Marcus Scholz

28. Juli 2018

Moin, moin, Scholle hier. Aber nur ganz kurz, weil ich den folgenden Text hochgeladen habe und deshalb automatisch mein Foto über dem Blog zu sehen ist. Aber: Ehre, wem Ehre gebührt - der Text ist von Nico! Viel Spaß beim Lesen! Bis bald, Scholle

 

Moin Moin liebe HSVer!

Das Feeling war neu. Keine Frage. Als die Mannschaften ein paar Minuten verspätet kurz nach 16 Uhr den Rasen betraten, herrschte nicht die gleiche Atmosphäre, die man von Heimspielen im Volkspark bisher kannte. Das mag einerseits auch am Wetter gelegen haben. Zehn Minuten vor Anpfiff hatte es wie aus Eimern angefangen zu schütten. Blitze zuckten über der Arena, der Donner wandelte zwischen lautem Knall und bedrohlichem Grummeln. Aber abgesehen von spektakulären und seltenen Wetterphänomenen war da auch die neue Mannschaft. Erstmals betraten in diesen Augenblicken elf Spieler den Rasen, die Teil eines HSV-Zweitligakaders sind. Gewöhnungsbedürftig. 

Dass das beschriebene Gefühl dabei nicht unbedingt schlecht sein muss, war schon etwa drei Stunden vor Anpfiff des letzten Testspiels der Sommervorbereitung gegen die AS Monaco zu spüren. Tausende Fans waren bei noch strahlendem Sonnenschein zum Volksparkfest erschienen und empfingen ihre Mannschaft, die die neuen roten Auswärtstrikots präsentierte, herzlich. Die Profis wurden bejubelt, zeigten sich nah an den Anhängern und sorgten so für ein harmonisches Zusammenspiel. „Dass die Fans uns so brutal unterstützen, ist fantastisch und tut jedem gut“, sagte Lewis Holtby, kurz bevor es zur Besprechung in Richtung Kabine ging und sprach von einem echten Neuanfang nach den Geschehnissen der vergangenen Saison. „Das zeichnet einen großen Club aus, dass man so zusammenhält“, so der Mittelfeldspieler, ehe er in den Kabinentrakt verschwand.

Dort wurde dem Mann mit der Rückennummer 8 schließlich mitgeteilt, dass er im zentralen offensiven Mittelfeld neben Vasilije Janjicic, Jairo Samperio und Khaled Narey auflaufen darf. Die genannten Namen überraschten eher weniger, genauso wie Torwart Julian Pollersbeck, die Viererkette aus Gotoku Sakai, David Bates, Rick van Drongelen und Douglas Santos sowie Matti Steinmann davor. Mit Spannung hatten alle die Entscheidung von Trainer Christian Titz erwartet, wer die Sturmzentrale besetzen würde. Dort fiel die Wahl auf Aaron Hunt.

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Die Partie brauchte etwas, um Fahrt aufzunehmen. Der HSV aber kam zusehend besser in die Begegnung und überzeugte mir großer Variabilität im Spielsystem. Mal ließ sich Steinmann in den Raum zwischen die beiden Innenverteidiger fallen und verstärkte die Defensive so phasenweise zu einer Fünferkette. Auch die vier offensiven Positionen rotierten ständig, standen mal als Kette, dann wieder versetzt. Die Aufteilung erinnerte mal an ein 5 - 3 - 2, dann an ein 4 - 2 - 3 -1 und blitzschnell wieder an die von Titz bevorzugte 4 - 1 - 4 - 1-Grundformation.

Die defensive Aufteilung klappte reibungslos, Zweikämpfe wurden mit dem nötigen Biss geführt. Und dazu entwickelte sich langsam ein ansehnliches Überbrücken des Mittelfelds. Nach einer Viertelstunde sorgte die Griffigkeit der Hamburger für die ersten Torchancen durch Jairo, Hunt, Santos und Narey. Der letztgenannte Neuzugang aus Fürth, der in der ersten Halbzeit hauptsächlich auf der offensiven linken Außenbahn zu finden war, verwertete dann in der 29. Minute ein Anspiel von Aaron Hunt zum 1:0. Dynamisch ging der 24-Jährige am Gegenspieler vorbei und versenkte einen strammen Rechtsschuss halbhoch ins Eck. Der ehemalige Wolfsburg-Keeper Diego Benaglio erreichte den Ball nicht mehr.

Ebenso chancenlos war der Schweizer beim zweiten Streich des Neuzugangs. Abermals legte Aaron Hunt vor, dessen von Kamil Glik abgefälschten Querpass konnte Narey unbedrängt über die Linie köpfen (43.). Der Rechtsfuß war damit schon zum Ende der ersten Halbzeit einer der Gewinner des Härtetests gegen den Zweiten der Ligue 1 des Vorjahres. Dementsprechend lobende Worte fand Christian Titz nach Abpfiff: „Wir haben vor der Saison gesagt, wir brauchen einen Spieler mit Wucht, Speed und Variabilität.“ Und als solcher hat sich der 24-Jährige nun gute Chancen für einen Platz in der Startelf erspielt.

Wie variabel Narey einsetzbar ist, wurde direkt nach Wiederanpfiff sichtbar. Weil Titz Tatsuya Ito für Gotoku Sakai brachte, rückte der Doppeltorschütze von links vorne auf die Rechtsverteidigerposition zurück. Allerdings wirkte der Auftritt auf neuem Posten eher durchwachsen, zudem segelte Narey schon in der 47. Minute unter einer Flanke durch, die den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer durch Rony Lopes zur Folge hatte. Der angesprochene Ito aber sorgte ebenfalls für Alarm und wirbelte die Verteidigung der Monegassen ordentlich durcheinander, immer wieder Torgefahr erzeugend. Auf den Außenbahnen hat Titz für den Saisonauftakt gegen Kiel also die Qual der Wahl und wird wohl entweder auf Jairo, Ito oder Narey in der Startelf verzichten müssen.

Ebenso interessant dürfte die Frage nach dem Stürmer sein. Aaron Hunt bekleidete zwar nicht die Position des klassischen Stoßstürmers, war aber dafür immer anspielbar, verteilte die Bälle klug und bereitete auch noch den dritten Treffer des Tages von Pierre-Michel Lasogga vor (73.). Allerdings war Hunt zu dem Zeitpunkt schon ins offensive Mittelfeld zurückgerückt, und Sturmkonkurrent Lasogga fügte sich mit seinem Tor durch einen trockenen, platzierten Rechtsschuss perfekt ins Spiel ein. Tatsachen, die die Entscheidungsfindung des Trainers nicht unbedingt vereinfacht.

Während Christian Titz nach dem Spiel offen ließ, auf welcher Position er seinen Kapitän eher sieht, sagte Hunt selber: „Mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, liegt mir die Position im Angriff. Ich kann aber auch umswitchen, wie in den letzten 20 Minuten.“ Keine Pluspunkte sammeln konnten derweil Jann-Fiete Arp und Manuel Wintzheimer. Während Arp während seines Kurzeinsatzes nur durch einen Fehlpass ins Aus und eine gelbe Karte wegen Meckerns auffiel, konnte Wintzheimer wenig Akzente im gegnerischen Strafraum setzen.

Im großen und ganzen aber konnte Titz mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden sein: „Was mir sehr gut gefallen hat, sind die rausgespielten Torchancen. Wir hätten durchaus noch das eine oder andere Tor mehr erzielen können“, bilanzierte der Coach nach dem Spiel in der Mixed-Zone. Gegen einen nominell stark aufgestellten Gegner, dem nur wenige Leistungsträger fehlten und der nur eine Woche nach dem HSV in Frankreich in die Saison startet, konnte man als einer der gut 25.000 Fans wirklich zufrieden sein. Das Spiel in Angriffszone war insgesamt sauber und zielstrebig. Die Seitenverlagerung klappte durchweg gut und die dadurch entstehenden Räume wurden wurden teilweise sehenswert ausgenutzt. Auch gegen den Ball funktionierte der Verbund. Der HSV stand immer gut aufgeteilt und wirkt alles in allem Systemkompatibel. Wie oben schon angedeutet, kann die eigene Formation jederzeit auf die des Gegners ausgerichtet werden. Damit hatte Monaco Probleme. Könner wir Stevan Jovetic oder der talentierte Sofiane Diop fanden über weite Teile des Spiels nicht statt. Und wenn es mal brenzlig wurde, stand die Abwehr um die beiden engagiert verteidigenden David Bates und Rick van Drongelen sicher.

Das Duell mit Monaco hat also interessante Erkenntnisse zutage gefördert. Sollte in den nächsten Tagen kein neuer Innenverteidiger mehr verpflichtet werden, dürfte der komplette Defensivverbund auch gegen Kiel so auflaufen. Im zentralen Mittelfeld kann ich mir vorstellen, dass Titz ebenfalls auf die gleichen Köpfe wie heute baut. Einzig Christoph Moritz oder eben ein Stürmer könnte für Vasilije Janjicic in die erste Elf rücken. Der offensive Außenspieler, der zunächst auf der Bank sitzen wird, dürfte dann als Wechseloption ganz vorne auf dem Zettel des Trainers stehen.

Egal, wie sich Christian Titz entscheidet - eines unterstrich der 47-Jährige nochmals: „Wir bestreiten die Saison nicht zu elft. Wir benötigen alle Spieler.“ Damit liegt der Übungsleiter vor dem harten Gang durch die zweite Liga sehr richtig.

Die verbleibende Trainingswoche bis Kiel wird morgen mit einer regenerativen Einheit um 11 Uhr beginnen. Die Reservisten trainieren auf dem Platz, die eingesetzten Spieler sollen die Müdigkeit auf dem Fahrrad rausstrampeln. Am Montag hat die Mannschaft frei.

In diesem Sinne - bis bald!

Euer Nico

PARTNER VON

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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