Marcus Scholz

30. Oktober 2018

Weiterkommen - nur darum ging es heute. Und dieses Ziel hat der HSV erreicht. Mit 3:0 bezwang die Mannschaft von Trainer Hannes Wolf den lange Zeit tapfer mitspielenden Drittligisten Wehen Wiesbaden im Ergebnis deutlicher, als es sich auf dem Platz offenbarte. Pierre-Michel Lasogga und Douglas Santos sorgten  für die Treffer des HSV, der damit ins Achtelfinale einzieht. Es war der zweite Sieg im zweiten Spiel für Neutrainer Hannes Wolf, der wie angekündigt darauf verzichtete, zu rotieren. „Der HSV siegt klar“, titelte der „kicker“ - und das kann er nur für das Ergebnis gemeint haben. Denn aus dem Spiel heraus hatte Wiesbaden in der zweiten Hälfte mehr vom Spiel und zudem Pech, dass sie zweimal am Aluminium scheiterten, ehe Santos in der Nachspielzeit den Deckel draufmachte.

Wobei es einen Wechsel geben musste, nachdem sich Hee-chan Hwang verletzt hatte. Fiete Arp kam. So, wie es die BILD-Kollegen vermutet hatten, ersetzte der HSV-Youngster, der heute ein sehr sympathisches und vor allem auch sehr gehaltvolles Interview bei den Kollegen der SportBild gegeben hatte, den Südkoreaner, der gar nicht erst mitgereist war. Arp begann auf der Außenbahn und sollte Pierre Michel Lasogga als Angreifer ebenso unterstützen wie Khaled Narey auf der anderen Seite. In der siebten Spielminute war es dann auch Arp, der nach einem Santos-Freistoß mit einem Kopfball die erste Torannäherung hatte. Auf der anderen Seite war es der auffällige Schäffler, der in der Zehnten Minute nach einem Ballverlust Mangalas aus mehr als 20 Metern zu hoch zielte.

Insgesamt versteckte sich der Drittligist in dieser Anfangsphase nicht, versuchte mitzuspielen. Und das ergab Räume. Einen davon nutzte der HSV in der 21. Minute. Lewis Holtby legte den Ball im Fallen quer weiter auf Lasogga, der aus halbrechter Position abzog und unter Wiesbadens Torhüter Kolle hindurch traf. Haltbar? Durchaus. Aber auch sehr hart geschossen. Und am Ende ist es auch egal wie - der HSV führte früh. Und das sollte dem Favoriten in die Karten spielen, der weiter Druck machte. Leider ohne weitere Großchance, die es plötzlich auf der anderen Seite zu bestaunen gab. Die Gastgeber waren es, die in der 38. Minute den Ausgleich hätten machen müssen. Schäffler verpasste aber knapp. Es war ein munteres Spiel in der ersten Halbzeit - weil die Gastgeber keinen Beton anrührten, sondern ihr Glück in der Offensive suchten.

Und das immer wieder über den schnellen, robusten Schäffler, oder wie in der 40. Minute auch einmal durch Titsch Rivero per Kopf. Hätte Pollersbeck hier nicht sensationell reagiert, es wäre der Ausgleich gewesen. Der HSV? Er hatte eigentlich alles im Griff, fing aber plötzlich an zu wackeln - allerdings ohne zu fallen. Und so hielt man die knappe Führung bis in die Halbzeit. Mehr noch, in der vierten (!) Nachspielminute der ersten Hälfte konterte der HSV sogar noch einmal gefährlich über Arp, ohne zielgerichtet zum Tor zu kommen. Hunt verschleppte das Tempo nach seiner Ballannahme und beendete den Konter.

Es blieb zur Halbzeit beim 1:0 und die zweite Halbzeit begann wie die erste - leider auch auf den Rängen. Die stimmungsgewaltigen 3500 mitgereisten HSV-Anhänger hatten sich leider nicht im Griff und zündelten wiederholt mit Pyrotechnik, was den HSV wieder eine Menge Geld kosten wird.

Auf dem Platz blieb derweil auch alles wie gehabt. Der HSV spielerisch überlegen, die Gastgeber aber alles andere als defensiv eingestellt. Sie gingen beim HSV früh drauf, während die Hamburger konterten. Ein Indiz: Nach knapp 50 Minuten hatten die Gastgeber ein Eckenverhältnis von 8:2. Andererseits hatte der HSV - Lasogga. Und Arp. Beide erzielten in Kooperation in der 51. Minute das 2:0. Wieder war es Holtby, der den Ball in die Gefahrenzone spielte, diesmal per Flanke auf Fiete Arp, der den Ball per Kopf querlegte auf den mitgelaufenen Lasogga - das 2:0 (51.) und Lasoggas vierter Treffer im zweiten Pokalspiel. Aber war es auch die Vorentscheidung?

 

Mitnichten. Weder auf dem Platz, wo Wehen zu keinem Zeitpunkt aufsteckte. Und leider auch neben dem Platz nicht. Denn die HSV-Anhänger zündelten erneut und Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck aus Freiburg sah sich jetzt genötigt, das Spiel zu unterbrechen und verschwand in der Kabine, während die HSV-Spieler versuchten, auf die eigenen Anhänger einzuwirken. Es drohte ein Spielabbruch. Zumindest aber mussten die Anhänger wissen, dass sie bei der nächsten Unterbrechung den Spielabbruch herbeiführen würden. Traurig und schlichtweg nur noch dumm dieses Verhalten.

Zumal die Unterbrechung dem HSV wehtat. Die Wehener kamen deutlich besser aus der Zwangspause und drückten weiter. Immer wieder versuchten sie es mit Tempo über die Außen zu kommen oder aber über hohe Bälle in den Sechzehner und der HSV hatte jetzt Glück. Erst traf Schäffler den Ball im Fünfer nicht, ehe Pollersbeck in der 63. Minute dann doch geschlagen war - und trotzdem nicht hinter sich greifen musste. Wehens Kyereh verlängert Mrowcas Flanke mit der Fußspitze an die Unterkante der Latte, die nachsetzenden Schäffler und Titsch-Rivero kommen nicht ran. Großes Glück für den HSV, bei dem Trainer Hannes Wolf jetzt Bakery Jatta für Arp brachte (67.). Einen Konterspieler, was beim Stand von 2:0 gute 20 Minuten vor Schluss auch durchaus Sinn machte - aber das Spiel nicht mehr maßgeblich beeinflusste. Bezeichnend das Ende des Spiels. Wiesbaden hatte in der Nachspielzeit noch einen Pfostentreffer - und der HSV traf. Douglas Santos verwertete in der 97. Minute einen Abpraller nach einem Hunt-Schuss zum 3:0.

Der HSV siegte am Ende verdient gegen einen Gegner, der es dem HSV sehr schwer gemacht hatte und durchaus auch hätte treffen können, wenn nicht gar müssen. Auf jeden Fall war das heutige Spiel deutlich intensiver und schwieriger als die Partie am vergangenen Freitag in Magdeburg - und allemal ein guter Test vor dem Spitzenspiel am kommenden Montag gegen den 1. FC Köln. Es war schlichtweg nicht spektakulär, in einigen Szenen glücklich, letztlich aber eben auch effektiv gespielt. So kann man das Spiel sicher ganz gut sehr kurz zusammenfassen. Mit einem guten Holtby, einem lange Zeit Gelbrot-gefährdeten Mangala, einer grundsoliden Defensive, die bei hohen Bällen gegen den auffälligen Schäffler dennoch mehr Probleme hatte, als es ihnen lieb war. Vor allem aber hatte man vorne wieder einen treffsicheren Lasogga, der das Spiel mit seinen beiden Treffern entschied und diesen Schwung hoffentlich bis einschließlich Montagabend konservieren kann.

In diesem Sinne, bis morgen. Da werde ich diesen Sieg dann auch noch ein mal sportlich wie natürlich auch finanziell einordnen.

Scholle

Das Spiel im Stenogramm:

SV Wehen Wiesbaden: Kolke - Kuhn, Mockenhaupt, Dams, Mintzel (77.Schmidt) - Mrowca (77.Dittgen), Titsch Rivero - Andrist (83.Schönfeld), Schwadorf - Schäffler, Kyereh

Hamburger SV: Pollersbeck - Sakai, Bates, van Drongelen, Santos -  Mangala - Arp (67.Jatta), Hunt, Holtby (86.Janjicic), Narey (90.Ito) - Lasogga

Tore: 0:1 Lasogga (20.), 0:2 Lasogga (51.), 0:3 Santos (90.+7)

Zuschauer: 11.137 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Dr. Matthias Jöllenbeck (Freiburg)

Gelbe Karten: Dams (65.) / Mangala (39.), Lasogga (44.)

 

 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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