Marcus Scholz

16. Februar 2019

„Wir sind zwei Mal sehr gut zurückgekommen. Wir können daher mit dem Punkt zufrieden sein“, fasste Berkay Özcan das 2:2 beim FC Heidenheim unmittelbar nach Schlusspfiff zusammen. Und das stimmte. Denn trotz mehr Spielanteile war es am Ende eine absolut gerechte Punkteteilung in Heidenheim. „Es war das erwartet schwere Spiel gegen einen sehr guten Gegner. Wir haben am Anfang vor allem Situationen verpasst, in denen wir schnell nach vorne spielen können. Dann bekommen wir durch einen Standard das 0:1, aber kommen nochmal ran“, so Trainer Hannes Wolf, der nicht zufrieden wirkte. Wolf weiter: „Die zweite Halbzeit geht ähnlich los. Heidenheim erzielt wieder die Führung. Dann haben wir auch etwas Glück. Für uns am Ende ein verdienter Punkt, den wir mitnehmen. Aber wir wollten es natürlich trotz der vielen Wechsel besser machen.“

Hannes Wolf hatte dabei wie erwartet aufgestellt. Mit Josha Vagnoman auf links für den verletzten Brasilianer Douglas Santos sollte es beim FC Heidenheim beginnen. Allein es kam nicht dazu. Statt sein Startelfedbüt unter Wolf zu feiern, verließ Vagnoman schon beim Warmmachen kopfschüttelnd den Platz. Er hatte sich am Freitag im Abschlusstraining das Innenband lädiert und wollte/sollte es versuchen. Beim Passspielen im Warmmachprogramm, so erklärte es Trainer Hannes Wolf vor Spielbeginn, hatte Vagnoman allerdings sofort wieder Probleme und musste deshalb ersetzt werden. Bitter für den Jungen, der gegen Dresden nach seiner Einwechslung überzeugt hatte. Für ihn ging Khaled Narey von rechts vorn nach links hinten, während Hee-chan Hwang sein Comeback feiern durfte und vorn rechts begann.

Offiziell hatte Heidenheim dem HSV-Anhang 1900 Tickets zur Verfügung gestellt. Allerdings wurde es schnell deutlich, dass hier deutlich mehr HSV-Anhänger an Tickets gelangt waren. Zumindest war das Rund der mit 15.000 Zuschauern ausverkauften Voith-Arena markant blau eingefärbt. Und das Spiel begann wie auch passend: der HSV mit mehr Ballbesitz, aber anfänglich ohne Torgefahr. Bis zur 15. Minute passierte so gut wie nichts. Und dann plötzlich (übrigens fast parallel zu St. Paulis Führung gegen Aue) doch das 0:1. 

Das 0:1 aus HSV-Sicht, Dorsch trifft

 Nach einer Ecke der Heidenheimer wehrt Holtby unfreiwillig mittig und zu kurz in den Rückraum, wo Dorsch angesprintet kommt und die Kugel aus zentraler Position abfeuert. Van Drongelen fälscht den Ball sogar noch leicht ab und ließ Pollersbeck damit keine Chance! Wobei man hier ganz deutlich die Frage stellen muss, wer denn für Rückraum beim HSV verantwortlich war. Immerhin standen da gleich drei Heidenheimer rund um den HSV-Sechzehner - vom HSV keiner.

Und gerade einmal zwei Minuten später verlor Rick van Drongelen kurz hinter der Mittellinie unnötig den Ball, Glatzel wurde lang geschickt und war schneller als David Bates. Zum Glück für den HSV versprang der Ball aber bei Glatzels Abschluss und flog so weit über das Gehäuse. Aber es wäre zu diesem Zeitpunkt auch nicht wirklich verdient gewesen, denn der HSV investierte insgesamt mehr als die Gastgeber. Dennoch kam der HSV erst in der 21. Minute zum ersten Torschuss - allerdings flog der Ball von Narey sowie drüber, dass man über den begriff „Torschuss“ in diesem Zusammenhang sicher streiten darf.

Anders dann die 30. Minute, als sich Hee-chan Hwang wieder sehr wild durchdribbelte, der Ball zu Holtby prallte und dieser Berkay Özcan mit einem sehr schönen Pass freispielte. Noch schöner war dann allerdings, wie der Winterzugang des HSV den Ball über den herausbildenden FCH-Keeper Müller hinweg lupfte und zum Ausgleich traf. Und der HSV wollte mehr. Nur drei Minuten nach dem Ausgleich spielt Jatta Holtby frei und der zielt aus 15 Metern deutlich zu mittig - kein Problem für Müller. In der 37. Minute dann ein Doppelpass von Hwang  mit Lasogga, dessen langen Pass Müller noch kurz vor Hwang klären kann. Und wenn es richtig dumm gelaufen wäre, wären die Gastgeber hier tatsächlich doch noch in Führung gegangen. Trotz der 60 Prozent Ballbesitz für den HSV. Andrich schnappt sich rechts im Strafraum nach einem Stellungsfehler Özcans den Ball und feuert aus der Drehung in Richtung langes Eck. Ein knappes Ding, bei dem Pollersbeck nur machtlos zusehen konnte, wie der Ball am langen Pfosten vorbeirauschte.

In der Halbzeit musste HSV-Trainer Wolf dann erneut wechseln. Für den angeschlagenen Jatta kam Vasilije Janjicic. Eine defensivere Auslegung - was mich zunächst sehr verwunderte.

Leider kam es dann auch, wie es sich ehrlicherweise nicht abgezeichnet hatte - Heidenheim ging erneut in Führung. Einen schnellen Angriff über die heute mit Gideon Jung erneut schwach besetzte rechte HSV-Abwehrseite führte zum Treffer von Glatzel, der die Passivität der Hamburger (Jung und Janjicic ließen ihn frei gewähren) ausnutzte und aus 18 Metern aufs kurze Eck trifft. Glatzels schon elfter Saisontreffer und gleichzeitig das 2:1 für den FCH. Wolf stellte sich dennoch schützend vor Jung: „Wir würden das nie als Ausrede nehmen. Wir hatten jetzt einfach nicht mehr so viele Außenverteidiger, daher mussten wir umstellen. Die Jungs, die gespielt haben, haben es aber gut gemacht.“

Die Heidenheimer Führung war für Wolf dennoch Grund genug, erneut zu wechseln. Er nahm den noch lange nicht in Form befindlichen Jung raus und brachte dafür Fiete Arp. Und das wie schon gegen Dresden erneut mit der erhofften Wirkung. Denn keine vier Minuten nach Arp  trifft der HSV zum Ausgleich. Narey bringt das Spielgerät von der linken Seite in die Mitte, wo Holtbys Schuss zunächst geblockt werden kann. Der Ball springt jedoch zu Lasogga, der die Kugel brachial an die Unterlatte und von dort ins Tor befördert. Das 2:2 in der 70. Minute!

Defensiv hatte Wolf mit der Einwechslung von Leo Lacroix inzwischen van Drongelen nach links geschoben und Narey interpretierte seine neue Position (nach links hinten jetzt rechts hinten) sehr offensiv. Egal wie, das Zeichen des HSV war klar. Und da auch Heidenheims Trainer Schmidt noch einmal offensiv wechselte war klar: beide Teams spielten weiter auf Sieg. Und während Glatzel in der 85. Minute mit seinem Schuss aus 18 Metern (trotz eines üblen Platzfehlers) Pollersbeck nicht zu überwinden wusste, bot sich Pierre Michel Lasogga in der 88. Minute bei einem Freistoß aus 20 Metern die Chance, erneut zum Matchwinner zu werden. Er traf allerdings nur die Mauer.

Nachdem Lasogga in der 90. Minute auch die letzte Heidenheimer Chance per (Befreiungs-)Kopfball aus der Gefahrenzone heraus vereitelte, blieb es am Ende bei dem für beide Mannschaften verdienten Punktgewinn, der dem HSV-Trainer wieder einige „Themen“, wie er Fehler bzw. Kritikansätze nennt. „Das Unentschieden geht in Ordnung, weil wir zwei Mal zurückgelegen haben. Es war nicht einfach hier“, resümierte Lewis Holtby. „Die Truppe hat eine gute Moral gezeigt. Den wichtigen Punkt nehmen wir mit, denn Heidenheim kratzt an den Plätzen.“

Parallel zum HSV verlor übrigens der FC St. Pauli gegen Erzgebirge Aue, womit der HSV den Vorsprung auf den Stadtrivalen auf sieben Zähler ausbauen konnte. Pauli ist in der Tabelle auf den sechsten Rang abgerutscht, während Union Berlin den 1. FC Köln (der allerdings noch ein Nachholspiel gegen Aue hat) überholte und den zweiten Tabellenplatz belegt. Die Berliner gewannen nach 1:2-Rückstand in der Schlussminute knapp mit 3:2 beim MSV Duisburg und sind damit zusammen mit Paderborn sowas wie die Gewinner dieses Spieltages.

 

 

Und sollte Kiel morgen gegen Fürth gewinnen, würden die Kieler den FC St. Pauli überholen. Und worüber sich hier jetzt wahrscheinlich viele freuen werden, freue ich mich nicht. Denn Fakt ist, dass die bisherigen Ergebnisse dieses Spieltages die Situation in der Spitzengruppe für den HSV nicht verbessert haben, sondern schlichtweg die Spitzengruppe vergrößert haben. Zumal dann, wenn sich Kiel morgen auf 38 Punkte schießt.

 

Bis dahin Euch allen einen schönen Sonnabend!

Scholle

 

DAS SPIEL IM STENOGRAMM:

1. FC Heidenheim: Müller - Busch, Mainka, Beermann, Theuerkauf - Griesbeck, Dorsch (75. Multhaup), Andrich - Schnatterer (62. Thomalla) - Glatzel, Dovedan (90. Thiel)

HSV: Pollersbeck - Jung (67. Arp), Bates, van Drongelen, Narey -  Mangala - Hwang (74. Lacroix), Özcan, Holtby, Jatta (46. Janjicic) - Lasogga

Tore: 1:0 Dorsch (16.), 1:1 Özcan (30.), 2:1 Glatzel (54.), 2:2 Lasogga (70.)

Zuschauer: 15.000

Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken)

Gelbe Karten: - / Mangala (38.), Hwang (63.), Özcan (64.) 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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