Marcus Scholz

16. Januar 2020

Knapp 40 Minuten sind es vom Trainingslager in Lagos bis zu dem kleinen Estadio Municipal de Albufeira, dem Austragungsort des einzigen Testspiels des HSV im portugiesischen Trainingslager. Ein Test vor knapp 200 Zuschauern, den Trainer Dieter Hecking im Vorfeld sehr ernst genommen hatte. Auch, weil es neben dem abschließenden Test in Basel gegen den FC Basel und dem Test gegen Lübeck einer von nur noch drei Möglichkeiten ist, um zu sehen, wer sich für das erste Rückrundenspiel 2020 gegen den 1. FC Nürnberg (30. Januar, 20.30 Uhr Volksparkstadion) anbietet. Zudem standen heute mit Louis Schaub und Jordan Beyer die zwei Winterzugänge das erste Mal im Kader. Schaub begann sogar bei dem 1:1, mit dem Trainer Dieter Hecking im Anschluss zufrieden war. Es sei darum gegangen, die Räume eng zu machen und schnell umzuschalten. „Das ist  uns in einigen Situationen schon ganz gut gelungen.“ Aber seht und hört gern selbst:

Allerdings begann der Kick hier sehr schleppend. Der HSV mit mehr Ballbesitz, der asiatische Champions-League-Qualifikant mit den ersten Chancen. Chancen, die Trainer Hecking ärgerten, da er genau das in diesem Trainingslager zum Kernthema gemacht hatte: die Balance aus mutiger Offensive und stabiler Defensive. Immer wieder wurde hier in den Trainingseinheiten das schnelle Umschaltspiel geübt und lautstark von Hecking eingefordert. Dennoch kamen die Südkoreaner nur dann zu Chancen, wenn die HSV-Defensive mit langen Bällen konfrontiert wurde. Wobei diese Szenen selten waren. Ein Heber in der Anfangsphase war noch das Gefährlichste, was der FC Seoul hier zustande brachte.

Wood und Amaechi fielen ab - und heute nicht auf

Auf der anderen Seite standen mit Xavier Amaechi und Bobby Wood zwei Spieler für den HSV in der Startelf, die hier im Trainingslager zuletzt an Boden verloren hatten. Noch mehr. Und beiden begannen couragiert, aber glücklos. Während Wood in der 14. Minute mit einem Schuss aus 15 Metern noch knapp scheiterte, lief sich Amaechi zu Beginn immer wieder in der tief stehenden Defensive der Südkoreaner fest. Der Engländer braucht eine gute halbe Stunde, bis er endlich Zugriff bekam - verpasste mit ungenauem Passspiel aber, sich wirklich für Höheres empfehlen zu können.

 

Ebenso Bobby Wood, der in der 43. Minute das zweite Mal am Spiel teilnahm, als ihn Bakery Jatta schön frei gespielt hatte und er mit seinem Flachschuss aus 12 Metern am Fuß des südkoreanischen Keepers scheiterte. Glücklicherweise hatte es Adrian Fein zuvor schon besser gemacht. Der zentrale Mittelfeldspieler nutzte seine Schussposition  zunächst (wie so oft nicht), um es dann richtig schön zu machen. Mit einem Lupfer aus 18 Metern ins lange Eck besorgte Fein mit ganz feinem (linken!) Fuß das 1:0 (35.). Schaub? Der Neuzugang aus Köln blieb in der ersten Halbzeit blass, hatte wenig Ballaktionen in dem insgesamt recht unsortierten Spiel.

Suhonen: Anerkennung für gutes Training

Insgesamt schien Hecking die momentan erste Elf in größeren teilen zur zweiten Halbzeit zu bringen. Inkluisive einem Spieler, der hier in den Tagen in Portugal positiv auf sich aufmerksam zu machen wusste: Anssi Suhonen. Der junge Finne trainierte stark und stand (wohl auch zur Belohnung dafür) heute in der zweiten Halbzeit neben David Kinsombi auf der Achterposition.

Und hätte der 19-Jährige in der 54. Minute etwas mehr Dampf auf den linken Fuß bekommen, er hätte den von ihm selbst eingeleitet. Zuvor hatte Hinterseer den südkoreanischen Keeper getestet – und dennoch musste der HSV nach der ersten Unachtsamkeit der zweiten Halbzeit de Ausgleich hinnehmen. Seouls Alibaev traf per Direktabnahme aus 11 Metern unhaltbar für Tom Mickel (60.). Dabei kam der Angriff über die linke Abwehrseite, die in der zweiten Halbzeit überraschend Jeremy Dudziak besetzte, zustande.

Seoul gleicht aus - Samperio muss verletzt raus

Ärgerlicher noch als der Ausgleich war dann allerdings die Verletzung von Jairo Samperio in der 64. Minute. Der Spanier verletzte sich am linken Oberschenkel – für ihn rückte Suhonen auf rechts und Youngster Jonah Fabisch. „Jairo hatte schon in der Woche immer wieder mal Probleme“, so Trainer Hecking, „aber vor dem Spiel gab es grünes Licht. Jetzt hoffen wir mal, dass es nichts allzu schlimmes ist,“

 

Und während Dudziak offensiv stark, aber defensiv anfällig agierte, machte der zweite Neue heute, Jordan Beyer, auf der rechten Abwehrseite in der zweiten Halbzeit nichts falsch. Er wurde insgesamt auch wenig gefordert, aber was er machte, machte er richtig. Wurde Beyer offensiv eingebunden, wusste er sogar zu gefallen. Zumindest mir. Das Tempo, die Ruhe am Ball und vor allem Zweikampfstärke – ich bin mir sicher, dass Beyer im Laufe der Rückrunde dem HSV helfen wird, seine großen Ziele zu erreichen. „Er hat gespielt, wie ich ihn kenne“, so Hecking, „unaufgeregt.“ Stimmt.

Beyer spielt unaufgeregt - und muss singen

Und Beyer selbst? Der war noch nicht zufrieden. „Die Jungs haben mich super aufgenommen. Hat Spaß gemacht, auch wenn es nicht so geendet hat, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Er hoffe aber, dass das noch besser wird – womit er am Abend nicht rechnen durfte. Denn da war er dran - Einstand vor versammelter Mannschaft. Englischer Titel, wie angesagt? Beyer: „Nee, wohl doch eher Schlager. Wolle Petry, oder so.“ Bleibt nur zu hoffen, dass seine Leistungen beim HSV am Ende besser sind als seine Musikauswahl.

 

In diesem Sinne, bis morgen! Da melde ich mich wieder um 7.30 Uhr mit dem MorningCall. Also kurz bevor Tom und ich unsere Wette eiskalt einlösen. Und ein Versprechen an alle Schadenfrohen (und natürlich auch an alle anderen ;-)) unter Euch : Auch das werden wir Euch morgen in voller Länge als Video hier zeigen...

Bis dahin,

Scholle

 

Statistik:

HSV 1. Halbzeit: Heuer Fernandes - Narey, Ewerton, David, Leibold - Fein - Schaub, Moritz - Amaechi, Wood, Jatta

HSV 2. Halbzeit: Mickel - Beyer, van Drongelen, Letschert, Dudziak - Jung - Kinsombi, Suhonen - Jairo (65. Fabisch), Hinterseer, Kittel

Tore: 1:0 Fein (35.), 1:1 Alibaev (60.)

 

 

FAQs

Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.