Marcus Scholz

10. Februar 2018

Am Ende ernteten die Spieler des HSV ihren durchaus verdienten Lohn: Den Applaus der mehr als 8000 mitgereisten Fans. Allerdings war schon an den Reaktionen der HSV-Spieler zu erkennen, dass es keinen wirklichen Grund zur Freude gab. Mit 0:2 verloren die Mannen von Neutrainer Bernd Hollerbach beim BVB. Und was nach einem sicheren Ding für die Dortmunder klingt, war lange Zeit auf der Kippe. Weil der HSV defensiv gut und offensiv mutiger als zuletzt agierte. Allein das Toreschießen ist noch immer ein Kernproblem dieses HSV. Aber der Reihe nach.

Der HSV begann wie zuletzt auch: Fleißig, die Zweikämpfe annehmend und fußballerisch aufs Nötigste reduziert. Und wenn sich die Gelegenheit ergab, ging es nach vorn. Genau das eben, was Trainer Bernd Hollerbach seit seinem Amtsantritt konsequent und bis zum Erbrechen üben lässt. Und die Dortmunder, bei denen Marco Reus tatsächlich sein Comeback feierte, hatten damit ihre Probleme. Mehr noch, nach knapp 25 Minuten hatte der HSV das Spiel sogar ganz gut im Griff, scheiterte aber wie immer am größten Problem der Saison: an der eigenen Offensive. Oder besser gesagt: Am Toreschießen.

Denn das Spiel nach vorn war heute in der ersten Hälfte de facto besser als zuletzt. Der HSV war ihm Ecken- ebenso wie im Chancenverhältnis besser. „Der HSV macht es sehr ordentlich, spielt gefällig nach vorn. Hier ist was drin“, war sich Ex-Weltfußballer Lothar Matthäus sicher, nachdem der HSV seine Chancen (30., 36., 38.) allesamt durch Wood und Kostic ungenutzt gelassen hatte, bzw. die Dortmunder oftmals in letzter Sekunde noch ein Bein in den Schuss bekamen. Dennoch war der HSV hier durchaus mutig - und hinten trotz des Fehlens von Kyriakos Papadopulos stabil.

Und so sollte es auch in der zweiten Halbzeit weitergehen. Ging es aber nicht. Gerade als ich hier beim gemeinsamen Gucken Mergim Mavraj lobend erwähnte, fiel das 1:0 für den BVB (50.). Und der Albaner sah dabei unglücklich aus. Dortmunds Pulisic kam rechts im Sechzehner zum Schuss, traf den Ball nicht mal richtig und bereute so dennoch das Tor vor. Bastshuayi brauchte am zweiten Pfosten nur noch einzuschieben - auch, weil Mavraj einen Schritt zu langsam war und den sich im Rücken löste aus den Augen verlor. Bitter für den HSV, der bis hierhin nicht schlechter war als die Dortmunder.

Dennoch, der HSV lag zurück - und Trainer Bernd Hollerbach reagiertet sofort. Keine drei Minuten nach dem Rückstand nahm er den wieder einmal blassen Bobby Wood und Aaron Hunt vom Platz und  brachte dafür Fiete Arp sowie Sejad Salihovic. Und obwohl der hSV weiter mutig agierte, aggressiv die Zweikämpfe annahm und mehrheitlich auch gewann, war es der BVB, der in der 63. Minute die große Chance hatte. Glück für den HSV, dass zum einen Mathenia gegen Schürrle rettete und dann Dahoud sowie Pulisic den Ball im Bachschuss nicht im Tor unterbringen konnten.

Aber das Spiel war jetzt, zumal auch noch Hahn für Erdal kam, komplett offen. Der HSV ging hohes Risiko und kam zu Chancen sowie zu Szenen, die zu Chancen hätten werden können. Dass dadurch nach hinten Lücken entstanden, die zu Dortmunder Chancen führten - logisch. Aber Hollerbach und der HSV an sich bewiesen hier auch durch die Wechsel, dass er hier unbedingt einen Punkt mitnehmen wollte. Vor allem aber versuchte die Mannschaft auf dem Platz alles und drängte Dortmund sogar tief in die eigene Hälfte. Problem auch heute: dem HSV fehlen im letzten Drittel einfach die Ideen. Zu oft wurde ein guter Angriff abgebrochen und der sichere Pass rückwärts gewählt, weil vorn keine Lücken erzwungen werden konnten. Und wenn des dann doch eine Lücke gab, war irgendwie immer ein Dortmunder Bein im Weg oder Büro rettete (87. gegen Salihovic).

Lothar Matthäus hatte Recht, hier war für den HSV mehr drin. Allemal mehr als diese unnötige Niederlage, die Mario Götze in der Nachspielzeit noch auf 2:0 für den BVB ausbaute. In diesem Sinne, bis gleich. Da spreche ich beim "rautenperle.tv-Live"-Talk mit HSV-Vizepräsident  Henning Kinkhorst, dem Beiratsvorsitzenden Jan Wendt sowie unserem Blog-User „Lars 49“ aka Sven Kröger über dieses Spiel sprechen. 

Bis gleich!

Scholle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Marcus Scholz

Der HSV stand und steht immer im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt des Blogs Rautenperle.com ebenso wie natürlich beim Blogautor Marcus Scholz, der sich ein Leben ohne den HSV gar nicht mehr vorstellen kann. Von klein auf an vom HSV-Virus infiziert, zog es Marcus „Scholle“ Scholz nach seinem Studium der Rechtswissenschaften im Jahr 2000 zum Hamburger Abendblatt, wo er von Beginn an die Stelle des HSV-Reporters der auflagenstärksten Tageszeitung Hamburgs innehatte. In dieser Zeit erwarb sich der ehemalige Leistungsfußballer einen Namen in der deutschen Sportjournalistenbranche und ist ein gern gesehener Gast in den verschiedensten TV-Formaten.
Nach vier Jahren als verantwortlicher Blogautor des damals größten, täglichen Fußballblogs Deutschlands hat sich um Scholle herum eine große, fachkundige und diskussionsfreudige Gemeinde gebildet, die hier ihre Heimat gefunden hat. Scholle hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit seinem Co-Autor Lars Pegelow 24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Euch beim HSV am Ball zu bleiben. Beim Training, bei den Spielen, in Interviewterminen mit den Spielern und Vereinsbossen – die Rautenperle ist immer dabei und liefert Euch exklusive Inhalte, täglich die neuesten Nachrichten sowie alle wesentlichen Entwicklungen in und um den HSV herum.
Und dabei scheuen wir uns nicht, immer bis tief auf den Grund zu tauchen und langen Atem zu beweisen. So, wie einst die berühmten Perlentaucher. Für Euch. Für uns. Für den HSV.

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