Marcus Scholz

27. Januar 2018

Die Überraschung war schon einige Stunden vor dem Spiel bekannt geworden. Die Kollegen der Mopo hatten früh vermeldet, dass Christian Mathenia wieder die Nummer eins wird. Bitter für Julian Pollersbeck, der sich in den letzten beiden Spielen tatsächlich ordentlich präsentiert hatte und fehlerlos blieb. Allerdings muss man anerkennen, dass Mathenia im Training deutlich präsenter ist. Mathenia ist einfach lauter, aktiver – und das schien Bernd Hollerbach gefallen zu haben.

Deutlich mehr jedenfalls als die neunte Minute. Denn da musste Mathenia das erste Mal hinter sich greifen. Aaron Hunt hatte kurz vor der Mittellinie den Ball leichtfertig verloren und Leipzig zog in Überzahl das Tempo an. Sabitzer bekam auf rechts den Ball, flankte auf den zweiten Pfosten, wo Gotoku Sakai nicht mehr entscheidend stören konnte und Bruma per Kopf das 1:0 erzielte. Dabei machte neben Hunt auch Mathenia eine unglückliche Figur, da er den Ball entscheidend abfälschte und der dahinter postierte Papadopoulos den Ball so verfehlte. Hätte Mathenia den Ball nicht berührt – Papadopoulos hätte den Ball wohl herausschlagen können. Hat er aber nicht – und so lag der HSV im 20. Saisonspiel zum 13. Mal mit 0:1 in Rückstand.

Wer jetzt allerdings erwartete, dass der HSV wie zuletzt zusammenbricht, der sah sich getäuscht. Der HSV blieb aggressiv. Es sah nicht immer schön aus, aber sehr pragmatisch. Wie im Training schon zu sehen war, wurde defensiv aus der Dreier- eine Fünferkette mit zwei Sechsern (Jung, Walace) davor. Und selbst die drei Offensiven (Kostic, Hunt, Wood) arbeiteten mit nach hinten. Es wurde eben endlich mal wieder einfach gespielt und das gemacht, was man kann. Oder besser gesagt: Es wurde endlich nicht mehr das versucht, was man nicht kann. Und das wurde auch noch belohnt. Urplötzlich war Gideon Jung am Ball, spitzelte den Ball weiter auf den durchstartenden Kostic. Und der Serbe nutzte seine Schnelligkeit, legte den Ball am herauseilenden RB-Keeper Gulacsi vorbei und schob zum 1:1 ein (29.). der erste HSV-Treffer der Rückrunde – und ein gutes Signal. Denn plötzlich wirkte RB Leipzig verunsichert.

Allein es blieb beim 1:1 bis zur Pause. Und auch die war interessant. Zumindest das Interview bei Sky von Vorstandsboss Heribert Bruchhagen, der sagte, dass es schwer sei, in der aktuellen Phase Spieler zu finden, die dem HSV helfen können. Vor allem sei es schwer, Spieler für den HSV zu begeistern. Nun denn...

Wirklich begeistern konnte das Spiel in der zweiten Halbzeit zu Beginn nicht. Im Gegenteil. Beide Mannschaften egalisierten sich komplett, Strafraumszenen gab es nicht. Erst in der 55. Minute kam Leipzigs Sabitzer an einen langen Ball, lupfte ihn über Mathenia – kam aber nicht mehr zum Abschluss. Anders Bobby Wood in der 61. Minute. Der sehr agile Kostic flankte von links, in der Mitte kam der US-Amerikaner an den Ball, stoppte ihn mit dem Rücken zum Tor, drehte sich und zog ab – allerdings wusste Bruma den Ball zu blocken (61.). Leider. Aber der HSV machte es gut bis hierhin. Leipzig kam selten bis nie ins Tempo, der HSV machte die Räume eng und nahm den Leipzigern so ihre Stärke.

Mehr noch: Der HSV kam seinerseits zu guten Kontergelegenheiten. Nachdem Papadopoulos in der 77. Minute nach einem Foul an Werner Glück hatte, nicht mit Gelbrot runter zu müssen und Mathenia einen Sabitzer-Freistoßpariert hatte hatte Kostic in der 80. Minute einen dieser Konter. Und der Linksfuß machte es auch gut, zog in den Sechzehner – allein der Anspielpunkt fehlte. Und deshalb blieb es am Ende bei dem aus HSV-Sicht absolut verdienten Punkt in Leipzig. Es ist ein Punkt, der tatsächlich Hoffnung machen darf. Denn der HSV machte genau das, was Hollerbach vorher angekündigt hatte. Es wurde defensiv extrem konsequent verteidigt und das Spiel der Leipziger zunächst einmal gestört, oder sogar zerstört. Parallel dazu wurde schnell umgeschaltet und das Tempo von Kostic genutzt. Dass hier noch eine Menge Luft nach oben ist, ist klar. Aber es war ein guter Anfang für Hollerbach.  

In diesem Sinne, ich melde mich gleich wieder live bei Euch mit Rautenperle.tv. meine Gäste sind vielleicht etwas heiser vom Schreien während des Spiels, aber sie werden sicher eine Menge interessante Dinge zu erzählen haben. Bis gleich!

Scholle

Partner von

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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