Marcus Scholz

31. März 2019

 

Terodde. Immer wieder Terodde. Mit seinem 27. Treffer hat der Spieler von Ex-Kühne-Berater Volker Struth den 1. FC Köln auch heute wieder auf die Siegerstraße geschossen. Ein Spieler, den der HSV (wie alle anderen Zweitligisten) nur zu gern in seinen Reihen wüsste. Aber er ist nicht hier, weil Volker Struth den Mann lieber nach Köln schickte, als ihn dem HSV (als Konkurrent zu seinen Spielern Wood und Hahn…) anzubieten. Und das in einer Phase, wo Struth als Berater von HSV-Investor Klaus Michael Kühne galt.

Beim HSV selbst hieß es damals auf Nachfrage, Terodde sei sicherlich ein sehr guter Zweitliga-, aber eben kein besonders geeigneter Erstligastürmer. Allein Köln sah das offenbar anders. Ebenso Terodde selbst, der fünf Tore in 15 Einsätzen in der Ersten sowie nunmehr 27 Treffer in 25 Zweitligapartien erzielte. Dass der HSV seinerzeit ob des Dauerkrachs zwischen Vorstandsboss Heribert Bruchhagen und Klaus Michael Kühne diese Hilfe von  Struth nicht angeboten bekam - das wurde bei der Nachfrage natürlich nicht erwähnt.

Dem HSV fehlte in den letzten Jahren eh und eben auch seinerzeit jede Weitsicht. Auch, weil man sich intern gerade in dem Moment auf entscheidenden Positionen neu aufstellte, wo man auf dem Transfermarkt hätte aktiv werden müssen. Bernd Hoffmann wurde Präsident und Bruchhagen wusste, dass das gleichbedeutend mit seinem Abgang war. Sportchef Jens Todt war zuvor eh nie mehr als die namentliche Besetzung der Position an sich. Wirkung hatte er nicht, weil der HSV schon damals finanziell handlungsunfähig war. Und so verpasste der HSV eine komplette Transferperiode, um sich langzeitlich aufzustellen, oder das zumindest mit ersten Handlungen voranzutreiben.

Das Ergebnis: Gestern in Bochum waren zwei Stürmer aus Leistungsgründen nicht mal für die Bank nominiert worden, obwohl der HSV nirgendwo mehr Probleme hat als in der Offensive. Und das seit Monaten. Nein, saisonübergreifend sogar schon seit Jahren. Und in einer solchen Situation wird Fiete Arp nicht einmal mehr nominiert. Auch nicht nachnominiert, worauf sich Hannes Wolf heute festlegte. Es wird kein Spieler nachnominiert und bleibt damit bei den 19 Mann vom Bochum-Spiel, für das Jonas David aus dem Kader gestrichen worden war. Weshalb Arp keine Chance bekommt? Ich kann es nicht abschließend beurteilen.

Offensichtlich ist, dass Arp bei seinen Einwechslungen zuletzt schwach spielte und sich über das Training auch nicht für den Kader empfehlen konnte. Andererseits hat Arp unter Wolf auch bislang keineechte Chance gehabt. Gerade einmal 18 Minuten durfte der Youngster auf seiner Position als Mittelstürmer unter Wolf ran - und das in 17 Spielen! Den Rest musste der beim FC Bayern bereits vertraglich gebundene U19-Nationalspieler auf den ungewohnten Außenbahnen oder im Mittelfeld ran. Ein nachhaltiger Versuch, Arp zu aktivieren, war das definitiv nicht. Und DAS werfe ich dem Trainer sehr wohl vor.

Das habe ich den verschiedenen Trainern bei Gregoritsch ebenso wie bei Waldschmidt vorgeworfen. Und bei beiden - insbesondere bei dem zum SC Freiburg gewechselten Offensivspieler -  fühle ich mich heute mehr als bestätigt. Bei beiden wurde es versäumt, alles aus dem Spieler herauszuholen. Und das passiert bei Arp auch. Je länger diese Nichtberücksichtigungen andauern, desto geringer Arps Selbstvertrauen und desto weniger Gegenwehr seitens des zusätzlich eben auch sehr jungen Spielers gegen sein Schicksal.

Dabei hatte nicht nur ich sondern insbesondere auch Wolf immer wieder attestiert, dass Arp sich in jedem Training voll reingehängt hatte. Bis vor kurzem zumindest. Was ich damit sagen will: Von einem guten Trainer wie Hannes Wolf erwarte ich, dass er jeden Spieler solange pusht, bis dieser an seinem Leistungslimit angekommen ist. Zur Not auch länger individuell. Das muss man vor allem dann machen, wenn man finanziell so situiert ist wie der HSV. Denn dann kann man nicht Spieler einfach zum Nachdenken auf die Tribüne setzen und sie ggf. teuer austauschen, indem man neue Spieler kauft. Nein, genau diese deutlich intensivierte Arbeit an der Basis mit jedem einzelnen Spieler gilt bei Ausbildungsklubs wie es der HSV eigentlich längst sein sollte, als Priorität. Weshalb sie bei Arp nicht stattfindet - keine Ahnung.

Ich weiß natürlich nicht, ob intern etwas vorgefallen ist. Deshalb sage ich es noch einmal ganz deutlich unter eben diesem Vorbehalt: Das, was aus Arp herausgeholt wird, ist zu wenig. Und das liegt nicht allein an Arp selbst. Es wird einfach nicht alles versucht. Arp jetzt nicht mit nach Bochum zu nehmen und ihn nicht mal nachzunominieren, obgleich nicht mal ich mit zwei Knorpelschäden, 10 Kilo Übergewicht und der Fitness eines Seniorenkickers weniger Torgefahr bewirken würde als die Offensive des HSV in Bochum, das ist ein Schlag unter die Gürtellinie.

Und ganz deutlich: Arp jetzt abzuschreiben wäre ein Luxus, den sich Wolf angesichts seiner eh schon dünnen Offensive gar nicht erlauben kann. ER wird das sicher auch nicht. Denn Wolf muss - so schwer das auch ist - seine eh schon dünne Offensive einfach bei Laune halten. Eben auch einen Fiete Arp.

Ich bin gespannt, ob der HSV dieses Problem in der  nächsten, oder besser: in den nächsten Transferperioden gelöst bekommt. Lasogga allein kann für keine Liga allein eine Lösung sein. Auch nicht mit wechselweise umfunktionierten Außenstürmern wie Hwang, Narey oder Jatta, den Wolf heute noch mal in Schutz nahm. Wolf: „Gestern hat ihm Frische gefehlt, das weiß er auch. Er war aber zuletzt nach seiner Einwechslung gegen St. Pauli und zu Beginn gegen Darmstadt sehr gut. Deshalb werte ich das mal als Ausrutscher.“ Noch gespannter bin ich darauf, wie Wolf dieses Offensivproblem lösen will in Paderborn. Aaron Hunt fällt weiterhin aus, Tatsuya Ito als Alternative offenbar krankheitsbedingt ebenso wie Arp und Wintzheimer leistungsbedingt.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird erneut in Marienfeld trainiert. Diesmal aber auch dort unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ich melde mich aber selbstverständlich auch morgen wieder bei Euch. Zunächst um 7.30 Uhr wieder mit dem MorningCall, in dem ich Euch kompakt alles das berichten werde, was dort so über den HSV geschrieben und gesprochen wird. Und am Abend werde ich Euch dann hier im Blog mit den letzten News zum Spiel versorgen. Bis dahin, Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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