, A sieht deutlich besser aus, und Trainer Christian Titz verabschiedet alle Spieler nach nicht einmal 75 Minuten mit Beifall und einem anfeuernden: „Gute Einheit, Jungs!“

 

Auffällig beim Trainingsspielchen war vor allem, dass Titz seine A-Elf im Vergleich zum Monaco-Spiel nicht verändert hat. Mit einer Ausnahme. Aaron Hunt konnte, nachdem er das Training gestern abbrechen musste, heute gar nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. Eine Verhärtung in der Wade verhinderte dies. Ob es eng werden könnte fürs Spiel, wurde Christian Titz am Ende des Trainings gefragt. Das stets freundliche Lächeln des Coaches wich auch bei dieser Frage nicht, aber die Frage konnte er trotzdem nicht eindeutig beantworten. Man wird abwarten müssen, was das morgige Abschlusstraining bietet. Jedenfalls scheint sich Titz sicher zu sein, welche Art Stürmer er bevorzugt. Wenn ich hier vor ein paar Tagen die Frage aufgeworfen habe: „Arp? Lasogga? Wintzheimer? Hunt!“ , so fehlte da ein Name. Denn der Ausfall von Hunt führte heute beim Spielchen zur Antwort: „Jairo!“

 

Offenbar will Christian Titz die Kieler Störche auf jeden Fall mit einem spielerischen Stoßstürmer knacken. Nix Lasogga-Wucht. Nix Wintzheimer-Laufstärke. Nix Arp-Selbstvertrauen nach seinem schönen Tor am Mittwochabend beim 1:0 der U 21 in der Regionalliga Nord gegen Rehden. Arp lief jedenfalls heute mit den restlichen Regionalliga-Spielern aus, und es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich Fiete auch am Freitag noch einmal unterklassig Spielpraxis holt. Dann spielt der HSV-Nachwuchs nämlich bei der zweiten Mannschaft von Werder Bremen.

 

Jairo Samperio, die neue Nummer 23 des HSV, ist also fürs Kiel-Spiel der Hunt-Backup, wenn man den Trainingseindrücken glauben schenken kann. Auf den Flügeln spielten heute Tatsuya Ito auf der linken Seite, der seinen kleinen Trainingszwischenfall gestern, den Zusammenprall mit David Bates, also gut überstanden hat. Auf der rechten Seite wirbelte und traf wieder Khaled Narey. In der Zentrale ließ sich Lewis Holtby sichern, und die beiden absichernden Mittelfeldspieler waren, wie gegen Monaco, Vasilije Janjicic und Matti Steinmann. Sollte Aaron Hunt fit werden, dann dürfte Jairo auf den rechten oder linken Flügel ausweichen und Ito erst einmal die Jokerrolle bleiben. Viel mehr Fragezeichen gibt es eigentlich nicht. Christoph Moritz, Bakery Jatta (heute leicht angeschlagen), Filip Kostic und Albin Ekdal (beide mit Trainingsrückstand und nach wie vor auf der Wechselliste) kommen noch nicht für einen Startelf-Einsatz infrage.  

 

Keine heißen Gerüchte sind heute in der Frage eines neuen Innenverteidigers entstanden. Okay, Cleber hat sich in der „Bild“ ins Gespräch gebracht. Aber wahrscheinlich war das eher ein Gag. Ein anderer Name, der aufpoppte, war der des finnischen Nationalspielers Paulus Arajuuri, der aktuell bei Bröndby IF unter Vertrag steht. 30 Jahre alt, ein Klient des früheren HSV-Spielers Martin Dahlin. Arajuuri – das hätte von den Daten her passen können. Erfahrener Mann, sicher nicht besonders teuer, aber die Wahrheit ist, dass er für den HSV keiner sein wird – dieser dezente Hinweis kam unmissverständlich aus dem Verein heraus.

 

So bleibt es dabei: der HSV geht auf dieser Position mit einem gewissen Risiko in die Saison. Rick van Drongelen, der heute im Trainingsspiel wieder wie ein alter Hase schrie und dirigierte, steht neben David Bates. Jonas David (18) ist die Alternative – oder Christian Titz schnitzt sich eine neue Dreierkette, für die dann Matti Steinmann und/oder Christoph Moritz eine Alternative sein können.

 

Heute hat der HSV voller Stolz seine neuen Mitgliederzahlen bekannt gegeben. Wo früher Programme zum Mitgliedergewinn aufgelegt und Werbeaktion gefahren wurden, da half in diesem Jahr der Abstieg in die Zweitklassigkeit ganz gewaltig mit. Seit dem letzten Spieltag in der Bundesliga und dem 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach sind tatsächlich 7.500 Mitglieder zusätzlich in den HSV eingetreten. Der Mitgliederstand am Sonnabend beim Fanfest hat allein 150 Menschen angelockt, sich beim HSV als Mitglied zu registrieren. Insgesamt hat der Verein somit mehr als 84.200 Mitglieder und ist seinem eigentlich als langfristig angekündigtem Ziel der 100.000-Marke wieder ein gutes Stück näher gekommen. Immer wieder beachtlich, diese HSV-Begeisterung, die gleichzeitig eine Verpflichtung ist für das Team. Lewis Holtby empfindet dafür, wie er sagte, vorab schon große Dankbarkeit – und mit dieser neuen Einstellung soll es dann also am Freitag in die Saison-Premiere gehen.

 

Das war es dann auch schon für heute – einem Tag, der mehr Ruhe als Sturm brachte. Morgen folgen die letzten, brandheißen Infos vor dem ersten Zweitliga-Spiel der HSV-Geschichte!!!

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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