Marcus Scholz

17. Dezember 2018

Heute Abend dürfen sie dann doch mal etwas feiern, obgleich das letzte Spiel des Jahres noch nicht gespielt ist. In einem sehr guten italienischen Restaurant an der Alster wird mit Spielern, Trainerteam und Vorstand samt Partnerinnen lecker gegessen und das gefeiert, was es zu feiern gibt: Das bisher erste Halbjahr 2018/2019, das am Sonntag erst mit dem späten Kick bei Holstein Kiel sein Ende findet.

Ob dieses Termins haben wir unsere Sendung heute mit dem Torwarttrainer Nico Stremlau vorgezogen. Und ohne mich in das Lob mit einbeziehen zu wollen, kann ich jetzt schon sagen: Es lohnt sich, mal reinzuhören. „Als Torhüter musst du anders sein“, ist der Titel des Interviews, das Ihr hier ab 20 Uhr sehen und hören könnt. Und es beschäftigt sich nicht allein mit den Punkten in der Tabelle, sondern vor allem auch mit dem Weg dahin, der für Torhüter oft sehr hart und steinig ist.

Die Tatsache, das Stremlau selbst erst 26 Jahre jung ist und seinen großen Traum vom Profikeeper gegen ein Studium eingetauscht hat, um seinen „Traumjob 1b“, wie er selbst den Job als Torwarttrainer bezeichnet, verwirklichen zu können, zeigt schon, welche Selbstreflexion der gebürtige Mindener hat. Mich hat der junge Trainer mit den allemal außergewöhnlichen Trainingsmaßnahmen auf jeden Fall begeistert - und vor allem hat er mich mit seiner Art überzeugt. Aber macht Euch am besten selbst ein Bild von dem Mann hinter der bislang besten Nummer eins der zweiten Liga, Julian Pollersbeck. Über den hoch gehandelten HSV-Keeper, den niemand geringeres als Oliver Kahn noch vor nicht allzu langer Zeit als Torhüter mit Potenzial zum Nationalkeeper geadelt hatte.

 

Dass es kein Zufall ist, dass der HSV unter Hannes Wolf in bisher sieben Bundesligaspielen erst fünf Gegentore bekommen hat, ist erkennbar. Defensiv steht der HSV stabil. Auch und vor allem, weil man mit Pollersbeck jenen Keeper hinter sich weiß, der den Unterschied ausmachen kann. Neun Spiele in der Liga zu Null sind schon eine gute Marke. 16 Gegentreffer in 17 Spielen - das ist hinter Union Berlin der zweitbeste Wert der Liga - ebenso. Und würden die (Offensiv-)Spieler jetzt noch häufiger treffen bzw. aus den durchaus vorhandenen Chancen mehr Kapital schlagen, es ergäbe eine vielleicht schon fast etwas erdrückende und zu Hochmut verleitende Dominanz des HSV, der sich mit jungen und hungrigen Spieler wieder zu besseren Zeiten verhelfen will.

Aber nicht nur das: Betrachtet man mal den HSV-Trainerstab, betrifft das auch das direkte Umfeld. Stremlau ist mit 26 Jahren der jüngste hier - Marinus Bester mit 49 Jahren der mit einem Abstand älteste. Nach dem Ex-Profi kommt lange nichts - und selbst Cheftrainer Hannes Wolf ist gerade einmal 37 Jahre jung. Man könnte diese Kette jetzt mit Marcell Jansen als einen sehr jungen von insgesamt drei potenziellen Präsidentschaftskandidaten fortsetzen, aber das ist ein anderes Thema. Eines, das ich heute hier noch immer nicht aufgreifen werde.

Ich halte mich bei diesem Thema erst einmal an die Fakten, und die sahen vor, dass am heutigen Abend die bis vergangenen Freitag 23.59 Uhr eingegangenen Anträge für die Mitgliederversammlung am 19. Januar gesammelt und eine Tagesordnung verfasst werden sollte. Einer der Anträge sieht die Abwahl der zwei verbliebenen Vizepräsidenten des e.V., Thomas Schulz und Moritz Schäfer vor und behandelt ein Thema, das sicher nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Denn Fakt ist auch, verstehen sich die beiden Vizepräsidenten nicht mit ihrem neuen Oberhaupt, haben sie den Boss mit 2:1-Stimmen in der Hand und könnten für eine sehr schwierige Vereinsführung sorgen.

Selbst der Beirat hatte sich vor der Bekanntgabe seiner Kandidaten sehr wohl mit diesem Thema beschäftigt und rechtlich sogar prüfen lassen, inwieweit die HSV-Satzung einen Neuwahl des kompletten Präsidiumsteams zulässt. Ergebnis: Gar nicht. Es sei denn, der Antrag des Herren Dieter Greszisk bekommt am 19. Januar die Mehrheit der Abstimmenden in der edel-optics-Arena in Wilhelmsburg. Sollte das tatsächlich so kommen, wäre der HSV nicht nur um ein weiteres, eher weniger ruhmreiches Stück Vereinsgeschichte „reicher“. Denn dann müssten auch die Wahlen des Präsidenten aus- und neu angesetzt werden. Aber: Warten wir es ab.

Ansonsten war es heute eher ruhig und ich erlaube es mir, diesen Blog an dieser Stelle zu beenden und Euch auf das knapp einstündige Interview zu verweisen. Ich melde mich dann morgen früh wieder um 7.30 Uhr mit dem MorningCall bei Euch und wünsche Euch bis dahin viel Spaß hier und natürlich beim Schauen des letzten Spiels des Zweitliga-Spieltages von Köln gegen Magdeburg um 20.30 Uhr.

Bis morgen! Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.