Marcus Scholz

27. Februar 2019

 

Das Thema wird sicherlich noch eine Weile anhalten, viele werden sich mächtig darüber aufregen - und dann ist es irgendwann alles wieder vergessen. Zumindest war es in der Vergangenheit immer wieder so, wenn der HSV mit exorbitanten Ticketpreisen auf sich aufmerksam machte. „Das ist doch okay am letzten Spieltag“, sagen die einen, während andere den Gegner als Maßstab nehmen. „Für ein Spiel gegen den aktuell Tabellenletzten ist das eine Frechheit.“ Letztlich aber ist es so, dass die Tickets trotzdem verkauft werden. Rund 45.000 Tickets sind im Vorverkauf für die Mitglieder am ersten tag weggegangen und alle rechnen damit, dass in den nächsten tagen schon „ausverkauft“ gemeldet wird. Ergo: Alles okay. Und der HSV ist im acht. Oder?

Mitnichten. Denn der HSV macht es wie immer und verkauft im Voraus. Diesmal keine Anteile, keine Einnahmen der Zukunft, sondern das zuletzt arg strapazierte Vertrauen seiner Fans, die nicht nur das Stadion unvermindert füllen, sondern inzwischen auch das zweite Mal eine Anleihe zeichnen sollen. Im Gegenzug kommt - erst mal nichts. Denn das, was dieser HSV in den letzten Monaten und insbesondere unmittelbar um den Abstieg herum immer wieder propagiert hatte, wird er so weiterhin nicht erreichen: Die neue Nähe von Verein und Fans, das Einbeziehen der Basis sowie ein Miteinander mit den Anhängern. Nein, hier geht es ausschließlich darum, das Schweinchen so lange auszuschlachten, bis nichts mehr übrig bleibt.

 

 

Weil der HSV jeden Cent braucht. Und, weil er es nicht versteht, die Fans nicht nur zu nutzen, sondern ihnen auch mal etwas zurückzugeben abseits des Platzes.  Das Spiel gegen Duisburg hätte da zweifellos eine richtig gute Gelegenheit geboten. Wohlgemerkt „hätte“ - denn es wird mal wieder grandios verpasst und verdeutlicht, worauf es immer wieder ankommt. Die finanzielle Not lässt offenbar (mal wieder) nichts anderes zu.

Fakt ist, das gebe ich gern zu, dass ich keine 85 Euro für dieses Spiel ausgegeben hätte.  ich hätte das Spiel wahrscheinlich verpasst, so gern ich den Moment miterleben würde. Und die Partie verspricht natürlich tatsächlich so einiges. Zumal dann, wenn es am letzten Spieltag noch um alles geht, was ob der aktuellen Verfassung nicht auszuschließen ist. Fünf Spiele, sieben Punkte - mehr hat der HSV bislang aus der Rückrunde nicht gewinnen können. Rückrundentabellenplatz 12 - und die Verfolger des HSV rutschten punktemäßig wieder ran. Einer davon, der 1. FC Köln, könnte mit einem Sieg im Nachholspiel heute Abend in Aue (Anpfiff ist um 19.30 Uhr) wieder am HSV vorbeiziehen. Von daher ist es so, wie Hannes Wolf es seit Wochen immer wieder prophezeit: Es wird für den HSV bis zum Schluss spannend bleiben. Also aller Voraussicht nach auch beim letzten, teuren Duisburg-Spiel.

Spannend erwartet wird auch die Startelf am kommenden Montag. Diese ist allerdings gezwungenermaßen spannend geworden, nachdem Orel Mangala und Vasilije Janjicic gesperrt ausfallen und es für den HSV-Trainer darum geht, die wichtige Sechserposition neu zu besetzen. Heute im Training durfte vormittags Gotoku Sakai auf der zentral-defensiven Position ran. Und der Japaner ist auch der Favorit auf diese Position, zumal die anderen Kandidaten entweder positionsfremd (Berkay Özcan) oder wie Gideon Jung noch angeschlagen (Adduktorenprobleme) sind. Für Saskai, der bislang als Rechtsverteidiger unter Wolf gesetzt warm durfte Khaled Narey wieder im A-Team mitmischen - als Rechtsverteidiger.

nahezu sicher wieder in der Startelf stehen wird Aaron Hunt. der Kapitän ist seit nunmehr fast zehn Tagen schmerzfrei im Mannschaftstraining und sorgt für die Personalie, die ich am spannendsten finde. Denn wer wird für ihn weichen? Der neu verpflichtete Özcan? Oder Lewis Holtby? Noch ist das alles sehr spekulativ. Zumal in Regensburg sowohl Özcan als sich Holtby nicht zu überzeugen wussten. Ansonsten dürfte sich gegen Fürth am Montag nicht allzu viel in der Startelf verändern. Also auch wieder mit den beiden offensiven Außen Hee Chan Hwang und Bakery Jatta. Tatsuya Ito und Fiete Arp drängen zwar übers Training darauf, endlich wieder erste Wahl zu sein - aber noch konnten die beiden Youngster sich nicht durchsetzen. Wobei: Vielleicht nimmt Wolf auch einen der beiden Außen raus und setzt auf ein variables, offensives Mittelfeld mit Hunt und Holtby im Wechsel

Grund genug, auf Hwang zu verzichten hätte Wolf. Und angesichts der letzten beiden Spiele wäre sogar bei dem Shootingstar der letzten Wochen, Bakery Jatta, eine Verschnaufpause durchaus nachvollziehbar. Aber ich bleibe dabei: Hee Chan Hwang Spiel ist störend. Der Südkoreaner ist schlichtweg nicht auf das HSV-Spiel eingestimmt - und die ganze Mannschaft wird sich sicher nicht nach ihm richten. Klar, der Abpraller nach seinem Torabschluss führt zum Führungstreffer des HSV und sein Pass in der 25 Minuten auf Lasogga hätte das sichere 2:0 nach sich ziehen müssen. Andererseits hatte Hwang mit nur knapp 27 Prozent gewonnener Zweikämpfe (und etlichen Ballverlusten) in Regensburg deutlich die schlechtesten Werte aller Spieler auf dem Platz.

Dass man immer wieder betont, welche Qualitäten an sich min ihm schlummern, ist ebenso korrekt. Auch ich finde, dass Hwang alle einzelnen Qualitäten hat, um ein richtig guter Angreifer zu sein. Die ersten meter ist er brutal schnell, seine Dynamik können die wenigsten Verteidiger mitgehen. nein, eigentlich keiner. Im training ist zudem erkennbar, dass Hwang über einen ordentlichen Abschluss verfügt. Allerdings macht Hwang es sich selbst schwer, in dem er sich in Dribblings verstrickt, die ziellos sind. Nur selten nutzt er sein Tempo, über über Außen durchzubrechen und den Ball anschließend scharf in die Mitte zu bringen. Viel zu selten sogar. Insofern würde ich bei Hwang zwei Dinge in Betracht ziehen: Die Bank - oder eben einen Positionswechsel. Denn wenn er  sich mit seiner nimmermüden, wuseligen Art zentral frei hinter oder auch neben Angreifer Pierre Michel Lasogga bewegen darf, könnte er deutlich effektiver sein.

Aber hier ist Hunt gesetzt. Zurecht, wie die Hinrunde gezeigt hat. Von daher bleibt für mich nur der Schluss: Hwang muss sich und sein Spiel endlich dem seiner Kollegen anpassen. Oder er bleibt immer wieder als Joker auf der Bank.

Noch sind es fünf Trainingstage bis zum nächsten Spiel. Zeit genug für Hwang und alle anderen, sich sportlich aufzudrängen. Zudem wird es im Training sicher noch den einen oder anderen positionellen Tausch(-Versuch) von Trainer Hannes Wolf geben. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wer die Gunst der Stunde für sich nutzt und werde Euch von diesem Wetteifern in den nächsten Tagen berichten.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit im abgeschotteten Stadion trainiert. Es lohnt sich also nicht, zum Volkspark zu pilgern. Dafür lohnt es sich umso mehr, morgen früh wieder einzuschalten, wenn es heißt: MorningCall! Ab 7.30 Uhr könnt ihr an dieser Stelle (Klickt hier) komprimiert hören, was über Euren HSV alles geschrieben und gesagt wird. Bis dahin wünsche ich Euch allen einen schönen Abend, Aue drei Punkte und dem ehemaligen Capo Jojo Liebnau samt seiner tapferen Frau Jule alles, alles Gute zur Geburt ihrer süßen Tochter!

Bleibt gesund!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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