Marcus Scholz

22. November 2019

Mehr als 50.000 Zuschauer werden beim Spiel des HSV am Sonnabend (13 Uhr) im Volksparkstadion gegen Dynamo Dresden erwartet. Zudem ein Gegner, der sich bislang nie darauf beschränkte, sich hinten reinzustellen. Im Gegenteil: Mit 6.244 gespielten Pässen und 87 Prozent Passgenauigkeit belegen die Dresdner ligaweit Rang 3 bzw. Platz 2. Zum Vergleich: Der HSV rangiert mit 6.150 Pässen und 86 Prozent Passquote in den beiden Kategorien jeweils auf Platz 4. Insofern bietet das Duell gegen die Sachsen eine Basis, die zumindest auf ansehnlichen Fußball schließen lässt. Allerdings muss der HSV morgen umbauen. Was es ansonsten noch vor diesem Duell an interessanten Daten gibt, hier:

 

 

Die Ausgangslage

Dynamo Dresden: Vor dem irren DFB-Pokal-Spiel im Berliner Olympiastadion gegen Hertha BSC stand Dynamo-Trainer Christian Fiél bei Dynamo Dresden unter Druck. Der Publikumsliebling und Ex-Spieler hatte mit seiner Mannschaft fünf Zweitliga-Spiele nacheinander nicht gewonnen, dabei sogar vier Partien verloren. Doch die dramatische Pokal-Pleite nach Elfmeterschießen war der Wendepunkt: Dresden kämpfte leidenschaftlich, wurde von 10.000 mitgereisten Fans frenetisch unterstützt und hatte den großen Rivalen und Favoriten am Rande einer Niederlage. Dieses Erfolgserlebnis konnte Dynamo zwar noch nicht in die Liga-Partie gegen den VfB Stuttgart (1:3) mitnehmen, gewann dafür aber das wichtige Spiel gegen den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, Wehen Wiesbaden (1:0). Diese drei Punkte und der jüngste Trend haben den Glauben nach Dresden zurückgebracht und auch die Position des Trainers nachhaltig gestärkt.

 

 

 

HSV: Auswärts ist man seit fünf Spielen ohne Sieg - und seit vier Partien ungeschlagen. Da man zuletzt zweimal in der Fremde ran musste und sowohl in Wiesbaden als auch in Kiel nur je einen Punkt mitnehmen konnte, ist die Tabellenführung futsch. Nur gut, dass jetzt wieder ein Heimspiel ansteht. Fünf Siege, ein Remis - viel besser geht es nicht. Und so soll es auch glauben. Mehr als 50.000 Zuschauer werden erwartet, davon wieder mindestens 6000 bis 7000 Anhänger aus Dresden. Es wird ein stimmungsvolles Spiel - und der HSV setzt auf Offensive. Aber dazu gleich mehr.

 

Das größte Problem

Dynamo Dresden: Verletzungspech. Mitten in diese Positiv-Phase hinein trifft Dynamo derzeit das Verletzungspech mit voller Wucht. Für das Spiel gegen den HSV muss Fiél auf sechs (!) Spieler verletzungsbedingt verzichten, darunter auch Ausfälle von wichtigen Stammkräften. In Hamburg fehlen: Florian Ballas (Oberschenkelprobleme), Patrick Möschl (Sprunggelenksverletzung), Patrick Ebert (Muskelfaserriss), Marco Hartmann (Knieprobleme), Sascha Horvath (Finger-OP) und auch Luka Stor (Probleme am Hüftbeuger).

HSV: Trainer Dieter Hecking hat in den letzten Tagen offenbar mehr denn je darüber nachgedacht, sein System umzubauen. Sogar die Dreierkette wurde im Training gespielt und scheint nicht mehr ausgeschlossen. „Ewerton hat sich rangearbeitet, er ist langsame eine echte Alternative“, sagte Hecking heute in der Pressekonferenz, bevor er die Ausfälle von Lukas Hinterseer und Xavier Amaechi (beide Oberschenkelprellung) sowie die weiteren Ausfälle Bakery Jatta (Rotsperre) und die Langzeitverletzten Gyamerah und Vagnoman nannte. Sollte der HSV ein Problem abseits der finanziellen Situation haben, dann dass Hecking personell ein wenig umstellen und wahrscheinlich sein System verändern muss. Aktuell deutet viel auf ein 4-4-2 mit Wood und Harnik im Sturmzentrum hin, wobei auch die Dreierkette, die Hecking bislang eher ausschloss, denkbar wäre.

 

 

Der Lichtblick

Dynamo Dresden: Für Dresden könnte die Schiedsrichter-Ansetzung ein Lichtblick sein: Marco Fritz wird die Partie HSV-Dynamo leiten. Die vergangenen zehn Spiele unter seiner Leitung konnte der HSV allesamt nicht gewinnen – vielleicht ja ein gutes Omen für die Ostdeutschen. Erinnerung: Das bisher einzige HSV-Zweitligaspiel, das Fritz leitete, endete mit 0:3 nach dem Abstieg gegen Holstein Kiel.

HSV: Martin Harnik ist zurück und soll erneut in der Sturmspitze beginnen. So, wie zuletzt beim 6:2 gegen Stuttgart, wo Harnik einen Treffer beisteuern konnte. Ein Spiel als Mittelstürmer - ein Treffer. „Martin hat einfach eine Quote seit Jahren, die für sich spricht“, so Hecking, der zudem im Training auf Wood als zweite Spitze setzte. Zum ersten mal in dieser Zweitliga-Saison. Dahinter soll ein Vierer-Mittelfeld mit Kittel auf der Zehn für weiteren Offensivdruck sorgen.

 

Das spannendste Duell

Dynamo Dresden: Das wird in dieser Begegnung auf der Trainerbank ausgetragen. Christian Fiél, seit vergangener Saison Cheftrainer in Dresden, trifft auf seinen alten Lehrmeister: Dieter Hecking. Hecking trainierte Fiél im Jahr 2004 als Spieler von Alemannia Aachen – nun treffen sich beide als gegnerische Trainer wieder. Kann der Lehrling seinen Meister ausstechen? Oder macht sich die Erfahrung von Hecking bezahlbar? Zwei spannende Fragen dieses Duells.

HSV: Dieter Hecking war sichtbar genervt von seinem privaten Verhältnis zu Ex-Spieler Fiél. Er wollte auf die Frage nach seiner Meinung über seinen früheren Spieler von Alemannia Aachen gar nicht erst antworten und betonte, dass sein Fokus auf dem Spiel an sich läge, nicht auf dem Drumherum. Und dabei könnte das Duell zwischen Wood und Harnik mit der Dreierkette der Dresdner sehr interessant werden. Vor allem auf Wood läge, sofern er denn tatsächlich beginnt, ein besonderes Augenmerk. Auf der anderen Seite muss die HSV-Defensive immer in Acht vor dem pfeilschnellen Koné sein. Sollte wie vermutet wird, Jung aus der Viererkette rausfallen und die beiden Niederländer Letschert und van Drongelen beginnen, wird es interessant zu sehen sein, wie die beiden ihr Tempodefizit gegenüber dem Dresdner ausgleichen.

 

Taktik

Dresden: Boss – Müller, Ballas, Ehlers – Kreuzer, Nikolaou, Burnic, Löwe, Atik – Kone, Jeremejeff

HSV: Heuer Fernandes - Narey, Letschert, van Drongelen, Leibold - Moritz, Fein, Kittel, Dudziak - Harnik, Wood

Der restliche HSV-Kader (Hecking berief nur 17 Spieler): Tom Mickel (ETW), Ewerton, Gideon Jung, David Kinsombi, Aaron Hunt, Jairo Samperio.

 

Ausblick

Dynamo Dresden: Dynamo will laut Aussage des eigenen Trainers nicht nur „Elbluft“ in Hamburg schnuppern, sondern drei Punkte aus dem Norden entführen. Mit einem Überraschungs-Dreier – nichts anderes wäre ein Sieg gegen die zuhause noch unbesiegten Hamburger – könnte Fiél seine eigene Position weiter stärken und mit seinem Team den Abstiegszonen weiter entfliehen.

HSV: Mit einem Sieg würde man zum einen die Heimserie von zuletzt fünf Siegen in Folge ausbauen können, zum anderen an Bielefeld (zeitgleich gegen Sandhausen) mindestens dranbleiben. Am kommenden Freitag steht mit dem Spiel beim Aufsteiger VfL Osnabrück Wieder ein Auswärtsspiel an, das schwierig wird.  

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FAQs

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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