Marcus Scholz

2. Juni 2019

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Es passiert gerade nicht viel. Zumindest nicht viel Vermeldenswertes. Der HSV plant weiter seinen Kader und sucht nach Spielern „aus einem anderen Regal“, wie e.V.-Präsident Marcell Jansen dem Hamburger Abendblatt sagte. Soll heißen, es wird nicht mehr nach teuren Soforthilfen gesucht, die in Hamburg dann den persönlichen Tiefpunkt erreichen und am Ende für weniger Geld verlauft werden, als sie eingekauft wurden. Stattdessen wird nach Spielern gesucht, die ihren Wert noch steigern wollen und noch auf der Suche nach ihrem persönlichen Leistungsmaximum sind. Sie sollen es hier in Hamburg entwickeln - und das ist gut so. Das ist ein überfälliger Weg und in den nächsten Tagen wird es mit Sicherheit auch wieder neue Spielerverpflichtungen geben.

„Es ist nicht davon auszugehen, dass wir zum Trainingsauftakt am 17. Juni schon mit der Mannschaft antreten, mit der wir auch ins erste Ligaspiel gehen werden“, so Hecking. Muss auch nicht. Letztlich zählt bei der Kaderzusammenstellung weniger das Tempo denn die Qualität. Marvin Bakalorz ist in diesem Zusammenhang sicherlich schon ein Spieler der gehobenen Klasse. Aber ein Spielertyp, von dem ich mir das erhoffe, was in der abgelaufenen Saison gefehlt hat: Einstellung auf dem Platz. Und sollte es am Ende bei dem Noch-Hannoveraner nicht zur Verpflichtung reichen, dann werden Hecking, Boldt und Co. sicher andere Spieler auf dem Zettel haben, die nominell eben diese Eigenschaften mitbringen.

Und wenn schon nicht so viel los ist, möchte ich die Gelegenheit gern nutzen, und weiter auf die Topkommentare eingehen. Heute auf den Topkommentar von Alex II. In Fett mein Satz, auf den sich Alex II bezieht und in Kursiv lest Ihr immer meine Reaktion auf das direkt davor von Alex II Geschriebene:

"Kapitalvernichtung ist für jedes Unternehmen ein No-Go."

Korrekt! Aber warum wird der schlimmste Geldverbrenner und Totengräber des HSV, der inkompetente Totalversager "Didi" Beiersdorfer dann immer noch von jeglicher Kritik ausgenommen?

Dietmar Beiersdorfer wird da definitiv nicht ausgenommen. Er wurde und wird hier sicherlich noch mehrfach als der verantwortliche Vorstandsvorsitzende genannt, der knapp 100 Millionen Euro in Spieler investierte und damit keinen Erfolg erzielte. Aber für Dich und alle anderen, die das gern noch mal lesen wollen, auch noch mal ganz deutlich: Dietmar Beiersdorfer war wirtschaftlich betrachtet der mit Abstand erfolgloseste Vorstandsvorsitzende des HSV.

"Der HSV wäre gut beraten, wenn man einen in sich geschlossenen, loyalen Kreis schafft."

Wieder korrekt! Nichts anderes tut Bernd Hoffmann. Aber der skrupellose Machtmensch Hoffmann soll ja vom Aufsichtsrat strenger kontrolliert werden.

Wenn Du das so bewertest, ist das völlig okay. Ich versteh allerdings nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Heißt Loyalität in diesem Fall automatisch, dass man sein Amt nicht mehr ausüben soll? Oder weshalb sollten die Aufsichtsräte den Vorstand (Hoffmann, Boldt und Wettstein) nicht streng kontrollieren? Das ergibt für mich keinen Sinn, sondern birgt nur die Gefahr, die den HSV in den letzten Jahren immer wieder hat scheitern lassen: dass man einem operativ handelnden Mitarbeiter alles machen lässt und eben zu wenig kontrolliert. Diese Kontrolle habe ich übrigens in den letzten 20 Jahren noch von JEDEM Aufsichtsrat gefordert. Unabhängig davon, wer Vorstandsvorsitzender war/ist.

"Ich wünsche ... uns allen ein richtig geiles Champions-League-Finale!"

Dito! Jürgen Klopp geht seinen Weg und ist nun Champions League Sieger. Und wer wollte ihn damals nicht beim HSV haben? Dietmar Beiersdorfer. Klopp damals: "Die Vorstände Bernd Hoffmann und Katja Kraus wollten mich. Aber der Sportdirektor Didi Beiersdorfer konnte sich einfach nicht entscheiden. Also hatte er einen Scout losgeschickt, damit der wohl mal so guckt, wie ich ausschaue. Und dann war man überrascht, dass ich so aussehe, wie ich aussehe. Da hab’ ich dann bei Herrn Beiersdorfer angerufen und gesagt: 'Falls ihr noch Interesse habt - ich sage hiermit ab!' Nein, das ging ja gar nicht.“

Richtig. Damals blockierten sich Hoffmann und Beiersdorfer (übrigens nicht mal nur in dieser einen Personalie) schon aus Prinzip in den Entscheidungen und lieferten damit ihren Anfang vom Ende der bis dahin zumindest im Ergebnis sehr erfolgreichen Zusammenarbeit. Sehr schade in diesem Fall auch, weil auch ich sehr neugierig wäre, was Jürgen Klopp in Hamburg bewegt hätte. Dafür kam damals Martin Jol und machte seine Aufgabe hier auch sehr gut. Und es ist irgendwie anzunehmen, dass es für Jürgen Klopp damals nicht hätte besser laufen können, wenn man sich seine folgenden Stationen und Erfolge ansieht…

DANKE DIDI. Danke Herr Matz. Danke Scholle. Wer Beiersdorfer immer noch schont, ist mitschuldig am Niedergang des HSV.

Noch mal: Ich schone Beiersdorfer nicht. Er ist aber heute einfach kein Thema mehr. Genauso wie man bei Beiersdorfers Amtsantritt nicht das Erbe seiner Vorgänger als Entschuldigung für eigenes Missmanagement nehmen durfte, dürfte man das heute auch nicht. Du als bekennender Hoffmann-Befürworter benennst doch Hoffmanns letztes Amtsjahr mit den 30-Mio Transferausgaben auf den letzten Drücker für Flops wie Marcus Berg und Co. auch nicht jedesmal, wenn über die HSV-Finanzen von heute gesprochen wird, oder? Obwohl sein Nachfolger ein Millionenloch vorfand und der HSV durchsetzt war mit Vorgriffen auf künftige Einnahmen. Nein, Du benennst es nicht - und das ist auch okay so. Denn in der Zwischenzeit gab es viele Wechsel auf der Vorstandsebene und viele neue Chancen, die Situation des HSV wieder zu verbessern. So, wie auch jetzt mit dem Wechsel von Heribert Bruchhagen zu Bernd Hoffmann und von Becker zu Boldt. Ich bin mir auch sicher, dass Du das alles selbst weißt. Du hast es ja alles in den letzten Jahren lesen können. Ich habe hier eher das Gefühl, dass Du mit diesem Schlusssatz den schnellen Applaus einiger Userinnen und User dem Inhaltlichen vorziehst. Das finde ich schade. Denn ansonsten lese ich Deine Posts immer sehr gern. Ich stimme selten mit Dir überein, aber ich finde Deine Thesen oft sehr interessant, manchmal sicher schlüssig - und manchmal eben auch nicht, wie hier zum Schluss. Aber das ist für die Sache unwichtig.

Sowas nennt man Meinungsaustausch. Und daher meine Bitte stellvertretend für alle hier an Dich: Mach(t) weiter so!

In diesem Sinne, bis morgen. Da melde ich mich um 7.30 Uhr wieder pünktlich mit dem MorningCall bei Euch.

Bis dann! Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.