Marcus Scholz

11. Februar 2019

 

Knapp 7000 Fans aus Dresden heizten im Volksparkstadion ein, wie es Auswärtsfans in Hamburg in den letzten Jahren nur sehr wenige geschafft hatten. Sie verwandelten das  mit 46.924 Zuschauern gut besuchte Volksparkstadion im direkten Fan-Duell mit den nicht minder lauten Hamburgern in einen Hexenkessel, der Erstligareif war. Und auch das Spiel, das der HSV am Ende dank eines Torwartfehlers der Dresdner knapp mit 1:0 für sich entscheiden konnte, begann gut. Siegtotrschütze Lewis Holtby nach dem Spiel: "Es war ein Arbeitssieg. Ich bin froh, dass wir das Spiel gewonnen haben. Dresden hat im 5-4-1 agiert und stand sehr tief. Wir waren sehr geduldig, hatten einen hohen Ballbesitz-Anteil und haben den Gegner letztendlich müde gespielt. Lange hat der entscheidende Pass gefehlt, aber am Ende hatte ich das Glück auf meiner Seite. Es geht nur um die Punkte, nicht um einen Schönheitswettbewerb."

 

Die Dresdner mussten dabei ohne ihren Trainer Maik Walpurgis auskommen. Wie der Verein am Montagmittag mitteilte, laboriert der 45-Jährige an einer akuten Bronchitis. Walpurgis konnte bereits in den vergangenen Tagen nicht das Training leiten und daher leiteten die beiden Cotrainer Ovid Hajou und Massimilian Porcello sowie Torwarttrainer Branislav Arsenvovic das Team heute in Hamburg. Immer mit Walpurgis übers Telefon am Ohr - der Technik sei Dank.

Und es gab gleich von Beginn an eine Menge zu besprechen, denn der HSV begann erwartet druckvoll gegen nicht minder mutige Gäste aus Dresden, deren Fans den wahrscheinlich größten Auswärtsblock seit Jahren bildeten. Dennoch hatte der HSV schon nach knapp drei Minuten die erste gute Gelegenheit. Die bewährte Kombi Santos/Jatta leitete die erste davon ein: Santos mit schönem Steilpass auf Jatta, der in unwiderstehlichem Tempo an seinem Gegenspieler Wahlqvist vorbei in den Sechzehner und per Querpass auf den einschussbereiten Lasogga - leider etwas zu kurz. Ein Dresdner konnte gerade noch per Grätsche vor Lasogga klären.

Und so gut nach vorn, so schlecht machte es Santos ungewohnterweise eine Minute später nach hinten. Sein Stellungsfehler erlaubte den Dresdnern zumindest den ersten Konter, der aber geklärt werden konnte. Dennoch, die Dresdner waren hier zu Beginn nicht nur auf der Tribüne ebenbürtig, sondern auch auf dem Platz. Und sie erkannten die Schwachstelle des HSV: die rechte Seite, wo Gideon Jung zunächst noch nicht so recht wusste, wie er sich zu stellen hatte (was besser wurde - wenn auch nicht gut). Allein offensiv hatte Jung in der achten Minute die bis dahin beste Chance, als er nach einem Eckball (ohne springen zu müssen) aus sieben Metern zum Kopfball kam, diesen aber zu mittig platzierte - Dresdens Keeper Schubert konnte parieren.

Es war ein munterer Auftakt - und das hielt sich. In der 15. Minute bekommt der HSV den Ball auch im x-ten Versuch per Kopf nicht geklärt und über Bande landet der Ball bei Dresdens Jannis Nikolaou, der aus zehn, elf Metern weit über das HSV-Gehäuse schießt. Da war mehr drin für die Gäste. Genauso wie drei Minuten später für den HSV. Narey hatte sich über rechts freigespielt, zog den Ball scharf flach auf den zweiten Pfosten, wo Lasogga per Grätsche nur knapp verpasste (18.). Und wieder nur vier Minuten später war es erneut Lasogga nach einer Jatta-Flanke per Kopf - aber Schubert konnte zur Ecke klären, die es leider fälschlich nicht gab (22.).

Dresden? Blieb gefährlich! Dynamo Kapitän Ebert flankt aus dem rechten Halbfeld, der Ball landet am Fünfer beim aufgerückten Ex-Paulianer Sören Gonther, der sich gegen Jung durchsetzt, den Ball aber aus fünf Metern weit über das Tor setzt. Eine Minute später dann noch eine knifflige Szene, als der inzwischen auf links gewechselte Narey auf der 16er-Linie von Wahlqvist runtergezogen wird - Schiri Willenborg erkannte auf Eckball.

59:41 Prozent Ballbesitz für den HSV und 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe zeigte die Statistik nach 40 Minuten an - es Wirte allerdings deutlich ebenbürtiger, was sich auf dem Rasen abspielte. Ein 2:2 oder gar 3:3 war aber allemal drin - 0:0 stand es indes zur Halbzeit, die beide Trainer(teams) ohne Veränderungen beließen. Ergo: Dresden weiter im 5-4-1 mit dem bei schnellen Kontern immer gefährlichen Koné in der Spitze und der HSV mit dem Versuch, weiter über die Außen (besser) ins Spiel zu kommen.

Und Dresden hatte knapp sechs Minuten nach Wiederanpfiff dann auch die erste große Torchance - natürlich durch Koné, der bei einem Konter David Bates enteilte und aus sieben Metern freistehend vor Pollersbeck am glänzend parierenden HSV-Keeper scheiterte. Auf der Gegenseite flankte Santos aus dem Halbfeld und im Zentrum schädelte Lasogga den Ball aufs Dresdner Tor - allerdings wieder etwas zu zentral und somit kein großes Problem für Schubert (55.).

Leider verletzte sich kurz danach Douglas Santos am linken Oberschenkel und musste ausgewechselt werden. Wie schwer es ist, war bislang noch nicht zu erfahren. Allerdings ist davon auszugehen, dass es eine muskuläre Verletzung ist und der Linksverteidiger zumindest für Heidenheim sehr fraglich ist. Für Santos kam Josha Vagnoman (60.).

Beim HSV wurde Mangala jetzt stärker und der HSV hatte jetzt auch deutlich erkennbar mehr Spielanteile während sich die Dresdner wirklich mit allen elf mann in der eigenen Hälfte verschanzten und auf Konter lauerten. Zu sehr, wie nicht nur Koné empfand, der seine Mitspieler immer wieder aufforderte, wieder rauszukommen. Kamen sie aber nicht. Und das auch, weil der HSV jetzt gefährlicher wurde. Vor allem über die linke Seite und Jatta, der in der 67. und 69. Minute zweimal in den Dresdner Strafraum durchbrach und den Ball jeweils auf Holtby zurücklegte. Der Interimskapitän zog zweimal gefährlich ab - aber erst konnte Gonther zur Ecke abwehren, beim zweiten Mal war es er heute starke Schubert mit einem Arm und starkem Reflex parierte. Da war mehr drin!

HSV-Trainer Hannes Wolf reagierte auf die tief stehenden Dresdner und bracht mit Tatsuya Ito eine frische Kraft. Der kleine Japaner kam für den engagierten Özcan und sollte mit seinen Eins-gegen-Eins-Qualitäten das Abwehrbollwerk der Dresdner aufbrechen. Und er bekam direkt in der 79. Minute auch die große Chance zur Führung, als er aus elf, zwölf Metern halblinker Position im Dresdner Sechzehner frei zum Schuss kam - und weit verzog. Dresden indes kam jetzt nur noch sporadisch vor das HSV-Tor. Zumeist sogar nur dann, wenn der HSV leichtfertig den Ball abgab.

Wolf reagierte noch mal und brachte in der 84. Minute mit dem dritten Wechsel Fiete Arp für Jatta - und der HSV ging in Führung. Allerdings stark begünstigt durch einen üblen Schnitzer des bis hierhin besten Dresdners: Torwart Markus Schubert. Der Keeper konnte einen Rückpass nicht ordentlich verarbeiten, rutschte beim Befreiungsschlag noch aus und traf den attackierenden Holtby, dem der Ball so vor die Füße fiel, dass er aus der Drehung nur noch ins leere Tor einzuschieben brauchte. Das verdiente 1:0 in der 85. Minute.

Dresden warf nun noch mal alles ach vorne, wechselte zwei Offensive ein und drängte den HSV in die eigene Hälfte. Bis auf eine gute Kopfballgelegenheit (90.) für den eingewechselten Atilgan kam aber nichts mehr auf das HSV-Tor. Und so blieb es am Ende bei dem ebenso knappen wie verdienten 1:0-Sieg für den HSV, der damit seinen Vorsprung in der Tabelle wieder auf vier (Köln) sowie sechs Punkte (Union Berlin, Heidenheim, Pauli) ausbaute.

 

Minimalistisch wie in dieser Saison fast immer - aber am Ende auch verdient nach einem harten Stück Arbeit gegen anfangs mutig konternde und defensiv sehr kontrolliert agierende Dresdner, die am Ende entweder zu defensiv spielten oder einfach kräftemäßig etwas wegbrachen. Schwer zu sagen. Aber das wird uns Dresdens Cotrainer Ovid Hajo gleich auf der Pressekonferenz sicher besser erklären können. "Das war ein dreckiger Sieg. Wenn man sich unsere Spiele anschaut, sieht man, dass wir nicht immer die torreichsten Partien haben. Das wichtigste ist aber, dass wir die drei Punkte holen. Dresden hat gut verteidigt, aber dann haben sie doch noch einen Fehler gemacht. Den hat Lewis heute ausgenutzt. Man muss bis zur letzten Minute mit uns rechnen", Lasogga nach Schlusspfiff.

In diesem Sinne, bis später! Dann auch noch mit unserem Blitzfazit.

Scholle

Das Spiel im Stenogramm:

HSV: Pollersbeck - Jung, Bates, van Drongelen, Santos (60. Vagnoman) -  Mangala - Narey, Holtby, Özcan (77. Ito), Jatta (84. Arp) - Lasogga

Dynamo Dresden: Schubert - Wahlqvist, Gonther (87. Röser), Müller, Hamalainen - Nikolaou - Benatelli, Burnic - Ebert (72. Berko), Duljevic (85. Atilgan) - Koné

Tore: 1:0 Holtby (84.)

Zuschauer: 46.924

Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)

Gelbe Karten: Holtby (57.), Jung (77.) / -

     Übrigens: Mit Pierre Michel Lasogga soll es in den nachten Wochen weitere Gespräche geben bezüglich einer Vertragsverlängerung. Bislang gab es nur einen ersten Austausch, wobei die Zahlen schon einmal in den Raum gestellt wurden. Denn Fakt ist, dass der HSV Lasoggas Grundgehalt von 3,4 Millionen Euro in der kommenden Saison nicht bedienen kann - und will. Lasogga selbst erbat sich beim Gespräch im Trainingslager Anfang des Jahres Bedenkzeit. Und die selbst auferlegte Gehaltsobergrenze von einer Million Euro in der Zweiten sowie maximal zwei Millionen Euro in der Zweiten Bundesliga hat weiter Bestand.
Insofern ist es noch ein weiter Weg bei Lasogga. Aber Becker sucht die Entscheidung: „Wir werden uns im März oder April noch mal mit Pierre zusammensetzen, und dann schauen wir weiter“, sagte Becker im Interview dem Nachrichtenportal t-online.de Becker unterstrich dabei die Bedeutung von Lasogga. „Pierre ist ein absoluter Mannschaftsspieler, der sich auch in Phasen, in denen es für ihn persönlich nicht so läuft, immer reinhaut. In unserer momentanen Situation ist er zudem ein unfassbar guter Torjäger. Die Mischung aus seiner Persönlichkeit, seiner Einstellung und der Torgefahr macht ihn zu einem extrem wichtigen Faktor für uns.“

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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