Marcus Scholz

6. Juli 2018

Vorstellungsrunden im Volksparkstadion. Zuerst der neue Außenspieler Jairo Samperio, dann Cotrainer Maik Goebbels. Und während die beiden jeweils sehr gute Eindrücke zu hinterlassen wussten, mussten sie auf bzw. neben dem Platz mit ansehen, wie der HSV bei seinem ersten Härtetest der Vorbereitung mächtig unter die Räder kam. Gegen den dänischen Erstligisten Aarhus GF, der in einer Woche schon in die neue Saison startet, gab es ein bitteres 1:5. Dabei stand es schon zur Halbzeit 0:4, was Christian Titz alles andere als lustig fand. Der Trainer tobte am Spielfeldrand und fand sowohl in der Halbzeit seinen Spielern gegenüber wie im Anschluss bei uns deutliche Worte: „Ein 1:5 kann ich nicht gut finden. Und heute, so ehrlich müssen wir sein, hat uns die Innenverteidigung in der ersten Halbzeit das Spiel verloren.“

Stimmt.

Unter anderem. Denn der Versuch mit Christoph Moritz neben Gideon Jung ging mächtig schief. Gegen extrem tief stehende Dänen ließen sich beide immer wieder zu Vorstößen verleiten und liefen so in bittere Konter. Vor allen Aarhus’ Nummer neun, Kasper Junker, lief den beiden immer wieder davon. Und da parallel auch Douglas Santos defensiv wie offensiv einen richtig miesen Tag hatte, war der HSV hinten schutzlos. Nein: Nicht bundesligatauglich. So ehrlich muss man es sagen. Juelsgard (12.) per direkten Freistoß, Junker (16.) und zweimal Ankersen (41. Und 43.) besorgten die spielentscheidende Führung zur Halbzeit, wobei Gideon Jung bei dem Foul vor dem 0:1 als letzter Mann in jedem normalen Spiel vom Schiedsrichter vom Platz gestellt worden wäre.

Ergo: Das war nichts. Gar nichts. Zumal der HSV auch offensiv kaum stattfand. In der zweiten Halbzeit wurde es mit Rick van Drongelen als Kapitän nebst David Bates defensiv deutlich stabiler, dennoch fing man sich einen Konter, den man nur noch per Foul stoppen konnte. Den fälligen Elfer verwandelte Ankersen und stellte mit seinem dritten Treffer den Endstand her. Auffälliger als der Dreifachtorschütze war allerdings der unfassbar schnelle und gefährliche Kasper Junker. Auch für Sportvorstand Ralf Becker, der nach Schlusspfiff schnurstracks au den Dänen zuging und sich angeregt mit ihm unterhielt. Und vielleicht sehen wir den 24-Jährigen ja irgendwann einmal im HSV-Dress. Immerhin rechnet man beim HSV noch immer mit dem Abgang von Bobby Wood, der heute zusammen mit Kyriakos Papadopoulos eine Laufeinheit absolvierte.

Abgeschlossen sind die Kaderplanungen noch immer nicht. „Es hängt natürlich auch daran, wer eventuell noch geht und welche Möglichkeiten wir dadurch haben“, so Titz heute. Eine vergleichsweise günstige Alternative wäre der Rumäne Andreas Ivan, der im heutigen Test versuchte, alles reinzulegen, was er hat. Leider wirkte er dadurch oft sehr eigensinnig. In dieser Form dürfte der kleine Rumäne, der im Training ansonsten einen ordentlichen Eindruck hinterlassen hatte, eher keine Option sein. „Es ist die Entscheidung des Spielers, der sich hier in der Woche gut präsentiert hat. Ich halte ihn für interessant“, hatte Titz vor dem Spiel gesagt. Nach dem Siel war er nicht wirklich schlauer. „Es geht darum, wie er sich in den Spielen gegen höherklassige Mannschaften präsentiert. Da haben wir nächste Woche noch zwei gute Möglichkeiten, das zu testen. Aber er muss wissen, ob er das Risiko eingehen will, da wir uns noch Zeit lassen wollen und er auch andere Interessenten hat.“

Fix ist seit gestern der Transfer von Jairo Samperio, der sich heute vorstellte und in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, ohne dabei besonders in Erscheinung treten zu können. „Ich bin froh, dass der Transfer so schnell geklappt hat, weil Jairo auch ein Spielertyp ist, den wir als Pendant zu Tatsuya Ito sehen“, verriet Titz. „Er ist ein dribbelstarker Spieler, der seine Stärken im ersten Kontakt hat. Von solchen Spielern kann man gar nicht genug im Team haben, wenn man so tickt als Trainer wie ich. Deshalb bin ich froh, dass er hier ist und unsere Optionen erweitert.“

Optionen offensiv. Denn Jairo ist Außenstürmer, sieht sich selbst nach eigener Aussage variabel einsetzbar, vorzugsweise aber links? „Es ist völlig offen“, so Titz, „er kann über beide Flügel kommen und wir spielen eh öfter im Wechsel. Wir haben mit ihm einen, der auch schon Erstligaerfahrung hat, deutsch spricht. Er kennt Christoph Moritz gut und wird sich schnell integrieren. So ein Transfer passt in die Geschichte, wie wir uns unsere Struktur vorstellen.“

Auch in Sachen Fitness ist Jairo recht gut aufgestellt. „Ich habe in Spanien mit einem Privattrainer gearbeitet und fühle mich gut“, so der Neu-HSVer, der dennoch leichte Defizite hat, die es aufzuarbeiten gilt. „Er wird Teile mittrainieren, und Teile individuell arbeiten. Auch im Trainingslager“, so Titz, der Jairo als Wunschspieler sieht. „Es gab losen Kontakt. Wir haben ihn dann sehr intensiv gescoutet und dann gegenüber Johannes Spors klar meine Meinung geäußert, dass ich ihn gern hier sehen würde.“ Und jetzt ist er da.

Zunächst nur für ein Jahr, was eher ungewöhnlich ist. Allerdings musste es schnell gehen „und da waren wir uns schnell einig, dass ein Einjahresvertrag eine gute Entscheidung ist. Dass ich mir sehr gut vorstellen kann, länger hier zu bleiben, ist aber auch klar“, so Jairo, in dessen Vertrag Optionen für Vertragsverlängerungen eingebaut sind. So hat sich der HSV für den Fall des Aufstieges beispielsweise die einseitige Option auf Vertragsverlängerung eingebaut. Ein insgesamt guter Deal bis hierhin. Jetzt muss Jairo „nur“ noch sportlich überzeugen...

Ebenfalls erst einmal für ein Jahr unterschrieben hat der neue Cotrainer. „Wir haben uns vor zehn Jahren kennengelernt. Er war in Aachen im Trainerstab dabei, wir haben auch später mit meiner Mannschaft gegen ihn mit seiner Luxemburger Mannschaft gespielt“, sagt Titz über seinen neuen Cotrainer, der ihm zusammen mit Andre Kilian assistieren soll. „Andre Kilian ist verantwortlich für den Trainingsablauf und die Organisation“, so der HSV-Trainer über die Aufteilung im Trainerteam. „Auf dem Trainingsplatz übernimmt Andre Kilian die Arbeit mit dem Ball, Maik hat eher den Fokus auf die Arbeit gegen den Ball.“ Soll heißen: Kilian trainiert die Offensivbewegungen, Goebbels die Defensivbewegungen. Und Marinus Bester? Titz: „Bei Marinus Bester war klar, dass er die Talentbegleitung weitermacht.“

Es ist durch das Spiel wieder etwas später geworden. Daher beende ich diesen Blog auch an dieser Stelle und werde Euch morgen das Gespräch mit den Maik Goebbels an dieser Stelle reinstellen einstellen, das wirklich sehr interessant war. Oder besser gesagt: Der Belgier selbst scheint ein sehr interessanter Typ zu sein. Aber dazu morgen mehr und bis dahin noch ein paar Bilder von Jairo, die zumindest andeuten können, was sich die Verantwortlichen von dem letzten Neuzugang erhoffen und worauf sich die Fans freuen dürfen:

In diesem Sinne, bis morgen. Im Anhang findet Ihr noch die HSV-Aufstellung und Statistik.

Bis morgen dann! Scholle

HSV: Pollersbeck (46. Behrens) – Narey (46. Knost), Jung (46. Bates), Moritz (46. van Drongelen), Santos (46. Vagnoman) – Steinmann (46. Ambrosius) – Ivan (46. Jatta), David (46. Kwarteng), Holtby (46. Janjicic), Ito (46. Jairo Samperio, 75. Wintzheimer) – Arp (46. Lasogga).
Tore: 0:1 Juelsgaard (11.), 0:2 Junker (19.), 0:3 Ankersen (40.), 0:4 Ankersen (42.), 1:4 Jatta (49.), 1:5 Ankersen (72.)
 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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