Marcus Scholz

10. März 2018

Dreierkette? Nein, Fünferkette. Oder doch Achterkette? Besser wär’s zumindest, dachte sicher nicht nur ich. 0:7 und höhere Niederlagen wurden allerorts getippt - mit ganz wenigen Ausnahmen. „Das Wunder“, das der HSV braucht, um seine Restchance auf den Klassenerhalt zu wahren, sollte heute beginnen - und dann kam doch alles genau so, wie es an sich erwartet wurde. Ein deftiges 0:6 gegen Bayern, die auf Sparflamme spielen konnten. Es war mal wieder ein Debakel. Von Beginn an.

Wobei zumindest einer versuchte, ein anderes Bild zu zeichnen. Der Sky-Reporter Buschmann bemühte sich, aus einem Spiel, das an sich nichts hergibt, ein außergewöhnlich interessantes Spiel zu machen. Gut, das ist sein Job. Stimmt. Aber wenn Freistöße zu Staatsakten hochstilisiert werden, nur um diesem doch so einseitigen, vorher schon entschiedenen Spiel überhaupt eine gewisse Bedeutung zu geben – dann ist das schon sehr anstrengend. Angekommen ist er damit jedenfalls nicht. Also bei mir nicht - und wahrscheinlich bei einigen anderen auch nicht.

Sofern diese nicht eh schon nach 20 Minuten ab- bzw. umgeschaltet haben. Denn da stand es schon 3:0 durch Franck Ribery (8.) und Robert Lewandowski (12., 19.). Ich persönlich hätte gern an dieser Stelle aufgehört, zu schrieben. Weil jedes weitere Wort einfach zu sinnlos erscheint und das Spiel durch war. Aber okay, ich habe mir auf die Fahne geschrieben, auch dann dabei zu bleiben, wenn es mal nicht läuft. Genau genommen mache ich das schon seit Jahren so…

Zurück zum Spiel: Bernd Hollerbach hatte es ja gesagt, er würde nie aufgeben, immer an die Chance glauben. Auch deshalb wechselte er in der 24. Minute Vasilije Janjicic ein und nahm Dennis Diekmeier vom Platz. Er wollte noch mal etwas bewegen. Nur was? Und warum nicht Sakai, war mein Gedanke. Immerhin spielte der Japaner heute wie in den letzten Wochen unterirdisch. Nicht allein, weil er das erste Tor (unfreiwillig) auflegte und beim zweiten Tor der Bayern kurz sprang.

Aber auch das soll heute ein nebensächliches Moment bleiben. Denn dafür ist die Gesamtsituation einfach zu verheerend. Auch nach diesem Spiel steht der HSV tabellarisch weiter so schlecht da wie zuletzt, obgleich auch Mainz und Wolfsburg verloren haben. Zudem steht mal wieder ein Trainer auf der Kippe. Auch Bernd Hollerbach selbst weiß das: „Ich weiß nicht ob es eng für mich wird. Die Verantwortlichen müssen entscheiden. Ich denke, sie werden dann auf mich zu kommen“.

Das müssen sie auch, zumal Hollerbach schon vor dem Spiel, wie gemutmaßt wurde, in Frage stand und weiterhin steht. Das muss man sich mal vorstellen: Ein Trainer, den man zu spät holt, um überhaupt noch groß etwas zu bewegen, wird vor dem zu erwartenden Debakel in München in Frage gestellt.

WAS BITTE SOLL DANN DABEI HERAUSKOMMEN?

Vor allem: Wie soll so diese Minimalchance noch genutzt werden? Denn auch bei der Mannschaft kommen die Geschehnisse auf Führungsebene nicht gut an. Kyriakos Papadopoulos: „Bei dem Verein passiert jeden Tag etwas Neues - das ist sicherlich auch nicht gut für die Mannschaft. Wir wissen nicht wie es weitergeht. Wir wissen gar nix.“

Und sie zeigen nichts. So hatte der FC Bayern auch heute wieder komplett leichtes Spiel. Schadensbegrenzung war mit Anpfiff das einzige Ziel des HSV, der unter der Woche den Neuanfang mit der Entlassung des Vorstandsbosses Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt für Schlagzeilen gesorgt und die Neuausrichtung ausgerufen hatte - München offenbar noch nicht mit eingerechnet. Diesen Kick hatten die Verantwortlichen offenbar schon vorher abgeschrieben - was auch durchaus realitätsnah wirkt. Die Frage ist nur: Holt man jetzt einen neuen Trainer, von dem man überzeugt ist und geht das Risiko ein, dass sich dieser egal wie verbrennt, wenn am Ende der inzwischen mehr als wahrscheinliche Abstieg steht?

Dass etwas passieren muss, schreiben wir seit Wochen. Das weiß jeder. Denn das heutige Spiel demonstrierte die komplette Ohnmacht des HSV gegen so starke Mannschaften wie den FC Bayern. Ballbesitzphasen gab es quasi gar nicht, wer beim HSV den Ball hatte, der wollte ihn eigentlich nur schnell wieder loswerden. Kurzum: Das war erwartungsgemäß nichts aus HSV-Sicht. Im Gegenteil: Der HSV kassierte durch Arjen Robben in der 55., Riberys zweiten Treffer und Lewandowskis Elfer (90.) sogar noch das 0:4, das 0:5 und das 0:6, wobei Lewandowski sogar noch einen Elfer verschoss (86.).

In diesem Sinne, ich halte es da mit den Worten von Lothar Matthäus: „So gehört der HSV nicht in die erste Liga.“ Und setze noch ein aktuelles Statement von Papadopoulos dazu, der sagte, was alle denken und wissen: Mannschaften wie Köln und Stuttgart haben Spieler geholt, die Tore schießen. Nur wir haben keine bekommen.” Aber auch darum geht es morgen zunächst nicht. Morgen wird es wieder darum gehen, was alles erneuert werden muss. Und um die Tatsache, dass dazu ein Großteil der Mannschaft gehört, was nicht erst heute offensichtlich geworden ist. Das wissen die meisten hier seit Saisonbeginn.

 

Bis morgen.

Scholle

 

 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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