Marcus Scholz

31. August 2018

Das Spiel des HSV bei Dynamo Dresden wurde angesagt. Die Politik hat den Sport lahmgelegt. Hintergrund: In Dresden werden bei verschiedenen, politisch orientierten Demonstrationen morgen alle Polizeikräfte benötigt. So viele, dass nicht mehr ausreichend für die Sicherheit rund um das HSV-Spiel gesorgt werden kann, wie das sächsische Polizeipräsidium mitteilte. Deshalb sagte die DFL das Spiel heute gegen 18.30 Uhr offiziell ab. Zu einem Zeitpunkt, wo sicherlich schon einige der 3000 erwarteten HSV-Fans nach Dresden gereist waren. Ebenso wie die Mannschaft, die per Bahn bereits nach Dresden angereist war – und gleich wieder abreiste. HSV-Vorstandsboss Bernd Hoffmann zur Absage: „Natürlich hätten wir gerne morgen in Dresden gespielt und sind sportlich vorbereitet gewesen, entsprechend enttäuscht sind wir von dieser Absage. Aber wir müssen wie unser Gegner der Anordnung des sächsischen Innenministeriums folgen.“

Und somit beginnen die freien Tage von Hoffmanns Vorstandskollegen Ralf Becker schon heute. Tage, die er brauchen wird, obgleich er heute vergleichsweise entspannt wirkte. Erleichtert sogar. Dennoch, als sich Ralf Becker heute zu uns in die Runde setzte, um uns zum letzten Zugang Rede und Antwort zu stehen, merkte man ihm an, dass die letzten Wochen an ihm genagt hatten. „Ich werde ab Montag tatsächlich versuchen, mal ein paar Tage rauszukommen aus dem Thema. Mal ein wenig ohne Fußball“, so der Sportvorstand am letzten Tag der Sommertransferperiode. Seine Bilanz: 17 Profis haben den HSV verlassen, acht neue Spieler wurden im Gegenzug verpflichtet. Am letzten Tag der Transferperiode wurde der südkoreanische Nationalspieler Hee-Chan Hwang für ein Jahr auf Leihbasis (ohne Kaufoption) von RB Salzburg verpflichtet. Der 22-jährige Flügelspieler soll den verletzungsbedingten Ausfall von Jairo Samperio kompensieren. 

„Wir hatten bereits am Anfang der Woche eine Einigung erzielen können“, verriet Becker. Und das nicht ohne Stolz. Denn bekannt geworden war davon nichts. Ungewöhnlich für den HSV. „Es war auch wichtig für den Deal, dass nichts herauskommt, da uns die Salzburger darum gebeten hatten. Nachdem sie die Champions-League verpasst hatten, wollten sie nicht auch gleich noch einen Abgang vermelden. Deshalb erst heute die Mitteilung“, so Becker zufrieden. Zufrieden auch deshalb, weil Hwang als aktueller Nationalspieler Südkoreas mit einem Marktwert von 10 Millionen Euro für die Zweite Liga echter Luxus ist. Zusammen mit Santos ergibt das eine linke Seite, die für die Zweite Liga eigentlich schon zu gut ist, oder? Becker lacht. „Nein. Wir haben sportliche Ziele, und die erfordern ein hohes Maß an Qualität. Und die bringt Hwang mit.“

Wann der Südkoreaner da ist, steht noch nicht fest. Morgen absolviert der 22-Jährige an der Seite von Ex-HSVer Heung Min Son das Endspiel der Asien-Meisterschaften gegen Japan. Anschließend könnte er nach Hamburg kommen – wenn der neue Nationaltrainer ihn lässt. „Es ist gut möglich, dass der neue Nationaltrainer alle Spieler gleich im Anschluss zusammenruft, um sie kennenzulernen. Dann würde Hwang erst nach den Spielen in knapp zwei Wochen kommen“, so Becker, „aber es ist sicher, dass er zum nächsten Pflichtspiel da ist.“ Diesen Satz sagte Becker tatsächlich genau so heute Mittag – vielleicht ahnte er schon was von der Absage...

Aber im Ernst: Mit Hwang, für den der HSV knapp eine Million Euro Leihgebühr zahlt, die sich reduziert, sobald Hwang zu regelmäßigen Einsätzen kommt. Ein Schachzug der Österreicher, um sicherzustellen, dass ihr verliehener Spieler möglichst viel spielt. Und wenn man dem glauben darf, was man so über Hwang hört, dann ist diese Regelung auch für den HSV eine Win-Win-Vereinbarung. Denn Hwang verfügt über Tempo, Dynamik, ist technisch stark und auch torgefährlich, wie Ihr im Video erkennen könnt:

Ich freue mich jedenfalls auf den Neuen, der eben das mitbringt, was mir bislang in Person Khaled Nareys so gut gefallen hat und was mir auf der anderen offensiven Außenbahn gefehlt hat: Ballsicherheit in hohem Tempo mit Zug zum Tor. Und jetzt hat der HSV das auf beiden Seiten. Dazu dann noch einen treffsicheren Lasogga in der Mitte – das könnte ganz gut passen...

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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