Marcus Scholz

23. Juni 2019

Dass mit seinem Nachnamen Wortspiele gemacht werden, das kennt er schon. Adrian Fein, das bietet sich natürlich auch an. Und es beschreibt ihn auch sehr gut. Denn der Defensivallrounder gilt als feiner Techniker, als Stratege im Mittelfeld. Der U20-Nationalspieler soll beim HSV ein jähr auf Leihbasis versuchen, sich für die U21 zu empfehlen - und auch für seinen Klub FC Bayern, wo er noch bis 2021 unter Vertrag steht. Und das schon seit seinem achten Lebensjahr - und nach einem frühen Wechsel von Ortsrivalen 1860 München. Und war es bei Jeremy Dudziak noch die Mutter, die ein wenig verärgert war über den Wechsel ihres Sohnes, war es bei Fein sein Vater Oliver - seines Zeichens Anhänger der Löwen. Dennoch bereuen weder Vater noch Sohn diesen frühen Vereinswechsel, denn seither spielt Fein für die Bayern und hat seinen Vater sogar mit auf dem Platz. Ehrlich gesagt hat er sogar die ganze Familie inklusive vier Geschwister, Großvater und heimatliche Bilder mit - in Form von verschiedenen Tätowierungen auf den Armen und dem Oberkörper.

Fein hat seine ganze Familie immer dabei - und Form von Tattoos

Für ein Jahr ist Fein jetzt beim HSV. Und das nach einem weiteren Leihjahr bei Jahn Regensburg, für die er beim 5:0-Sieg in Hamburg eingewechselt wurde. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn man ins Stadion hier einläuft, da bekommt man gleich eine Gänsehaut“, erinnert sich Fein, stellt aber auch gleich klar, dass er seinen Fokus auf andere Dinge legen werde. „Ich kann das auch ganz gut ausblenden und mich auf mein Spiel konzentrieren. Letztes Jahr war ich auch schon in der Zweiten Liga unterwegs, aber ich denke, das ist in Hamburg doch noch mal eine höhere Qualität. Es ist mein zweites Profijahr, und ich möchte mich hier für höhere Aufgaben empfehlen.“

 

Und bislang bereut er noch nichts von dieser Entscheidung:   „Die Rahmenbedingungen hier sind optimal. Auch von der Stadt her ist es eine megahohe Lebensqualität. Bis jetzt war es top. Hier kann man sehr gut arbeiten.“ Er sei früher schon einige Male privat in Hamburg gewesne und hatte die letzten Wochen, als er seine Gespräche mit den Verantwortlichen hatte, die Stadt ein wenig näher angeschaut. Letztlich war es dann alles im Paket - aber vor allem waren es die Gespräche, die Fein von seinem Wechsel zum HSV überzeugt hatten. „Die Verantwortlichen haben mir eine klare Perspektive aufgezeigt, ein klares Konzept. Ich finde das richtig spannend, was man hier vorhat. Vor allem mit jungen Spielern. Aber auch im Mix zwischen erfahrenen und jungen Spielern. Ich hoffe, dass ich mich als Fußballer noch weiterentwickeln, dass ich mein Spiel verbessern kann. Und das auf hohem Niveau.“

Fein freut sich auf den nächsten Schritt und die neue Konkurrenz

Die Konkurrenz auf seiner Wunschposition im zentralen Mittelfeld scheut er dabei nicht. Im Gegenteil: „Ein gesunder Konkurrenzkampf ist für jeden Spieler gut, davon profitiert die ganze Mannschaft.“ Und er hat hohe Ziele. Der Traum, einmal für die Bayern als Profi aufzulaufen, ist weiter existent. Wenn auch aktuell nicht vordringlich. „Es ist mir bewusst, dass es hier auch schwierig werden kann. Das ist überall so, es kann immer mal schlecht laufen. Ich muss einfach Leistung abrufen, dann werde ich auch hier eine faire Chance bekommen. Wenn ich überzeugen kann, dann werde ich auch spielen.“ Zuerst beim HSV - und später dann noch einmal für den FC Bayern.

Der Weg über Ausleihen ist für Fein optimal. Sagt er selbst. „Ich habe mit 17 meine ersten Spiel bei den Profis festgemacht, das war eine mega Erfahrung. Das Tempo extrem hoch und es hat mir definitiv auch weitergeholfen.“ Der Weltklasse-Mittelfedlspieler Thiago ist seither sein Vorbild: „Auf jeden Fall! Das ist ein mega Spieler, da konnte ich mir viel abschauen.“ Und alles das wolle er jetzt eine Spielklasse tiefer umsetzen. Nach Regensburg käme mit Hamburg auf ihn die nächste Qualitätsstufe zu. „Ich denke, dass diese Ausleihen für mich der perfekte Weg sind. Dieses Jahr bin ich schon bei einer top Mannschaft der zweiten Liga. Und natürlich möchte ich mich auch für die Bayern empfehlen. Ich bin jetzt bei einer top Mannschaft und habe die Bühne, mich zu empfehlen. Das eine Jahr sein ganz vernünftige Lösung, da kann man nach diesem einen ja immer noch schauen uns weitergeht. Beide Seiten.“

Selbst die Wohnungssuche wird auf den Job ausgerichtet

Fein ist ein überlegter Typ. Er wirkt sehr ruhig und sachlich. Man merkt ihm an, dass er im Leistungsbereich des Rekordmeisters schon als Jugendlicher auf alle Eventualitäten vorbereitet wurde. Hier und da mit dem branchenüblichen Floskeln - das Phrasenschwein hätte seine Freude an dem 20-Jährigen. Aber im Ergebnis bleibt: Fein spricht lieber etwas weniger als dass er dummes Zeug erzählt. „Ganz ehrlich: Ich konzentriere mich jetzt hier auf die Aufgabe beim HSV. Ich will jetzt hier meinen Platz einnehmen und so viel spielen wie möglich. Und dafür muss ich die Aufgabe komplett annehmen.“ Ablenkungen seien dabei unerwünscht.

Auch die Wohnungssuche wird daher nicht auf bessere Freizeitgestaltung sondern auf den Job ausgerichtet. „Ich will in Stadionnähe wohnen, damit ich nicht auf dem Weg zum Training irgendwo immer wieder im Stau stehe.“ In erster Linie sei er eben hier, um Fußball zu spielen. Und das am liebsten zusammen mit einem guten Freund: Manuel Wintzheimer.  „Als der erste Kontakt zum HSV da war, habe ich natürlich auch gleich mit Manu gesprochen. Ich kenne ihn ja schon länger, habe ja auch noch mit ihm zusammengespielt“, sagt Fein in perfektem Hochdeutsch, komplett ohne Akzent. Seine Erklärung: „Ich bin ein richtiges Stadtkind, und in der Stadt spricht man Hochdeutsch.“

Der 20-jährige Fein bringt alles mit - und will das endlich zeigen

Auf dem Platz indes gibt es es nur eine Sprache: Leistung. Und Fein ist das bewusst. Betrachtet man seine ersten Einheiten, wird schnell deutlich, dass er mehr als ein Backup für David Kinsombi sein will. Und Fein hat tatsächlich alle Zutaten, die ein richtig guter Fußballer braucht. Er hat ein gutes Auge, antizipiert stark und hat ein gutes Tempo. Er ist ballsicher, technisch gut und handlungsschnell. Was ihm mit seinen jungen 20 Jahren und nach 21 Zweitligaeinsätzen noch fehlt ist die Erfahrung und konstant gute Leistungen über einen längeren Zeitraum. Aber genau das ist Feins nächstes Ziel. Beim HSV.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um 10 und um 15.30 Uhr trainiert und ich melde mich wie immer pünktlich um 7.30 Uhr mit dem MorningCall bei Euch. Vielleicht dann ja auch schon mit weiteren Neuigkeiten zum Wunschtransfer Dieter Heckings: Nürnbergs Ewerton.

Bis dahin!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.